„Wir sind keine Grattler“

Brunnen-Zoff am Viktualienmarkt: Jetzt wehren sich die Biertrinker

+
Eine bunte Truppe des Brunnen-Stammtischs: Watschi (M.) und Ulrich Tresselt (2.v.r.) verteidigen sich.

Bei schönem Wetter trifft sich täglich eine gemütliche Runde bekennender Biertrinker am Liesl-Karlstadt-Brunnen auf dem Viktualienmarkt - zum Ärger der Standlbetreiber. Doch jetzt setzen die Hopfenliebhaber zur Gegenwehr an.

Ein kühles Bier in der Sonne am Liesl-Karlstadt-Brunnen umgeben von Touristen und Marktbesuchern das ist für Michael Watschinger ein Stück Lebensgefühl. Umso mehr schmerzt den Frührentner, den am Viktualienmarkt alle nur Watschi nennen, der Streit, der um den Brunnen entbrannt ist.

Wie berichtet, beklagten Standlbetreiber, der Brunnen würde zunehmend für Trinkgelage genutzt. Die Debatte eskalierte, am Ende wurde die Standlplane der Verkäuferin Jutta Pichl zerschnitten: „Was passiert ist, ist schrecklich, aber mit dem Vandalismus haben wir nix zu tun“, beteuert Watschi.

Mit „wir“ meint der 57-Jährige die „Liesl-Karlstadt-Freunde“, der Stammtisch, der sich bei schönem Wetter jeden Tag am Brunnen trifft. „Ja wir trinken hier unser Bier, aber das dürfen wir auch“, sagt Watschi. „Als Frührentner habe ich eben nicht das Geld, um die Maß immer im Biergarten zu trinken.“ Ärger wolle jedoch keiner der Liesl-Karlstadt-Freunde. „Wir sind eine friedliche Gruppe“, betont Watschi. Ähnlich sieht das auch Ulrich Tresselt. Der Zahnarzttechniker fühlt sich insbesondere durch Marktfrau Pichl falsch dargestellt: „Wir sind keine Grattler“, sagt er. „Bei uns ist alles dabei – vom Rentner bis zum Siemens-Vorstand.“.

Platzverweis sei eine „Schweinerei“ gewesen

Auch der Polizeieinsatz, bei dem einigen der Stammtischler vor kurzem Platzverweise erteilt wurden, sei eine „Schweinerei“ gewesen, wie Tresselt sagt: „Die Polizisten wurden unter falschen Vorgaben gerufen. Denen wurde erzählt, hier gebe es eine Schlägerei.“ Um sich zu betrinken, komme keiner der Liesl-Karlstadt-Freunde an den Brunnen. „Und wenn andere Leute Ärger machen oder einen zu viel hatten, schicken wir die heim“, sagt Tresselt.

Trotzdem überwacht seit den Vorfällen ein Sicherheitsdienst das Treiben am Brunnen. Dessen Anwesenheit besänftigt zumindest Marktfrau Pichl etwas: „Seitdem ist es schon ruhiger geworden“, berichtet sie. Gestört gefühlt habe sie sich schon lange vor der Eskalation vergangene Woche. Der Stammtisch sei ihr und ihrer Kundschaft oft im Weg gewesen, berichtet sie. Auch Drohungen habe es gegeben. „Wer da Bier trinkt, ist mir egal, aber es darf den Marktbetrieb nicht stören.“

Zollner vom Pilzstand: „Mich stören sie nicht“

Mit den meisten anderen Marktleuten sei das Verhältnis aber nach wie vor gut, berichten die Stammtischler. Ein Eindruck, den zumindest Renate Zollner vom Pilzstand gegenüber bestätigt: „Mich stören die Leute nicht, und wenn mich etwas stören würde, würde ich es denen einfach sagen“, meint sie.

Auch die Besucher der Landeshauptstadt hätten ihre Freude an dem Treiben, berichtet Watschi. „Gerade wenn wir hier in Tracht stehen, sind wir eine echte Touristenattraktion, erklären auch schon mal den Weg zum Hofbräuhaus“, erzählt er stolz. So wollen die Stammtischler trotz Streit auch weiterhin an „ihren“ Brunnen kommen. Watschi: „Wir wollen doch wirklich nur in Ruhe unser Bier trinken.“

Annika Schall

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht

Kommentare