Riesen-Gaudi beim Sedlmayer

Münchner Promis wollen mit Corona-Video aufrütteln: Auch OB Reiter kämpft für Wirtshäuser - „Für manche is scho z’spät“

Die Wirtshauskultur gehört zu Bayern – nach durchschnittlich 80 Prozent Umsatzeinbußen in der Corona-Pandemie sind aber viele Betriebe in der Existenz bedroht. Ein Promi-Video soll helfen.

  • Die Wirtshauskultur gehört zu Bayern – nach durchschnittlich 80 Prozent Umsatzeinbußen in der Corona*-Pandemie sind aber viele Betriebe in der Existenz bedroht. 
  • Einige Prominente wie Ilse Aigner, Monika Gruber, Alfons Schuhbeck und Dieter Reiter wollen jetzt mit einem Video ein Zeichen für den Erhalt der Wirtshäuser setzen. 
  • Wir waren beim Filmdreh dabei.

Update vom 24. Juli 2020: Die Corona-Krise ändert alles, auch unser Vokabular. Die „Abstands-Hoibe“ jedenfalls gab es vor der Pandemie noch nicht, aber auch jetzt wird sie leider noch zu selten getrunken. Aus Sicht der Gastronomie zumindest, die sich etwas einfallen lassen hat, damit die Wirtshäuser wieder voller werden: Zahlreiche Prominente treten in einem zweieinhalbminütigen Video auf, um den Leuten das Vertrauen in die Gastronomie zurückzugeben (tz berichtete exklusiv von den Dreharbeiten).

„Corona duad uns olle weh“, trällert Roland Hefter, der einen Schankmeister spielt. „Doch irgendwie muas weitergeh“, stimmt Kabarettistin Monika Gruber mit ein. Ihre Botschaft ist klar: „D’Wirtschaften triffts echt brutal.“ Keck: Zur Melodie von „Oans, zwoa, gsuffa“ singen Hefter und Gruber über die Wirte mit nur „ein, zwei Gästen“. Die heißen in diesem Fall Petra und Dieter Reiter: Mit seiner Ehefrau sitzt der OB im fast leeren Wirtshaus, während Starkoch Alfons Schuhbeck in der Küche Karten spielt – weil eh keiner was isst. „Bleim weiter jetzt no so vui Leid dahoam, dann ham ma fei olle verlorn“, lautet der ernsthafte Appell des Liedes, zu dem man auf der Bierbank schunkeln könnte. Wenn die Situation nicht so schlimm wäre: „Für manche Wirte is scho z’spät. Oans, zowa, gschlossn!“ Und Moni Gruber ergänzt: „Weil koana mehr zum Essen geht. Is’d Wirtschaft weg, schaun olle bläd.“

Am Ende wird’s dann wieder lustig: Als Manni Schwabl das Wirtshaus betritt, stellt er fest „Do is ja gar nix los, do herin. Des ia ja wie bei uns im Hachinger Stadion.“ Auftritt Ilse Aigner: Die Landtagspräsidentin bringt dem Haching-Präsident sein Weißbier, „wia oiwei.“ „Freili“, grinst der Manni. Am Ende spricht Dieter Reiter das Prosit aus: Doch diesmal nicht auf die Gemütlichkeit, wie man es gewohnt ist – sondern im Sinne der Abstands-Hoibn. Und gefährlich, das macht Alfons Schuhbeck klar, ist der Wirtshausbesuch längst nicht mehr: „Geht’s weida, geht’s eina.“ thi

Auf einer Pressekonferenz in München hat Ministerpräsident Markus Söder ein klares Statement zum Thema Corona abgegeben. Auch das „leidige Party-Thema“ wurde beleuchtet.

Ilse Aigner (l.) und Monika Gruber beim Filmdreh.

So lief der Video-Dreh zum Promi-Video für die Münchner Wirtshäuser

Erstmeldung vom 19. Juli 2020

München* - Als Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU, alias die Bedienung) und SPD-Stadtrat Roland Hefter (alias der Schankkellner) sich in einer Szene mit ihrem Weißbier zuprosten und beim Ansetzen vergessen, dass sie noch Kunststoffmasken tragen, brechen die Darsteller in schallendes Gelächter aus. Liedermacher und SPD-Stadtrat Hefter und die Kabarettistin Monika Gruber haben am Sonntag in der Gaststätte „Beim Sedlmayr“ ein launiges Video gegen das coronabedingte Wirtshaussterben gedreht. Mit prominenter Besetzung und einer Riesen-Gaudi, trotz des ernsten Hintergrunds.

„Die Leute sollen ihre Angst überwinden und wieder ins Wirtshaus kommen, sie sind hier auch drinnen sicher“, so fasst Initiator Roland Hefter die Botschaft des zweieinhalbminütigen Videos zusammen, das in einer Woche im Internet veröffentlicht werden soll. Die Darsteller Manfred „Manni“ Schwabl (Präsident der SpVgg Unterhaching), OB Dieter Reiter (SPD) mit Gattin Petra, Jürgen Kirner (Moderator und Künstler), Starkoch Alfons Schuhbeck und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) seien sofort dabei gewesen – ohne Gage zu verlangen, versteht sich.

In diesem Sommer spielt sich das Nachtleben in München im Freien ab. Am Gärtnerplatz zeigen sich die damit einhergehenden Probleme wie unterm Brennglas.

Corona-Video aus München: Ilse Aigner als Bedienung mit Galgenhumor

Parteiprogramme spielen heute keine Rolle. Das Kernstück des Films: ein Musikvideo, in dem Hefter und Gruber den Klassiker „In München steht ein Hofbräuhaus“ umgedichtet haben: „Der Wirt steht in seinem Wirtshaus drin, mit ein, zwei Gästen(…) Für manche Wirte ist‘s schon zu spät, eins, zwei , g‘schlossen.“

Vor und nach dem Gesang gibt es eine kleine Szene, in der die Promis ein, zwei Sätze sagen. Ganz ohne Drehbuch. Heute soll es nicht streng zugehen – auch wenn die Filmcrew von „Schau hi Films“ oft kein Gehör findet in dem Trubel. Es geht zu, wie es vor Corona im Wirtshaus zuging. So, wie es sich alle wieder wünschen.

Zu wenig zu tun: Wirt Rudi Färber (l.) sitzt in einer Videoszene mit Kollege Alfons Schuhbeck beim Karteln in der Küche.

In einer Drehpause erzählt Ilse Aigner, wie sie bei einem Anzapf-Termin die versammelte Presse mit Bier vollspritzte. Lautes Gelächter. Zwischendrin ein Schluck aus dem (alkoholhaltigen) Weißbier. In einer Szene fragt Manni Schwabl, ob es hier auch was zu essen gäbe. „Ja, noch so ungefähr 250 Schweinsbraten“, antwortet die Bedienung Ilse Aigner mit Galgenhumor.

Rudi Färber und Alfons Schuhbeck vertreiben sich die Zeit mit Kartenspielen

Dass der Dreh ausgerechnet in diesem Traditionslokal am Viktualienmarkt ohne Außenplätze stattfindet, ist kein Zufall. Wirt Rudi Färber sitzt in einer Videoszene mit Kollege Alfons Schuhbeck beim Karteln in der Küche – es gibt ja kaum was zu arbeiten. Das ist gar nicht so überzogen. „Meine Stammtischler dürfen nicht kommen, weil ihre Frauen Angst haben, dass die Männer sich anstecken“, klagt Färber. Er mache nur noch ein Viertel des üblichen Umsatzes. Er hofft jetzt auf Freischankflächen, die er in einer Woche bekommt – und dass das Video etwas in den Köpfen der Gäste bewegt.

Auch Münchens OB Dieter Reiter (l.) war mit von der Partie.

„Der Mensch ist nicht dafür gemacht, als Einzeltier durch die Welt zu laufen, der braucht das Wirtshaus“, ruft Jürgen Kirner dem Wirt aufmunternd zu. Der Dreh sei ein Geschenk in diesen ernsten Zeiten. „Schön, dass man im Wirtshaus mal wieder Gaudi hat.“ Er spricht damit allen hier aus der Seele. Nina Bautz - *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Astrid Schmidhuber

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