Sein Motiv: Verschmähte Liebe

Der Feuerteufel vom Viktualienmarkt

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Besnik B. (30) vor Gericht. Ende 2012 legte er dieses Feuer am Viktualienmarkt.

München - Er hatte sich in eine Angestellte verliebt, aber sie erwiderte seine Gefühle nicht: Also zündete Besnik B. (30) das Standl an, an dem sie arbeitete. „Es war ein Racheakt“, gestand er am Dienstag vor dem Münchner Landgericht. 

Dort musste er sich wegen schwerer Brandstiftung verantworten.

Kurze Haare, Kapuzenjacke, Bubigesicht – so sieht der Feuerteufel vom Viktualienmarkt aus. Dort hilft er 2012 im Biergarten aus und lernt Julia T. (25, Name geändert) kennen, die am Deko-Stand von Marktfrau Renate Zoller arbeitet. „Sie hat mich angemacht, aber nur mit mir gespielt. Ich war sauer“, sagt der Angeklagte vor Gericht. Deshalb schleicht er sich am 28. Dezember gegen zwei Uhr nachts zu den Standl 4 bis 5 und zündet Weihnachtsgestecke und Kerzen an. Meterhoch schlagen die Flammen über dem Viktualienmarkt, der Stand brennt völlig aus. Schaden: 30 000 Euro.

„Jemand wollte uns vernichten“, sagte Renate Zoller damals. Sie selbst musste am Dienstag nicht aussagen, stattdessen berichten zwei Polizisten von weiteren Brandanschlägen, die Besnik B. auf dem Kerbholz hat. Schon im Juni 2012 fackelt er gegen vier Uhr nachts Altpapier in der Hochstraße ab, dabei brennt die Wohnung seiner Schwägerin aus. Wie durch ein Wunder wird niemand verletzt. Zu dem Zeitpunkt ist Besnik B.’s Leben längst außer Kontrolle. Mal schläft er auf der Straße, mal bei Freunden oder Verwandten. „Ich hatte große Probleme und wusste nicht, was ich da tat“, sagt er. Und: „Ich wollte etwas Schlimmes tun, so wie mir viel Schlimmes angetan wurde.“

Bereits sechs Tage vor dem schweren Brand am Viktualienmarkt versucht er das Standl anzuzünden – vergeblich. Am 27. Dezember 2012 fackelt er eine Matratze bei seinem Cousin in der Baaderstraße ab. Einen Tag später dann sein Anschlag auf Renate Zollers Geschäft.

Rund drei Monate später schnappt die Polizei den Kosovaren bei der Einreise – bei der Überstellung nach München greift er Beamte mit dem Messer an, hungert in der Haft. „Ich fühle mich verfolgt“, sagt Besnik B. vor Gericht. Richterin Rosi Datzmann ordnete am Dienstag an, dass er in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht wird.

Andreas Thieme

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