Fieser Raub in Juwelenschmiede

160.000-€-Ring weg: Wer kennt die dreisten Diebe?

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Das Gauner-Pärchen kam im feinen Zwirn – und ließ mit einem fiesen Trick die Beute mitgehen. Sie sind auf der Flucht.

München - Zwei Geschwister geben sich als Shopping-Assistenten einer arabischen Prinzessin aus und "erleichtern" die "Juwelenschmiede" in der Altstadt um einen Ring im Wert von 160.000 Euro.

Thomas Jirgens in der Werkstatt seiner Juwelenschmiede. Der Diebstahl ist ein Schock für ihn.

Im Nachhinein fragte sich der Altstadt-Juwelier Thomas Jirgens (46) wohl tausend Mal, ob er es hätte merken können: Am Montag um 10.45 Uhr betraten zwei Kunden seinen Laden, von denen jeder Juwelier träumt. Ein Pärchen, sehr elegant, sehr eloquent. Als „Shopping-Assistenten einer arabischen Prinzessin“ traten die beiden auf. In Wahrheit waren sie fiese Trickdiebe, die einen Ring für 160.000 Euro mitgehen ließen! Man suche etwas Besonderes. Nur das Beste war ihnen gerade gut genug, sagten sie. Thomas Jirgens (46) betreibt seit 16 Jahren seinen exklusiven Laden Juwelenschmiede gegenüber des Hotels Mandarin Oriental in der Neuturmstraße 2. Er ist den Umgang mit anspruchsvoller Kundschaft aus aller Welt gewöhnt. Und so nahm das Unglück seinen Lauf.

Der noble Schmuckladen liegt gegenüber des Luxushotels Mandarin Oriental in der Neuturmstraße.

Die beiden angeblich arabischen Gesandten wurden von Thomas Jirgens persönlich bedient. Ein Tablett mit sehr schönen Diamanten schob der Kunde bald mit allen Anzeichen der Langeweile von sich: „Das ist nichts. Tun Sie das weg!“ befahl er. Auch andere Stücke trafen nicht seinen Geschmack. Bis Thomas Jirgens schließlich eines seiner exklusivsten Stücke präsentierte: Einen herrlichen Brillantring im Wert von 160.000 Euro – der wahrlich einer Prinzessin würdig wäre. Das fanden die beiden Einkäufer auch. Und dann geschah es: „Der Mann hatte den Schmuckkasten mit dem Ring in der Hand. Er klappte ihn zu und sagte: Also gut, er wird dann morgen abgeholt. Dann reichte er mir das Kästchen. Auf den Bildern der Videoüberwachung sieht man, dass er dabei für einen kurzen Moment den Finger dazwischen hatte. Ein Taschenspielertrick. Ich hatte keine Chance.“
Erst als die beiden den Laden verlassen hatten, blickte Jirgens noch einmal in das Kästchen – und erbleichte. Der Ring fehlte, und noch dazu ein 20.000 Euro teurer Diamant. „Ich denke, dass der Täter einen Klebestreifen am Finger hatte, als er das Tablett mit einer Wischbewegung von sich schob.“ Drei Tage danach ist Thomas Jirgens immer noch geschockt. Den Verlust trägt er allein: „Gegen Trickdiebstahl gibt es keine Versicherung. Ich bin nur froh, dass das keinem meiner Angestellten passiert ist.“ Der wunderbare Ring war der ganze Stolz des Münchner Gold- und Silberschmieds, der auch als Gemmologe und Diamant-Gutachter im Einsatz: „Ich arbeite sehr hart. Meine Tage enden oft erst mit der letzten U-Bahn nach Hause. Diese Leute haben mir ein Jahr meines Arbeitslebens gestohlen.“

Ring ist 160.000 Euro wert

Ein Bild des Rings.

Der verschwundene Ring bestand aus einen großen, in Gold gefassten Brillanten. Er war mit kleineren Brillanten besetzt – 10,3 Karat schwer zum Verkaufspreis von 160.000 Euro. Juweliere sind untereinander über den internationalen Warndienst vernetzt. Darin werden auch Diebstähle gemeldet und Fotos gezeigt. Erfahrungsgemäß werden Einzelstücke von Juwelen-Hehlern jedoch sofort in ihre Einzelteile zerlegt und auch einzeln verkauft, sodass eine Zuordnung später kaum noch möglich ist. Thomas Jirgens jedenfalls glaubt nicht, dass er seinen Ring jemals wiedersehen wird.

Täter aus Frankreich

Der Juwelier steht im Verkaufsraum, in dem es geschah.

Ein schönes Paar, gar keine Frage: Er ein lässiger Jacket-Typ mit lila Tuch und Designer-Brille. Sie eine dunkelhaarige Schönheit, stets sehr elegant – und sehr gefährlich: Seit mehreren Jahren legt diesesGeschwisterpaar aus Marseille (Frankreich) europaweit Juweliere herein. Er ist 37, seine große Schwester ist 47 Jahre alt. Auch in Deutschland waren diese beiden schon erfolgreich aktiv. Zuletzt traten sie nach Erkenntnissen der Münchner Polizei im Januar in Düsseldorf auf, davor suchten sie auch schon Juweliere in Mainz, Reutlingen und Augsburg heim. Beide reisen ständig. Mit großer Wahrscheinlichkeit haben sie sofort nach ihrem Coup am Montag München und vielleicht auch Deutschland verlassen. In München bearbeitet Kriminalhauptkommissar Rainer Schink von Kommissariat 65 für Trickbetrug den Fall. Unter Telefon 089/2910-0 bittet die Polizei um Hinweise auf die Juwelenbetrüger.

Dorita Plange

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