Mitten in der Stadt, aber fast unsichtbar 

Betreiber verzweifelt: „Die Kunden finden meine Apotheke nicht“

Johannes Zeise-Wallbrecher vor seiner Klösterl-Apotheke im Rückgebäude am Färbergraben 12.
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Johannes Zeise-Wallbrecher vor seiner Klösterl-Apotheke im Rückgebäude am Färbergraben 12.

Der Betreiber der Klösterl-Apotheke versucht seit Monaten verzweifelt, ein Hinweisschild aufzustellen, damit vor allem nachts Kunden zu ihm finden. Aber Stadt und Eigentümer des Nachbarhauses verbieten es bisher.

Alle 27 Tage hat die Klösterl-Apotheke von Johannes Zeise-Wallbrecher, Jahrgang 1947, Nachtdienst. Sie ist eine von drei Apotheken in der Altstadt, die alle Münchner außerhalb der Öffnungszeiten in der Not mit Antibiotika oder Schmerzmitteln versorgen. „Das verkaufen wir nachts am häufigsten“, sagt Zeise-Wallbrecher. Was ihn dann am nächsten Tag erwartet, das weiß er mittlerweile schon vorher: einige sehr verärgerte Kunden.

Sie beschweren sich per Mail und auch nachts per Telefon, dass sie nicht zur Apotheke gefunden haben, obwohl sie schon ganz in der Nähe waren, an der Adresse Färbergraben 12. „Die Leute fragen dann immer: Warum stellen Sie denn kein Schild auf?!“, sagt Zeise-Wallbrecher. Aber ganz so einfach ist das nicht. 

Ein Hinweisschild wäre die Lösung

Der approbierte Apotheker hat seit anderthalb Jahren fast nichts unversucht gelassen, um eben ein Hinweisschild, ein sogenanntes Nasenschild aufzustellen, das per Pfeil den Weg anzeigt. Das offenkundige Problem: Die Apotheke liegt im Rückgebäude, gleich hinter einem Sportgeschäft für Taucherzubehör. „Ohne Schild ist es wirklich schwierig zu erahnen, auf welchem Weg die Kunden direkt zu uns gelangen können“, sagt Zeise-Wallbrecher, „zumindest hat sich mittlerweile ein Großteil unserer Stammkundschaft zurechtgefunden“.

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Über 30 Jahre lang lag die Klösterl-Apotheke am Goetheplatz, an der Waltherstraße. „Aber unser Pachtvertrag wurde leider nicht verlängert. Alternative Räume zu finden, war nicht einfach“, sagt Zeise-Wallbrecher. Aber dann rettete ihn die Familie Scheck und stellte ihm etwa 1000 Quadratmeter über fünf Etagen zur Verfügung, direkt an der Hofstatt am Marienplatz. Dort eröffnete die Apotheke im Mai 2017.

Ja, wo ist sie denn? Hier an der Ecke zum Färbergraben sollte das Schild angebracht werden.

„Von Anfang an wollte ich ein schlichtes Apotheker-A am vorderen Gebäude anbringen lassen, direkt zur Eröffnung, Rot auf Weiß, wie man es kennt“, sagt Zeise-Wallbrecher. Aber der Hamburger Eigentümer des Hauses wollte das nicht, unter anderem mit dem Argument, dass dann jedes Geschäft in der Nähe mit einem Schildwunsch daherkommen könnte. Also wandte sich der Apotheker an die Stadt, mit dem Antrag, ein Hinweisschild auf dem Gehweg anzubringen, an einer Eisenstange an der Ecke Hofstatt-Färbergraben. Doch das Münchner Referat für Stadtplanung und Bauordnung lehnte Zeise-Wallbrechers Antrag ab. Begründung: Das beantragte Schild befinde sich nicht an der offiziell eingetragenen Adresse der Apotheke, nämlich Hofstatt 4, sondern eben auf dem Gehweg Ecke Färbergraben. Es handele sich dabei um eine Werbeanlage, die nicht an der „Stätte der Leistung“ angebracht wäre, so das Schreiben.

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Zeise-Wallbrecher ließ nichts unversucht. Er beantragte auch eine Bestätigung bei der Bayerischen Landesapothekerkammer, dass es sich nicht um ein reguläres Werbeschild handeln würde, sondern um ein Hinweis-schild zu einem Betrieb, der im öffentlichen Interesse handelt und eine Grundversorgung mit Medikamenten sicherstellt. „Auf den Namen der Apotheke wollte ich auf dem Schild ohnehin verzichten. Es handelt sich nur um den Hinweis, wo es zu einer beliebigen Apotheke geht“, sagt Zeise-Wallbrecher. Aber auch das Schreiben der Kammer konnte die Behörden nicht umstimmen.

Zeise-Wallbrecher wandte sich daher jüngst an den Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel. Parteiübergreifend erkannten die BA-Mitglieder die Problematik. Sie vereinbarten, bei einem Ortstermin die Lage genauer zu betrachten und versprachen Zeise-Wallbrecher, sich für sein Anliegen einzusetzen. Auch im Sinne erkrankter Münchner. Ob der BA etwas ausrichten kann, bleibt abzuwarten.

Hüseyin Ince 

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