Hackerbrücke zeitweise gesperrt - Beeinträchtigungen auf Stammstrecke

Hackerbrücke zeitweise gesperrt - Beeinträchtigungen auf Stammstrecke

Erzieher und Sozialpädagogen gehen auf die Barrikaden

Proteste beim Geldbeutelwaschen am Marienplatz

+
...nur wenige Meter entfernt die Sozialberufler.

München - Am Aschermittwoch haben OB Reiter & Co. wie üblich am Fischbrunnen ihre Geldbeutel ausgewaschen. Sozialpädagogen, Erzieherinnen und Kinderpfleger nutzten die Traditionsveranstaltung, um gegen die Politik der Landeshauptstadt zu protestieren. 

Am Fischbrunnen machen OB Reiter & Co. ihr Portemonnaie sauber...

Seit dem Mittelalter ist es Brauch, dass die kleinen Leute am Aschermittwoch ihr Portemonnaie waschen, damit wieder frisches Geld reingespült wird. Seit den 50er Jahren tut dies auch die Stadtspitze am Fischbrunnen, um für ein gefülltes Stadtsäckel zu sorgen. Am Mittwoch gesellten sich die Sozialpädagogen, Erzieherinnen und Kinderpfleger der Landeshauptstadt hinzu, um für höhere Löhne zu demonstrieren! Ihre Botschaft an OB Dieter Reiter (SPD) & Co.: Spült endlich mehr Geld in unsere Kassen!

Sie passen auf die Münchner Kinder auf und sorgen dafür, dass deren Eltern in die Arbeit gehen können. Sie kümmern sich um Alte oder Migranten, die Probleme haben, im Alltag zurecht zu kommen. Die Erzieher, Kinderpfleger oder Sozialpädagogen selbst haben jedoch oft kaum genug zum Leben. Münchens Verdi-Geschäftsführer Heinrich Birner erklärt, warum das so ist: „Diese Berufe werden meistens von Frauen ausgeübt, und da ist die Bezahlung nach wie vor viel zu schlecht, vor allem gemessen an ihrer gesellschaftlichen Bedeutung.“ Das soll sich nun ändern: Am 25. Februar beginnen die Tarifverhandlungen über die finanzielle Einstufung der Berufe des Sozial- und Erziehungsdienstes.

„Bei den letzten Tarifverhandlungen im Jahr 2009 waren wir mitten in der Finanzkrise, da hatten die öffentlichen Arbeitgeber keinen großen finanziellen Spielraum“, so Birner. Nun will man eine bessere Bezahlung über die Höhergruppierung in den Entgelttabellen erreichen. „Im Durchschnitt wären das zehn Prozent mehr Gehalt“, erklärt Birner.

Um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, postierten sich rund 20 Betroffene am Rathaus, um ihre Geldbeutel in Eimern zu waschen. Auch OB Reiter schaute nach der Aktion am Fischbrunnen kurz vorbei: „Ich sitze zwar nicht am Verhandlungstisch, doch ich finde, jeder sollte mit dem Geld, das er verdient, auskömmlich leben können.“

Wir zogen aufs Land um

Sandra Storf, 33, Sozialpädagogin

Ich bin in der Bezirkssozialarbeit in Riem tätig. Dort kümmern wir uns um soziale Probleme, entweder die Leute kommen zu uns oder wir besuchen sie. Ich verdiene 2000 Euro netto. Ich bin mit meinem Freund nach Germering rausgezogen, weil uns die Wohnung in München zu teuer war. Wir bezahlen dort aber immer noch 1000 Euro. Und jetzt kriege ich auch noch ein Kind.

Viele haben einen Zweit-Job

Schultz von Dratzig (33), Erzieher

Ich zahle 850 Euro Miete, das ist schon die Hälfte meines Nettogehaltes, das ich bekomme. Ich arbeite als Erzieher der Stadt in einem Tagesheim. Ich habe eine fünfjährige Ausbildung hinter mir, so viele wie ein Techniker oder Meister, die viel mehr bekommen. Vor allem viele Kinderpflegerinnen haben einen Zweitjob, um überhaupt über die Runden zu kommen.

1800 Euro für viel Arbeit

Petra Kühnel (52), Kindepflegerin

Ich arbeite bei der Landeshauptstadt als Kinderpflegerin, da krieg’ ich für einen 39-Stunden-Job, bei dem die Ansprüche ständig steigen, 1800 Euro im Monat. Ich war alleinerziehend, das war oft nicht leicht. Dabei habe ich es noch gut, da ich nach einem alten Tarif bezahlt werde und höher eingestuft bin. Meine jungen Kolleginnen müssen mit 1200 bis 1400 Euro netto zurecht kommen.

Johannes Welte

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring

Kommentare