Erneuter Rückruf bei BMW - Mehr als eine Million Fahrzeuge betroffen

Erneuter Rückruf bei BMW - Mehr als eine Million Fahrzeuge betroffen

7000 Passanten pro Stunde

Innenstadt: Hier geht es in München am meisten zu

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Die Kaufinger Straße bleibt bei den Passantenzahlen auf Platz 1.

München - Von oben sieht die Kaufinger Straße aus wie ein Public Viewing bei der Weltmeisterschaft. Tatsächlich sind es aber Kunden, Besucher und Touristen, die täglich unsere Fußgängerzone bevölkern.

Die Einkaufsmeile ist proppenvoll: Nachmittags laufen im Schnitt 6939 Passanten hindurch – in Spitzenzeiten sogar 15.953. Das hat die aktuelle Passantenfrequenzzählung des Immobilienverband Deutschland (IVD Süd) ermittelt. Und beweist damit: Ladenmieten bis zu 410 Euro pro Quadratmeter nehmen die Händler bei diesem Riesen-Andrang gerne in Kauf!

„Wir wollten den klassischen Einkaufsnachmittag abbilden“, sagt Leiter Prof. Stephan Kippes. 15 Studenten haben zwei Tage lang in der City von 16 bis 18 Uhr gemessen. Ergebnis: „Exzellente Frequenz-Werte für den Handel“, sagt Kippes.

Richtig viel los ist auch am Stachus: Hier schlendern nachmittags durchschnittlich 6680 Passanten pro Stunde vorbei – 13.779 sind es in der Spitze. Abseits der Fußgängerzone wird es dann schon weniger: Weinstraße, Rosenstraße und das Tal bleiben unter 5000 Passanten pro Stunde. In der Sendlinger Straße sind es nur etwa halb so viel. „Sie mausert sich und hat deutlich dazu gewonnen“, sagt Kippes. „Aber für die Top-Lagen ist sie noch keine Konkurrenz.“

Ganz anders die Edel-Lagen: In der Maximilian– und Residenzstraße kaufen mit rund 2000 relativ wenige Passanten ein, dafür setzen sie teilweise viel mehr um. Erst weiter hinten im Tal „geht’s abwärts“, sagt Kippes. Die Lage ist für Händler eben doch entscheidend!

Glas und Alu statt Barock: Verliert die Altstadt ihr Gesicht?

Denkmalschützer Dr. Markus Hundemer schlägt Alarm. Verliert die Altstadt ihr Gesicht? Wir zeigen positive und negative Beispiele. © fkn
Stadtmuseum und Dultstraße: Das Stadtmuseum am St. Jakobsplatz ist der letzte spätgotische Bau am Oberanger. Dr. Markus Hundemer: „Das ist das einzige Gebäude, das dem Viertel noch Identität gibt.“ Umso drastischer sind die Kontraste zu den Glas- und Betonfassaden an der Ecke Oberanger / Dultstraße im Hintergrund. © BLFD, Hundemer
Dabei standen hier bis zum Krieg Bauten aus dem Mittelalter oder dem 19. Jahrhundert. Hundemer: „Obwohl die Schäden nicht so gravierend waren, wurde das Eckhaus abgerissen.“ © BLFD, Hundemer
Schmidstraße / Oberanger: Was war die Ecke Oberanger / Schmidstraße vor dem Weltkrieg für ein mittelalterliches Idyll: der „Ohrwaschl“ genannte Krangiebel, an dem einst Ware unter das Dach gehievt wurde, oder das für München typische Pultdach. © BLFD, Hundemer
Dr. Hundemer: „Der Neubau mit der rhythmisierenden Natursteinfassade links sowie der monumentale Bau mit seiner schlichten Lochfassade passen nicht in das Denkmal-Ensemble Altstadt. Die Proportionen sind total überdimensioniert, das zerschießt die historischen Dimensionen völlig.“ © BLFD, Hundemer
Damenstiftstraße 6: Ein Investor hat jüngst das denkmalgeschützte, rund 200 Jahre alte Bürgerhaus in eine Nobelresidenz für Hochbetuchte umgebaut. Während der Altbau vor der Sanierung gar keine Dachfenster zur Straße hin hatte, ragen nun sieben völlig überdimensionierte Dachgauben fast bis an die Dachrinne hervor. Dr. Hundemer: „Diese massiven Kastengauben erdrücken die Fassade völlig. Es ist umso trauriger, dass hier eine Fassade, die den Krieg überstanden hat, ihre Wirkung verliert.“ © BLFD, Hundemer
Auch die historischen Nachbargebäude würden stark beeinträchtigt, dabei ist der linke Nachbarbau das Palais Lerchenfeld, eines der bedeutendsten Rokoko-Gebäude der Stadt. © BLFD, Hundemer
Der Löwenturm am Rindermarkt: Welche Funktion der gotische Löwenturm am Rindermarkt einst hatte, darüber streiten sich die Gelehrten. Dr. Hundemer glaubt: „Es dürfte ein Geschlechterturm gewesen sein, wie sie auch in Regensburg nach italienischem Vorbild im Mittelalter entstanden sind.“ Vor dem zweiten Weltkrieg war der Turm links und rechts eingebaut, nach dem Krieg schmiegte sich die „Löwenturm-Passage“ mit einem Flachbau zum Rindermarkt hin an das historische Bauwerk. © BLFD, Hundemer
Um das Jahr 2000 wurde dieser Glaskasten errichtet. „Der könnte genauso gut in Hong Kong oder Hamburg stehen und nimmt auf den Turm keinerlei Rücksicht“, so Dr. Hundemer. © BLFD, Hundemer
POSITIVE BEISPIELE: Hier hat's geklappt! Perusastraße: Bis vor wenigen Jahren klaffte an der Perusastraße neben dem Jugendstilbau des Modehauses Mayser eine große Lücke, die nun mit einem Neubau geschlossen wurde. © BLFD, Hundemer
„Die Rhytmisierung, die Materialien und die Dimension des Hauses fügen sich ­vorbildlich in die Umgebung ein“, so Dr. Hundemer. „Man merkt auf Anhieb nicht einmal, dass es sich um einen Neubau handelt – dabei zeigt er in ­seiner Gestalt, dass er modern ist.“ © BLFD, Hundemer
Maximilianstraße: Jahrzehntelang duckte sich neben dem vom Krieg verschonten Teil dieses Häuserblocks aus dem 19. Jahrhundert in der Maximilianstraße eine Nachkriegsbaracke, in der sich der Kartenvorverkauf der Staatsoper befand. © Haag
Für den Wiederaufbau des Hauses wurden die alten Formen nach historischen Fotografien und Plänen wieder hergestellt – eine Rekonstruktion. „Das ist in diesem Fall vorbildlich, schließlich ist die Maximilianstraße fast zur Gänze historisch erhalten“, so Dr. Hundemer. © BLFD, Hundemer

Das beweisen auch die Zahlen für die Büromieten: Innerhalb des Altstadtrings kostet der Quadratmeter aktuell 30,50 Euro (plus 1,7 Prozent), außerhalb des Mittleren Rings sind es 14,50 Euro (plus 3,6 Prozent). Bayernweit ist ein Rekord erreicht: Innerhalb von zehn Jahren sind die Preise pro Quadratmeter um 34,7 Prozent explodiert! Das zeigt: Arbeiten in München wird immer begehrter. Denn auch Firmen investieren kräftig: „Am deutlichsten haben im Vergleich zum Herbst 2013 die Baugrundstücke für Gewerbe und Industrie zugelegt“, erklärte Kippes. Hier lag der Preisanstieg bei 11,1 Prozent!

Andreas Thieme

Der Andrang in der City

Mess-Ort Passanten
Kaufinger Straße 1 6939
Karlsplatz (Stachus) 6680
Weinstraße 4970
Rosenstraße 1-5 4762
Tal 10 4410
Sendlinger Straße / Ecke Hackenstraße 2832
Dienerstraße 2560
Theatinerstraße 2454
Sendlingerstraße 41 2431
Tal 33 2260
Maximilianstraße / Ecke Hans-Goppel-Straße 2034
Residenzstraße 2016

Quelle: IVD-Passantenzählung 2014 Bei den Zahlen handelt es sich um Durchschnittswerte, die am 21.5. und 5.6. jeweils zwischen 16 und 18 Uhr bei gutem Wetter erhoben wurden.

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