Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Trotz Corona-Blues: So feiert Kult-Wirt Rudi Färber mit Monika Gruber und Roland Hefter

Feiern in Zeiten von Corona – mit viel Abstand und viel Leere außenrum. Es stoßen an (v.li.): SPD-Stadtrat Roland Hefter, Kabarettistin Monika Gruber, Sedlmayr-Wirt Rudi Färber und unsere Kolumnistin Ulrike Schmidt.
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Feiern in Zeiten von Corona – mit viel Abstand und viel Leere außenrum. Es stoßen an (v.li.): SPD-Stadtrat Roland Hefter, Kabarettistin Monika Gruber, Sedlmayr-Wirt Rudi Färber und unsere Kolumnistin Ulrike Schmidt.

60 Tage hatte das Kultwirtshaus „Beim Sedlmayr“ zu, 300.000 Euro Einnahmen fehlen, nicht gerade ein Grund zum Feiern. Jetzt, da wieder offen ist, lässt sich Rudi Färber eine Mini-Party mit zwei Freunden nicht nehmen.

  • Die Corona*-Krise und ihre Beschränkungen traf auch das „Beim Sedlmayr“ am Viktualienmarkt
  • Wirt Rudi Färber ist mit Kabarettistin Monika Gruber sowie Liedermacher und SPD-Stadtrat Roland Hefter gut befreundet
  • Das Trio feierte trotz Corona - natürlich mit Abstand und unterhielt sich über Krise, Kochen, Masken und wie es jetzt weitergeht

München - Sie waren die Ersten, die dem Rudi zum Jubiläum gratuliert haben – bei akkurater 1,50-m-Distanz und mit einer Flasche Schampus aus Monis Handtasche – ganz in der Früh, noch bevor das Lokal öffnete. Freundschaft in Zeiten von Corona! „Ein Kasperltheater“, poltert der Wirt, Rudi Färber, der nach zwei Monaten Auszeit so gut aussieht wie nie. So viel Nichts hat er noch nie gehabt: Mit 13½ Jahren ist er in die Kochlehre gegangen, jetzt ist er 71½. In den 58 Jahren dazwischen war er bis auf eine Knie-OP keinen Tag krank; und Urlaub – mei, höchstens a mal eine Woch’. Wie er es ausgehalten hat, das Corona-Aus?

Er hat getan, was er am besten kann: seine Helene bekocht, jeden Tag. Sie ist in die Arbeit am Flughafen gegangen, wo auch nicht viel los war, und er hat ihr ein trostreiches Festessen bereitet – mit ganz viel Liebe, wie der Rudi extra betont, weil er doch gern zwischen bayerischem Grundgrant und ungezügelter Herzenswärme changiert. Wie es halt auch Kabarettisten zu eigen ist, der Gruberin und dem Hefter, von denen ein jeder nach zwei Monaten Lockdown leichten Unmut im Herzen trägt. Ein Wirtshaustalk mit unserer Kolumnistin Ulrike Schmidt über Corona und andere Umstände:

Rudi: In Österreich sitzen die Leut’ in den Gaststätten einen Meter auseinander, bei uns 1,50 Meter – wir Wirte in Deutschland sind immer die Blöden. Aber i gfrei mi, dass ich meine Stammgäste wiederseh’! Wenn auch nur auf einem Drittel der Plätze. 130 hätt ich normal.
Moni: Was mir so schlimm war: Wennst bei uns im Altenheim die dementen Senioren siehst, die sechs Wochen niemanden haben sehen dürfen. Eine Frau hat mir ihre Angst geschildert, dass ihr Mann sie nicht mehr kennt. Dann ist sie rein, er hat sie ang’schaut und auf einmal angefangen zu weinen. Sie hat ihn nicht einmal in den Arm nehmen dürfen. Der Mann ist 83, und das Einzige, was der noch hat, ist seine Frau.
Roland: Anstatt, dass sie die Leute sauber durchtesten würden! Denn wenn beide wüssten, dass sie keinen Virus haben, könnten sie ganz anders miteinander umgehen.

Die Masken-Debatte

Rudi: Moni, gut, dass Du jetzt ein Jahr Pause machst...
Moni: Des war mehr Glück als Verstand. Ich weiß gar nicht, wo die Zeit der letzten zwei Monate hingekommen ist. Ich schreib’ gerade mit einem Freund an einem Buch. Titel: „Und erlöse uns von den Blöden.“ Da wird’s wieder ein Shit-Störmchen geben, aber das halt ich aus. Wegen meiner Masken-Kritik hat mir sogar ein Freund die Freundschaft aufgekündigt.
Roland: Die es falsch verstehen wollten, haben es falsch verstanden. Die anderen konnten darüber lachen.

Seit 20 Jahren begrüßt Rudi Färber seine Gäste im seinem Lokal „Beim Sedlmayr“.

Moni: Die Leut’ sind so hysterisch, dass sie mir unterstellen, ich würde wollen, dass Menschen sterben. Aber ich will es auch nicht einfach so stehen lassen, dass man uns vor sechs Wochen erzählt, die Masken sind ein Schmarrn und jetzt laufen alle damit rum. Ich sag’ ja gar nicht, dass die Masken grundsätzlich falsch sind, ich sag nur, dass diese ausg’lutschten, selber genähten Dinger, die eine Woch’ lang im Auto rumhängen, und der FC-Bayern-Schal, der scho’ 15 Weißbierduschen überlebt, aber no nie a Wäsch’ g’sehen hat, wohl kaum gegen Viren helfen. Ein Bekannter steht mit der FFP3-Maske in seinem eigenen Garten. Für mich ist das Hysterie. Wenn die Leute im Zug eng beieinanderstehen, und ein Drittel vor sich hinrotzt und -schnieft, da macht die Maske sicher dauerhaft Sinn.
Roland: Ich glaub’, manche genießen sogar die Maske, weil sie in die Anonymität abtauchen können. Meine 81-jährige Mutter ist mit der Maske gestolpert, weil sie den Boden nicht richtig gesehen hat. Ich finde: Man sollte aufpassen, aber mit Hirn.

Kochen gegen die Krise

Rudi: Moni, ich sag’s Dir – Du schaugst guat aus! Dein Österreicher Thomas tut Dir gut!
Moni: Wir haben uns wegen der Grenzschließung die ersten vier Wochen gar nicht und seit ein paar Wochen wieder regelmäßig sehen können. Es war schon zäh! Ich hab halt derweil ausgemistet und mit meiner Mama gekocht, um ihre Rezepte aufzuschreiben: Auszogne, Dampfnudeln, Fleischpflanzerl, Hackbraten. Bei ihr gibt’s kein exaktes Rezept, da musst du danebenstehen, zuschauen, fühlen und das Gröbste mitschreiben – und abends hab ich dann alles feinsäuberlich mit Füller ins Reine geschrieben, in meine „Bibel“. Rudi, Du musst unbedingt die Dampfnudeln von meiner Mama lernen – da machen wir jetzt einen Kochkurs.

Seit 20 Jahren begrüßt Rudi Färber seine Gäste im seinem Lokal „Beim Sedlmayr“.


Rudi: Mach ma! Und ich lern Euch gefüllte Kalbsbrust!
Roland: Bei mir war auch nichts mit Auftritten – alles abgesagt. Ich hab’ neue Lieder geschrieben und mich im Stadtrat eingearbeitet – da passt alles. Des Einzige, was mich aufregt, dass die Extrem-Rechte die Situation ausnutzt, um Stimmung zu machen. Man kann die Krankheit hinterfragen, auch die Regeln, aber man muss Respekt vor unserem Gesundheitssystem und der Politik haben. Wenn man Italien gesehen hat oder jetzt Brasilien, dann sind wir super weggekommen!
Moni: Ich find’, am Land ist es leichter, mit so einer Krise zurechtzukommen als in der Stadt. Aber man muss aufpassen, dass man nicht in einen Schlendrian verfällt. Nach den ersten zwei Wochen, in denen ich in Selbstquarantäne komplett allein in Jogginghosen und mit fettigen Haaren herumgelungert bin, hab’ ich mich jeden Tag so angezogen und geschminkt, als würde ich mich gleich mit einem meiner schwulen Freunde zum Mittagessen in der Stadt treffen. Da kann sich Frau auf keinen Fall hängen lassen!

Wie geht’s weiter?

Moni: Ich nehm’ an, dass ich in meinem Beruf lange nicht mehr arbeiten kann – wenn jeder zweite Platz und jede zweite Reihe frei bleiben müssen, die Leute eine Maske aufhaben und keine Mimik zeigen können, ich vielleicht noch hinter einer Plexiglasscheibe stehen muss – da kommt keine Stimmung auf. Lustig ist was anderes. Und wer wird sich schon impfen lassen wollen, mit einem Impfstoff, der nicht ausreichend lang getestet werden kann. Ich denke, ich werde sehr lang nicht mehr spielen.
Rudi: Und bei uns Gastronomen werd oaner nach dem anderen verrecken. Und dann heißt’s: Wo soll ma jetzt hingehen? Dann gibt’s koane Wirtshäuser mehr, sondern nur noch Italiener, Griechen, Spanier oder Chinesen. Dann ist unsere Wirtshauskultur am Ende und es gibt keinen Platz zum Ratschen, Schimpfen und Fluchen.

20 Jahre im Sedlmayr

Rudi: Der Walter Sedlmayr war bei mir zum Essen, als ich noch den Straubinger Hof hatte. Als Prominenter wollte er das Essen umsonst haben, aber bei mir gibt’s nix umsonst. Dann ist er nicht mehr gekommen. Ich bin auch nicht in sein Lokal Sedlmayr gegangen, weil da gab’s nur weiße Tischdecken – das war nichts für mich. 1990 war er tot. Zehn Jahre später hab’ ich sein Lokal übernommen.
Moni: Ich hätt’ ihn gern kennengelernt. Ich hab’ eine DVD-Box mit allen Folgen der Polizeiinspektion 1, die hab’ ich mir jüngst immer wieder angesehen. Er war einfach ein genialer Schauspieler mit einem unfassbaren Gespür für das, was komisch ist!
Rudi: Des war ein grantiger Hund! Aber er hängt no da an der Wand. Die letzten 20 Jahre waren sehr schön, viel Arbeit, wenig Geld, weil der Staat immer mehr nimmt – die Gastronomie wird ausgesaugt bis zum letzten Tropfen.
Roland: Die Stadt versucht zu helfen, wir schauen, dass es mehr Freischankflächen gibt. Du kannst jetzt bald im Hinterhof ein paar Tische eröffnen.
Rudi: Auf des g’frei i mi!
Darauf Monis Schampus.
Rudi:
Eigentlich bin i gar net so grantig, des hört sich bloß so an.

Kabarettistin Monika Gruber kam aus Italien und musste in Heim-Quarantäne. Den Italienern stellt sie ein gutes Zeugnis aus, für Deutsche gibt‘s auch Kritik.

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