„Ein wirtschaftlicher Totalschaden“

Gerüst umgekippt, BMW Schrott: Wer zahlt diesen Sturmschaden?

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Die Besitzerin, eine 26 Jahre alte Bürokauffrau, musste ganz genau hinschauen, ehe sie ihren silbernen BMW entdeckte. Der Sturm hatte an der Kreuzstraße ein Gerüst umgeweht. Es stürzte auf das Auto.

Melanie S. parkte ihr Auto in der Kreuzstraße in der Altstadt, doch als sie zurückkommt, ist ihr BMW Schrott - von einem Gerüst begraben. Die Frage: Wer zahlt den Schaden?

München - Sie hatte sich auf einen entspannten Kinoabend gefreut – doch als Melanie S. (26) am Mittwoch gegen 23 Uhr zu ihrem Auto an der Kreuzstraße zurückkehrt, trifft die hochschwangere Bürokauffrau beinahe der Schlag: ihr BMW ist Schrott. Das umgestürzte Gerüst hat ihn unter sich begraben. Wer muss für den Schaden aufkommen? Rechtsexperte Dr. Thomas Fritz schafft Klarheit.

Gegen 21 Uhr hatten Sturmböen das Baugerüst in der Altstadt aus der Verankerung gerissen. Die Konstruktion kippte um, demolierte drei Autos, blockierte einen Hoteleingang und verletzte beinahe Gäste der gegenüberliegenden Pizzeria von Wirt Giovanni Tarullo. Bis in die Morgenstunden dauerten die Aufräumarbeiten. „Ich habe mein Auto zunächst gar nicht gesehen“, erzählt Melanie S.: Planen und Metallstangen haben es verdeckt.

Erst am nächsten Tag überblickte Melanie S. das ganze Ausmaß des Schadens. „Mein Auto ist jetzt ein wirtschaftlicher Totalschaden“, sagt die 26-Jährige. Doch wer muss den bezahlen? Anwalt Dr. Thomas Fritz hat eine eindeutige Antwort. Der Jurist zur tz: „Die Geschädigte muss sich keine Sorgen machen. Der Bundesgerichtshof hat im Jahr 1999 ein eindeutiges Urteil gefällt.“ Und das besagt: Der Aufsteller des Baugerüsts muss beweisen, dass er alle möglichen Maßnahmen ergriffen hat, um die Gefahr eines Einsturzes, etwa durch einen Sturm, zu beseitigen. Kann er das nicht nachweisen, kommt im Regelfall die Versicherung des Gerüstbauers für Schäden auf.

Aber auch der Bauunternehmer, der an dem Gebäude Arbeiten durchführt und den Aufbau des Gerüsts in Auftrag gegeben hat, kann zur Verantwortung gezogen werden. „Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass ihm ein Mitverschulden vorgeworfen werden kann“, sagt Dr. Thomas Fritz.

Johannes Heininger

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