15.000 Münchner setzen Zeichen gegen Pegida

Video: Größte Demo in München seit zehn Jahren

München - Im Kampf gegen die unübersehbar von Rechtsextremen unterwanderte, anti-islamische Pegida-Bewegung stellten die Münchner am Montagabend die größte Demonstration der letzten zehn Jahre auf die Beine

Mit 1200 Teilnehmern hatten die Behörden gerechnet. Doch es kamen 15 000 – weit mehr als das Zehnfache! Im Kampf gegen die unübersehbar von Rechtsextremen unterwanderte, anti-islamische Pegida-Bewegung stellten die Münchner am Montagabend die größte Demonstration der letzten zehn Jahre auf die Beine – und das nur zwei Tage vor Weihnachten. Welch herzerwärmendes Zeichen des Respekts, der Toleranz und des Mitgefühls für die Flüchtlinge, die in diesen Tagen Schutz und Hilfe suchen in der Weltstadt mit Herz!

Schon lange vor dem Beginn um 18 Uhr war der Platz vor der Staatsoper voll – ein fröhliches plakat- und fahnenschwingendes Bündnis von Künstlern, Parteien, kirchlichen Gruppen, Flüchtlingsorganisationen und Bürgern aller Generationen, die an diesem Abend durch ihre Anwesenheit ein Zeichen setzen wollten. Lang war die Liste der Redner, Musiker und Kabarettisten wie Till Hoffmann und Matthias Weinzierl (Bellevue di Monaco), Konstantin Wecker, Georg Ringswandl, Max Uthoff und Claus von Wagner, Ami Warning, Kofl­gschroa, die Express Brass Band sowie Benjamin Idriz (Forum für den Islam München), Pfarrer Rainer Schießl, Siggi Benker (Bunt statt braun) und viele andere.

Auch das Residenztheater schickt ein deutliche Botschaft

Mitten ins Herz traf Oberbürgermeister Dieter Reiter, der tosenden Applaus für seine Worte erntete: „Bei uns ist Platz für Menschen verschiedener Hautfarbe, Herkunft oder Muttersprache. Bei uns ist auch Platz für alle Religionen und Gläubige: Für die, die freitags in die Moschee gehen. Für die, die samstags in die Synagoge gehen. Für die, die sonntags in die Kirche gehen. Und auch für die, die einfach nur daheim bleiben wollen. Ich will, dass diese Flüchtlinge bei uns eine Heimat finden!“ Umjubelter Höhepunkt war der Auftritt der Sportfreunde Stiller. Und ganz still wurde es, als der syrische Flüchtlingschor sang.

400 Meter entfernt hoben am Promenadeplatz rund 20 Pegida-Anhänger ihr Schild „München grüßt Dresden“ in die Luft – dicht umlagert von lautstarken Autonomen. Bis auf kleine Gerangel mit der Polizei blieb auch dieser Gegenprotest friedlich.

Mehr Sorgen machten der Polizei die Massen, die anfangs zur Oper drängten. Radfahrer und Tram blieben stecken, ebenso die Autofahrer in der Tiefgarage. Auch die Opern-Besucher für die „Carmen“-Aufführung kamen nur noch zu Fuß weiter, Ab 19 Uhr sperrte die Polizei die Residenz- und Perusastraße. Danach entspannte sich das Gedrängel deutlich.

Der Verlauf der Demonstration im Ticker zum Nachlesen.

Darum demonstrieren wir

Ferdinand Schuster (69), Wirt aus München: "Ich war viel unterwegs in der ganzen Welt und dabei oft Ausländer in einer fremden Kultur. Und die Menschen haben mich überall gut aufgenommen! Wenn ich die Pegida-Leute heute gegen Ausländer pöbeln höre, macht mich das sprachlos. Für mich sind die Ausländer eine Bereicherung!"

Tariq Abo Garma (18), Schüler aus München: "Wenn in Deutschland wieder gegen bestimmte Gruppen gehetzt wird, müssen wir alle unsere Stimme erheben. Es geht hier um Zivilcourage! Diese angebliche Islamisierung – was soll das überhaupt sein? Das Ganze erinnert mich an die Verfolgung jüdischer Schüler nach 1933. So etwas darf nie wieder vorkommen."

Pia Berndt (26), Angestellte aus München: "Der Mensch neigt leider dazu, sich Feindbilder zu schaffen. Die Pegida greift wirre Ängste auf und macht Stimmung gegen Zuwanderer – dagegen müssen wir ein Zeichen setzen. Wir sind eine weltoffene und tolerante Gesellschaft. Trotzdem darf man Pegida nicht einfach verteufeln: Man muss aufklären und den Dialog suchen."

Angela Brändle (56), Beamtin aus München: "Die Dinge, die zur Zeit in Dresden passieren, sollten jeden Bürger in Deutschland erschrecken. Für mich steht fest: Die Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, finden diese Aufmärsche noch viel schrecklicher. Wir aber müssen Ihnen zeigen: Ihr seid hier willkommen!"

Ilse Holzbauer (73), Rentnerin aus München: "München ist bunt, Rassismus hat hier überhaupt nichts zu suchen! Wir wollen mit unserer Anwesenheit hier auf dem Max-Joseph-Platz etwas dokumentieren: Bei uns werden alle Religionen akzeptiert – so wie es auch im Grundgesetz geschrieben steht. Die Migranten sollen wissen: Nicht alle sind so wie Pegida."  

Dorita Plange, Tobias Scharnagl

Rubriklistenbild: © Götzfried

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