Bilder vom Südturm

Frauenkirche: Die tz auf der himmlischen Baustelle

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Münchens Wahrzeichen: Die Türme der Frauenkirche mit ihren Zwiebelhauben.

München - Ein Ruckeln, und der Bauaufzug rattert den Süd-turm der Frauenkirche in schwindelerregende Höhen empor. Unser Zielpunkt: Turmspitze. Grüß Gott auf der himmlischen Baustelle, der höchsten Münchens!

Und dem Wahrzeichen der Stadt, das man schon von Weitem sieht. Derzeit aber prägen Gerüste und Planen das Bild – zumindest das des Südturms, der bis zur Zwiebelhaube verhüllt ist. Seit 2008 laufen die Sanierungsarbeiten am Dom. Der Nordturm ist fertig, jetzt ist sein zwölf Zentimeter kleinerer Bruder (98,45 Meter) dran. Hintergrund: Das jahrhundertealte Mauerwerk hat die Zeit nicht schadlos überstanden. Feuchtigkeit ist in Fugen und Ziegel eingedrungen. Immer wieder, so Dompfarrer Wolfgang Huber, „sind Mauerteile abgeplatzt und herabgeregnet.“ Ein unhaltbarer Zustand.

15 bis 18 Mann arbeiten derzeit am Turm-Projekt, mauern, verfugen, erneuern … Ziel: „So viel wie möglich zu erhalten“, sagt Anna Stubenrauch vom Bauamt. Mitte 2016 soll der Turm fertig sein. Kosten: rund drei Millionen Euro.

Und jetzt rauf auf die Baustelle!

Mittelalterliche Ziegel aus Berg am Laim

Bauleiter Heinz Walther

Ungefähr 180.000 Ziegel sind pro Turm im Mauerwerk verbaut, das an manchen Stellen über fünf ­Meter dick ist. Beim Nordturm mussten 15 Prozent davon ersetzt werden. Einen ähnlichen Aufwand ­erwartet Bauleiter Heinz Walther auch am Südturm. Erstaunlich: „Der mittelalterliche Mörtel und die ­Ziegel, die aus Berg am Laim stammen, sind noch gut erhalten“, sagt Walther. Die Nachkriegsmodelle können da nicht mithalten. Die neuen Ziegel werden übrigens nach mittelalterlicher Rezeptur hergestellt. Diesmal kommen sie aber aus Niederbayern.

Der zärtliche Hammer

Richard Nowak ist für die gröberen Arbeiten zuständig.

Die Vorschlag- und Schrifthammer knattern in exakt 54 Metern Höhe. „Ein Mitarbeiter macht die dünne Betonschicht runter“, erklärt Bauleiter Walther. Das muss ganz vorsichtig vonstatten gehen, um nichts zu beschädigen. Dieser Arbeitsschritt ist nötig, „um zu ergründen, was an Naturstein noch intakt ist und was noch gebraucht wird“, erklärt Walther. Richard Nowak (l.) ist für die gröberen Arbeiten zuständig. Immer wieder, so Bauoberrätin Anna Stubenrauch, zeigt sich: „Im Angesicht seines Alters ist der Turm noch gut beinand.“

Wenn’s im Gemäuer grünt

Anna Stubenrauch vom Bauamt

Dass Wasser in Ritzen eindringt, ist eines der großen Probleme. Bei Frost gefriert das Wasser, Steine oder Mörtel platzen auf. Aufwendig wird’s aber auch dann, wenn sich Pflanzen einnisten. „Wächst ein Baum, muss er großflächig raus“, sagt Stubenrauch. Ein Stein könne dann noch so massiv sein: „Die Wurzeln sprengen ihn einfach.“ Trotz der natürlichen Abnutzungserscheinungen durch Wind, Wetter und Umweltgifte: Gefahr droht dem Turm nicht. ­Zumindest nicht, was seine Statik angeht. „Da ­haben wir keinerlei Probleme festgestellt.“

Die schöne Zeit

Dompfarrer Wolfgang Huber

Leere, wo’s sonst tickt: Auch das Zifferblatt der Turmuhr wird einer Verschönerungskur unterzogen. Im Moment wird es fachgerecht restauriert. Als einer der letzten Arbeitsschritte wird das Blatt dann wieder eingesetzt. Monsignore Wolfgang Huber (Foto), der demnächst sein neues Amt als Präsident des internationalen katholischen Missionswerks missio antritt, sehnt sich die Fertigstellung des Turms herbei. Doch auch er findet: „Die Frauenkirche ist noch gut beinand. Besser als der Kölner Dom.“ Der Grund hierfür: „Mia san mia – und mia san hoid guat!“

Andreas Huber

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