Sie verteidigen ihr Junges

Zwei Münchner Krähen auf Krawall gebürstet: Attacken fast wie bei Hitchcocks „Die Vögel“

Diese Standbilder aus einem Video zeigen, wie eine Krähe einen Passanten anfliegt und diesem die Mütze vom Kopf reißt.
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Diese Standbilder aus einem Video zeigen, wie eine Krähe einen Passanten anfliegt und diesem die Mütze vom Kopf reißt.

Das nach den Corona-Lockerungen zurückgekehrte Leben in München freut zwei Krähen nicht. In der Neuhauser Straße haben sie ihr Nest gebaut – und verteidigen ihre Brut.

  • Nach den Corona-Lockerungen kehrt Leben in Münchens Fußgängerzone zurück.
  • Zwei Krähen fühlen sich gestört und attackieren Menschen.
  • Offenbar wollen die Vögel nur ihr Junges beschützen.

München - Die Situation erinnert ein wenig an Alfred Hitchcocks Gruselklassiker „Die Vögel“: Krähen, die Menschen angreifen – bis irgendwann Blut fließt. In der Neuhauser Straße auf Höhe der Hausnummer 12 verteidigen seit ein paar Tagen zwei Krähen mit Krallen- und Schnabel-Einsatz ihr Junges. Das geht so weit, dass Passanten blutige Verletzungen davontragen. Die Polizei hatte den Bereich kurzzeitig mit einem Absperrband gesichert, doch nun scheint sich keiner mehr zuständig zu fühlen – außer ein paar Tierschützern, die dort tagsüber im Regen bibbernd Wache halten.

Guten Appetit: Ein Krähenjunges macht sich über etwas Futter her. Im Hintergrund die ehrenamtlichen Helfer Petra Kern, Laura-Celina Lankes und Irmgard Baumgartner (von links nach rechts)

„Ich habe mit Polizei und Feuerwehr gesprochen, aber keiner will was unternehmen“, sagt Tierschützerin Petra Kern (61). Von Bauarbeitern, die gerade bei der Baustelle an der Alten Akademie nebenan beschäftigt sind, hat die Münchnerin ein Absperrband erhalten und den Bereich kurzerhand selbst eingegrenzt. „Die beiden Krähen wollen nur ihr Junges beschützen, das dort am Boden sitzt und noch nicht fliegen kann“, erklärt sie.

Tierschützer befürchten, dass die Krähen erschossen werden

Dabei gehen die Rabenvögel ziemlich rabiat vor. Bauarbeiter Thomas Ritzinger (48) berichtet: „Ich habe gesehen, wie die Vögel mit ihren Schnäbeln auf eine Frau eingehackt haben. Sie hat danach am Kopf geblutet!“ Kern und ihre Tierschutz-Kollegen befürchten nun, dass die Stadt die Krähen zum Schutze der Menschen erschießen lassen könnte. „Jemand von der Feuerwehr meinte, man habe einen Jäger alarmiert“, sagt die Erzieherin bestürzt.

Nach den Corona-Lockerungen kehrt in München langsam das Leben zurück. Das passt zwei Krähen gar nicht - sie verteidigen in München ihr Junges. Der Bereich war abgesperrt.

Sie vermutet, dass es an der ungewohnten Ruhe wegen der Corona-Maßnahmen lag, dass die Krähen überhaupt in einem Baum mitten in der Fußgängerzone gebrütet hatten. „Sonst wären die nie so blöd“, sagt die 61-Jährige.

Am Sonntagabend ist ein Fahrradfahrer in München tödlich verunglückt. Nun sucht die Polizei nach dem Mann, mit dem er zuvor kollidiert war.

Auf Anfrage unserer Zeitung gibt die Stadt derweil Entwarnung. Niemand habe vor, die Vögel zu erschießen. „Vermutlich wird das Rabenkrähenjunge noch diese Woche flugfähig. Dann hören die Attacken auf“, sagt Johannes Mayer vom Kreisverwaltungsreferat. Die Jagdbehörde würde nun dafür sorgen, dass der Bereich um das Vogelküken mit Absperrband gesichert wird. Wann das passiert, ist noch unklar. Bis es so weit ist, halten die Tierschützer vor Ort weiterhin eisern Wache.

Eine Passantin schoss Fotos davon, wie mutmaßliche MVG-Mitarbeiter mit einer Pistole Tauben töteten. Die Verkehrsgesellschaft stellt sich den Vorwürfen.

Dass ausgerechnetHundeliebhaber für den Tod von Jungvögeln verantwortlich sein können, hat jetzt eine Studie aus den Niederlanden zutage gefördert.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in München lesen Sie in unserem Ticker.

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