Klarstellung zum Prozessauftakt

Chopard-Räuber: Wir sind keine "Pink Panther"!

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Petre C., Joan T., Gabriel I. und Ionel M. stehen seit Freitag vor Gericht.

München - Im Februar 2014 überfielen diese vier jungen Männer den Chopard-Juwelier in der Maximilianstraße. Am Freitag begann der Prozess. Sie gestehen, streiten aber eine Banden-Zugehörigkeit ab.

Mitten in der schicken Maximilianstraße liegen tausende Glasscherben. Die Schaufenster und Eingangstüren des Chopard-Juweliers: völlig zertrümmert. Und irreparabel zerstört. Eine Bande von Juwelen-Räubern hat hier am 12. Februar 2014 einen schweren Einbruch verübt, kostbarsten Schmuck entwendet – und einen Millionenschaden verursacht. Seit gestern stehen vier der fünf Täter vor Gericht: eine Bande junger Rumänen, die angeblich finanzielle Probleme hatten.

Geschockt: Chefin Birgit Laurer.

Laut Staatsanwaltschaft reisten sie erst eine Woche vor dem Raubüberfall nach München ein. Über ihre Verteidiger räumen Petre C. (20), Ioan T. (19), Gabriel I. (22) und Ionel M. (18) die Tatvorwürfe der Anklage ein. Nacheinander verlesen ihre Anwälte die vier Erklärungen: Demnach sei die Tat unter den Männern abgesprochen gewesen. Gewalt hätten sie nie geplant, sondern nur auf den Überraschungseffekt des Überfalls gesetzt. Angeblich rein aus Geldnot seien sie zu Räubern geworden. Mit Gold und Diamanten wollten sie ihre Familien in Rumänien unterstützen, heute tue ihnen die Tat leid. Und, darauf legen alle vier Chopard-Räuber großen Wert: Zu den Pink Panthern gehören sie angeblich nicht! Also jener internationaler Räuberbande, denen weltweit Überfälle zugerechnet werden. Aber: Genau das ist gängige Methode bei den Pink Panthern – ihrem Ehrenkodex zufolge verraten sie nie andere Mitglieder! Vor Gericht schweigen die vier Angeklagten. Kein Wort zu den Details des Raubes oder zu ihren Auftraggebern.

Nach dem Raub sichert ein Polizist den Tatort in der Maximilianstraße.

Die Bilder vom Tatort aber sprechen ihre eigene Sprache. Am 12. Februar tut es um 11.09 Uhr einen mörderischen Schlag vor dem Edel-Juwelier. Mit Vorschlaghammer und Langstiel-Axt schlägt die Bubi-Bande das zwölf Millimeter dicke Verbundsicherheitsglas in Splitter. Hinter Masken vermummt stürmen sie die edlen Räume des Juweliers, in denen sich fünf Mitarbeiter aufhalten. Den Sicherheitsmann zwingen sie, sich auf den Boden zu legen. Dort kauern auch die Verkäuferinnen. Minutenlang zittern sie um ihr Leben!

Die Tatwaffen der Räuber.

Die Räuber aber verschonen sie – und konzentrieren sich auf die wertvolle Beute. Eiskalt und präzise zertrümmern sie zahlreiche Vitrinen und zerschlagen das Inventar. Den teuren Schmuck werfen sie in ihren Rucksack. Und machen fette Beute: 54 Armband- und zehn Tischuhren, einen Kettenanhänger, drei Ringe und Manschettenknöpfe nehmen sie mit – im Wert von 818.690 Euro! Noch am selben Tag schnappt die Polizei einen Teil der Bande in der Altstadt (siehe Text unten). Ein Komplize ist noch allerdings noch mit rund 400.000 Euro auf der Flucht. Den Angeklagten droht nun jahrelange Haft. Das Urteil fällt am 17. März.

So lief die Jagd nach den Tätern

Den spektakulären Raubüberfall haben die Angeklagten eingeräumt. Was nach der Tat geschah: Der tz-Überblick:

  • 11.10 Uhr: Passanten beobachten den Überfall. Sie rennen sofort zu Sicherheitsmann Marcus Z. (38), der gegenüber von Chopard arbeitet. Die Räuber flüchten zu Fuß in die Altstadt.
  • 11.15 Uhr: Mit einem Kollegen läuft der ehemalige Elitesoldat auf die Maximilianstraße und ruft die Polizei. Unauffällig folgen die beiden den Räubern – und halten weiter Kontakt mit den Einsatzkräften.
  • 11.20 Uhr: Am Hotel Mandarin Oriental bemerken die Täter, dass sie verfolgt werden. Daraufhin lassen sie Axt und Hammer fallen. Drei rennen zum Viktualienmarkt, drei Richtung Isartor.
  • 11.25 Uhr: Marcus Z. verfolgt sie, hält sogar ein Auto auf. An der Treppe zum Isartor schafft er es, einen Täter festzuhalten, bis die Polizei eintrifft. Festnahme!
  • 26. Mai: Nach sechs Wochen Fahndung meldet die Polizei: Die Bubi-Bande ist gefasst! Es sind die vier Angeklagten, die auch vor Gericht standen. Nur einer ihrer Komplizen ist noch auf der Flucht: Er soll Schmuck im Wert von 500.000 Euro erbeutet haben.

Andreas Thieme

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