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OB Reiters Masterplan für München: Erste Weichen für autofreies Tal werden gestellt

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Von: Sascha Karowski

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Eine neue Fußgängerzone im Tal - OB Dieter Reiter (60, SPD) kann sich das gut vorstellen. Die Münchner offenbar auch.
Eine neue Fußgängerzone im Tal - OB Dieter Reiter (60, SPD) kann sich das gut vorstellen. Die Münchner offenbar auch. © Michael Westermann

Autofreie Altstadt, eine neue Fußgängerzone im Tal und ein neues ÖPNV-Referat: Der Masterplan von Oberbürgermeister Dieter Reiter stößt in München auf positive Resonanz. Nun könnte es in einem Fall konkret werden.

Update vom 31. August 2018: Autofreies Tal - die ersten Weichen werden gestellt

Nach den überwiegend positiven Reaktionen auf den Vorstoß von OB Dieter Reiter (SPD) für eine Erweiterung der Fußgängerzone ins Tal, haben die Grünen gestern einen entsprechenden Antrag gestellt. Die Stadtverwaltung soll ein Konzept für ein autofreies Tal ausarbeiten. Ausnahmen soll es etwa für den Liefer- und den Radverkehr geben. Grünen-Chef Florian Roth: „Höhere Aufenthalts- und Lebensqualität, bessere Luft, weniger Lärm, mehr Sicherheit gerade für Kinder – all das spricht dafür, den Autoverkehr aus der Innenstadt zu verbannen. Wir nehmen mit großer Befriedigung zur Kenntnis, dass die Vorschläge, die wir seit Jahren gemacht haben, langsam mehrheitsfähig werden.“ 

Wie Sie weiter unten nachlesen können, war Reiters Vorstellung einer autofreien Innenstadt auf Wohlwollen gestoßen, auch bei CSU und FDP. Die SPD freilich geht konform mit der Idee ihres OBs. Stadtrat Jens Röver: „Das Tal zur Fußgängerzone zu machen ist eine sehr gute Idee und ein konsequenter nächster Schritt. Natürlich müssen wir prüfen, wie und wann eine Fußgängerzone umsetzbar ist. Und es braucht wie in anderen Fußgängerzonen auch Ausnahmeregelungen.“

Meldung vom 30. August 2018: Masterplan von OB Reiter für München: Bürger sind begeistert, die Politik größtenteils auch

München - Autofreie Altstadt, eine neue Fußgängerzone im Tal und ein neues Referat für den ÖPNV-Ausbau: Der Masterplan von OB Dieter Reiter (SPD) stößt in München auf nahezu durchweg positive Resonanz. Die Bürger sind begeistert, die Politik größtenteils auch. Selbst die CSU kann sich vorstellen, „auch mal einen Parkplatz zu opfern“. München fährt voll drauf ab!

Grünen-Chef Florian Roth stänkerte zwar in einer Pressemeldung ein bisschen („Die Worte hör ich wohl…“). Denn schließlich liege ein Grünen-Antrag für eine weitgehend autofreie Altstadt schon seit zwei Jahren auf Eis. „Das liegt am Einfluss der nach wie vor auf den Autoverkehr fixierten Verkehrsdinos an der Spitze der SPD- und der CSU-Fraktion!“ Grundsätzlich aber stießen die OB-Ideen bei den Grünen auf Zustimmung – auch für ein neues Referat. „Man muss Kompetenzen bündeln, ob nun in einem neuen Referat oder in einer neuen Abteilung, ist eigentlich egal.“

Klaus Bröcheler (57), Taxifahrer aus Trudering: „Auf längere Sicht sind die Fahrverbote sicherlich nicht verkehrt. Für Taxis könnten sie allerdings ein Problem darstellen, deswegen bräuchten wir eine eigene Regelung. Manchmal fahre ich Patienten von nahe gelegenen Krankenhäusern. Da könnte man zum Beispiel ein Schild an die Frontscheibe machen.“
Klaus Bröcheler (57), Taxifahrer aus Trudering: „Auf längere Sicht sind die Fahrverbote sicherlich nicht verkehrt. Für Taxis könnten sie allerdings ein Problem darstellen, deswegen bräuchten wir eine eigene Regelung. Manchmal fahre ich Patienten von nahe gelegenen Krankenhäusern. Da könnte man zum Beispiel ein Schild an die Frontscheibe machen.“ © Markus Götzfried

Beim Kooperationspartner sorgten die Worte des Rathaus-Chefs für ungewohnte Bekenntnisse. CSU-Fraktions-Vize Hans Theiss etwa sagte, dass der Vorschlag charmant sei. „Die bisherigen Erweiterungen der Fußgängerzone haben sich bewährt.“ Man müsse zwar aufpassen, dass man die Bereiche des Hackenviertels noch für inhabergeführte Geschäfte attraktiv hält. „Es darf nicht so sein, dass es dann nur noch Ketten gibt.“ Aber mittelfristig sei die Stoßrichtung die richtige, mit anderen Verkehrskonzepten zu arbeiten. „Und man muss bereit sein, unter Umständen auch mal einen Parkplatz zu opfern.“

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Tiago Muttini (30), Rikschafahrer aus der Maxvorstadt: „Das geplante Fahrverbot ist besser für mein Geschäft. Mich erreichen oft Beschwerden von Touristen wegen des dichten Verkehrs. Wenn die Autos sehr langsam fahren würden, wäre es ja noch okay. Aber sie müssen uns Rikschafahrer respektieren!“
Tiago Muttini (30), Rikschafahrer aus der Maxvorstadt: „Das geplante Fahrverbot ist besser für mein Geschäft. Mich erreichen oft Beschwerden von Touristen wegen des dichten Verkehrs. Wenn die Autos sehr langsam fahren würden, wäre es ja noch okay. Aber sie müssen uns Rikschafahrer respektieren!“ © Markus Götzfried

Baustellenverkehr für 2. Stammstrecke fließt durchs Zentrum

CSU-Chef Manuel Pretzl gab zu bedenken, dass „die nächsten fünf Jahre der Baustellenverkehr für die zweite Stammstrecke durch das Tal fließt“. Zudem sei eine Fußgängerzone dort komplexer als am Marienplatz. „Man muss schauen, wie man Ausnahmen für Anwohner, Lieferverkehr und Hotels findet.“ Ein neues Referat sei zudem sinnvoll. „Wir müssen aber sehen, wie auch die anderen Referenten darauf reagieren. Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere vielleicht nicht begeistert ist, wenn man ihm Kompetenzen wegnimmt.“

Melanie Glufke (36), Produktmanagerin aus Obergiesing: „Der Radweg ist oft zugeparkt. Das Fahrverbot ist deswegen eine gute Idee. Trotzdem müssen die Radwege ausgebaut werden. Die Autofahrer, die sich über Fahrverbote beschweren, sollen außerhalb parken und mit den Öffentlichen reinfahren.“
Melanie Glufke (36), Produktmanagerin aus Obergiesing: „Der Radweg ist oft zugeparkt. Das Fahrverbot ist deswegen eine gute Idee. Trotzdem müssen die Radwege ausgebaut werden. Die Autofahrer, die sich über Fahrverbote beschweren, sollen außerhalb parken und mit den Öffentlichen reinfahren.“ © Markus Götzfried

Lob gibt es für den OB von der FDP. „Es ist richtig, beim Thema Verkehr unideologisch vorzugehen“, sagt FDP-Chef Michael Mattar. Auch FDP-Stadtrat Wolfgang Heubisch geht „grundsätzlich konform, wenn wir neues urbanes Leben schaffen“. Wichtig sei, dass man mit Bedacht vorgehe und dann die Ladenöffnungszeiten freigebe. „Das Tal soll schließlich nicht zur Feiermeile werden.“

Josef Hartl (63), Rentner aus Laim: „Das Fahrverbot ist meiner Meinung nach eine gute Entscheidung. Ich fahre sowieso nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt. Mit dem Auto wäre mir das viel zu stressig, außerdem fehlen Parkplätze. Man sollte ein Angebot schaffen und mehr Parkmöglichkeiten im S-Bahn-Bereich bieten.“
Josef Hartl (63), Rentner aus Laim: „Das Fahrverbot ist meiner Meinung nach eine gute Entscheidung. Ich fahre sowieso nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt. Mit dem Auto wäre mir das viel zu stressig, außerdem fehlen Parkplätze. Man sollte ein Angebot schaffen und mehr Parkmöglichkeiten im S-Bahn-Bereich bieten.“ © Markus Götzfried

Text: Sascha Karowski, Umfrage: Avin Khodakarim

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