"Die machen, was sie wollen“

Die Bettel-Mafia im Weihnachtsrausch

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Geschäftsmann Kai Thiele hat auf einem Spaziergang im Umkreis von 400 Metern acht Hundebettler angetroffen.

München - Menschenmassen in der Fußgängerzone, brechend volle Christkindlmärkte: Gerade in der Adventszeit ist die Münchner Innenstadt ein Idyll für die Bettel-Mafia! Jetzt schlägt ein Geschäftsmann Alarm.

Kai Thiele sieht durch die organisierten Banden nicht nur das Stadtbild in Gefahr, sondern vor allem die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. Der Unternehmer arbeitet in der Theatinerstraße und hat bei einem mittäglichen Spaziergang die Situation in der Altstadt mit seiner Handykamera dokumentiert. Im Umkreis von 400 Metern war Thiele rund 20 Minuten unterwegs und hat dabei insgesamt acht Hundebettler angetroffen. Er sagt: „Es sind vor allem organisierte Osteuropäer. Die treffen sich morgens und strömen in alle Richtungen aus. Es kann nicht sein, dass sie gegen jegliche Regeln verstoßen und machen, was sie wollen.“

KVR-Sprecherin Daniela Schlegel kennt das Problem: „Das aggressive Vorgehen, beispielsweise sich Leuten in den Weg zu stellen oder das Betteln mit Kindern ist nach einer Verfügung aus dem vergangenen Jahr im Bereich des Altstadtrings und am Hauptbahnhof komplett verboten.“ Zudem gibt es Bereiche in der Innenstadt, in denen jegliches Betteln untersagt ist – und genau dort machen sich die Banden derzeit besonders breit.

Geschäftsmann Thiele stört ein weiterer Punkt: „Ich könnte mir vorstellen, dass die Bettler ihre Hunde auf Dauermedikation gesetzt haben, um sie ruhigzustellen. Hier spielen doch auch tierschutzrechtliche Fragen eine Rolle.“ Thiele hat auch schon versucht, OB Dieter Reiter zu kontaktieren. Doch bislang gab’s keine Rückmeldung aus dem Rathaus. „Ich habe Herrn Reiter schon persönlich angeschrieben, aber er scheint sich für das Thema nicht sonderlich zu interessieren.“

Mit den Bettlern in Kontakt treten wollte die Versicherungsangestellte Asya B. (33). Sie selbst spricht Bulgarisch und ist seit über zehn Jahren in Deutschland. Sie sagt: „Ich habe einige Leute gefragt, warum sie nicht arbeiten gehen. Da sind ja auch viele junge und kräftige Männer dabei, die auch die Möglichkeit hätten, bei uns zu arbeiten. Ich wurde aber nur übel beschimpft.“

Die Polizei beobachtet jetzt auch wieder mehr Verstöße. „Aus unserer Erfahrung zeigt sich, dass vor allem die Zahl der organisierten Bettel-Banden in den Bereichen der Christkindlmärkte zunehmen“, sagt Sprecher Sven Müller. Deshalb werden jetzt auch wieder vermehrt Anzeigen erstattet. Gleichzeitig weist die Polizei darauf hin, dass nach den Anschlägen von Paris das Hauptaugenmerk auf der allgemeinen Sicherheit liegt.

Johannes Heininger

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