Erzdiözese München-Freising

Verwaltungssitz kostet 133,8 Millionen

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Im Innenhof entsteht eine Tiefgarage für 55 Autos.

München - Die Erzdiözese München-Freising baut um. Der neue Verwaltungssitz kostet inklusive des Gebäudes 133,8 Millionen Euro. Von Limburger Verhältnissen kann hier aber keine Rede sein.

Eine freistehende Designer-Badewanne mit Nackenstützen wird man hier vergebens suchen. Dafür gibt es im Keller Duschen für die Mitarbeiter, die mit dem Radl kommen. Am Mittwoch führte das erzbischöfliche Ordinariat durch die Baustelle für das neue Verwaltungszentrum an der Kapellenstraße in der Altstadt, für das die Kirche inklusive Kauf des Gebäudes 133,8 Millionen Euro ausgeben will. Ein solides, stattliches Bauwerk wird es sein, allerdings ohne Limburger Protz.

„Bitte nehmen Sie wahr, dass auch der Papst nicht im Zelt wohnt.“ So beantwortet Generalvikar Peter Beer die Frage, ob die Bauprojekte der katholischen Kirche in Deutschland mit der Forderung von Papst Franziskus vereinbar sind, dass Priester „wieder die Armut riechen“ müssten. Dabei geht es bei der aktuellen Baustelle, die Erzbischof Reinhard Marx zu verantworten hat, nicht um seine persönliche Residenz: Die ist im Rokoko-Palais Holnstein an der Kardinal-Faulhaber-Straße beheimatet und wurde voriges Jahr erst für 8,7 Millionen Euro renoviert. 6,5 Millionen Euro davon steuerte der Staat bei.

An der Ecke Kapellenstraße/Maxburgsstraße entsteht vielmehr das neue Verwaltungszentrum für die Hälfte der 800 Beschäftigten des Erzbistums, deren Büros derzeit auf neun Standorte in der Stadt verteilt sind. 2006 hatte die Kirche den Trakt des 1952 errichteten Bürogebäudes, das einst Teil des Jesuitenkollegs St. Michael war (siehe unten), für 90,1 Millionen Euro gekauft. Der seit Oktober 2011 laufende Umbau unter Regie der Münchner Architekten Fink + Jocher wird auf 43,7 Millionen Euro taxiert. Baureferent Hans-Jürgen Dennemarck schätzt, dass nur durch die Zusammenlegung der bislang neun Standorte und die neue Gebäudetechnik die Nebenkosten um die Hälfte sinken werden. Dennemarck: „Wir hätten das Gebäude mit viel Gewinn weiterverkaufen können.“ Doch die Kirche will in der Innenstadt präsent sein.

Der Umbau ist aufwendig, da neue Treppenhäuser durchgebrochen werden müssen, auch die Haustechnik wird erneuert. Ein Standardbüro für zwei Mitarbeiter hat 16 Quadratmeter. Luxuriös ist das wirklich nicht. München ist nicht Limburg.

Hochburg der Katholiken

Der neue Verwaltungsbau der Erzdiözese München-Freising war einst Bestandteil des ab 1583 errichteten Jesuitenkollegs St. Michael, das in der Gegenreformation eine wichtige Rolle gespielt hatte und im 2. Weltkrieg schwer beschädigt worden war. 1773 wurde der Jesuitenorden verboten, der Staat beschlagnahmte den Komplex und nutzte ihn als Kaserne, Polizeidirektion, Akademie, Statistisches Landesamt und Landesbodenkreditanstalt, bzw. vermietete einen Teil an Hettlage. Den Trakt an der Neuhauser Straße kaufte die Signa Holding des Tirolers René Benko.

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Johannes Welte

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