Sie sind noch auf der Flucht

Die dreisten Juwelendiebe aus der Altstadt

+
Einen prächtigen Diamanten hat ein Diebes-Geschwisterpaar am Montag in einem Juwelier geklaut. Die Polizei konnte die Räuber nun ausfindig machen.

München - Bei 160.000 Euro liegt allein der Verkaufspreis des Rings, der dem Juwelier Thomas Jirgens am Montag in seinem Laden gestohlen wurde. Dank der Bilder der Überwachungskamera sind die Täter mittlerweile identifiziert – aber noch immer auf der Flucht.

„Der Typ war wie ein Zauberer – einer dieser Hütchenspieler.“ Thomas Jirgens ist sichtlich mitgenommen, drei Tage nachdem Trickdiebe in seinem Juweliergeschäft zugeschlagen haben. Wie berichtet, hatte sich ein Paar bei dem Goldschmied an der Neuturmstraße in der Altstadt am Montagvormittag mehrere wertvolle Schmuckstücke zeigen lassen. Erst nachdem sie das Geschäft wieder verlassen hatten, bemerkte Inhaber Jirgens, dass sie Geschmeide im Wert von rund 185 000 Euro mitgehen hatten lassen: einen Brillantring und einen geschliffenen Diamanten.

Jirgens hatte das Paar selbst bedient. Sie hatten sich als Shopping-Assistenten einer arabischen Prinzessin ausgegeben. Für sie sollten sie angeblich einige Schmuckstücke auswählen. In Jirgens Geschäft ist das keine Seltenheit. Allein aufgrund der Lage gegenüber dem Luxushotel Mandarin Oriental habe er viel internationales Klientel. Sie ließen sich also Schmuck zeigen, suchten besagten Ring aus und ließen ihn den Juwelier zurück in den Safe legen, um ihn später abzuholen.

Als die beiden den Laden wieder verließen, überprüfte Jirgens die Schmuckschatullen. „Erst sah ich, dass in der Schatulle der Ring fehlte, dann wurden mir die Knie weich.“ Doch dank der Aufnahmen seines Überwachungssystems und Ermittlungen der Polizei konnte nun der männliche Täter identifiziert werden. Mit einem ähnlichen Trick hatte der 37-jährige Mann aus Marseille bereits in Düsseldorf zugeschlagen. Die Polizei geht von Bandenkriminalität aus.

„Er ist definitiv ein Profi, denn es war bestens organisiert“, sagt Jirgens. Allein wie er gestikuliert und den Schmuck begutachtet habe. „Nur sein verhältnismäßig schlechtes Englisch hätte mich stutzig machen müssen.“ Die Frau, die laut Polizeiangaben die 47-jährige Schwester des Mannes ist, habe dabei die schmückende Nebenrolle gespielt, berichtet Jirgens. Sie hatte sich immer mal wieder ein Schmuckstück an die Hand gehalten – abgewägt, ob es etwas für ihre Auftraggeberin sein könnte oder nicht. „Es war alles perfekt inszeniert.“

Auf den Aufnahmen der Überwachnugsnkamera sieht man nicht nur die beiden Personen scharf. Sondern wohl auch den Diebstahl. „Er sagte noch, dass er nur weiße Steine für die Lady wolle, und gab mir die Schatulle mit den braunen zurück“, erzählt Jirgens. „Auf den Aufnahmen aus einer anderen Perspektive sieht man, wie er in dem Moment noch einen Finger in der Schachtel hat – womöglich hatte er etwas Klebriges an seinem Finger. Auf jeden Fall fehlte an der Stelle später ein Stein.“

Für Jirgens ist der entstandene Schaden immens. „Ich rechne den Wert immer in Arbeitsstunden um“, sagt er. „Dafür muss ich über eine Jahr umsonst arbeiten.“

Die Polizei lobt Jirgens Sicherheitssystem. Er habe alles gemacht, was präventiv möglich ist. „Aber ich habe eben nur die Technik, um die Diebe im Bild festzuhalten“, sagt der 46-Jährige. Ablenkung und Schnelligkeit – dagegen könne sein System nichts ausrichten. „Ich befürchte, der Ring wurd bereits in seine Einzelteile zerlegt“, sagt der Juwelier. Jetzt will er in einem Netzwerk mit anderen Juwelieren und Händlern nach dem Schmuck suchen. Gelernt hat er daraus vor allem eines: „Ich werde künftig nur noch einzelne Stücke vorzeigen.“ Außerdem wird er sich mehrfach ob der Richtigkeit der Angaben vergewissern. „Denn das alles tut sehr weh.“

Andrea Steiler

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht
So ehrt München den „roten Schorsch“
So ehrt München den „roten Schorsch“

Kommentare