St. Lukas benötigt Räume selbst

Großes Aufreger-Thema: Münchner Kirche wirft Kita raus

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Suchen eine neue Bleibe: Die Kinder der Elterninitiative „LeHelden“, hier in ihren Noch-Räumen in St. Lukas.

Ab Januar 2020 ist Schluss im Kindergarten, der in der Kirche Sankt Lukas im Lehel beheimatet ist. Schon früher werden die Räume geschlossen, weil die Kuppel saniert wird. Und danach? Gibt es auch keine Rückkehr.

München - „So leid es uns aufrichtig tut. Wir brauchen den Platz dringend für eigene Veranstaltungen“, sagt die zuständige Münchner Stadtdekanin Barbara Kittelberger. „Wir wollen die Kindergartenräume künftig für die Öffentlichkeit zugänglich machen.“ Bisher sei es zum Beispiel so, dass sich Musiker und Chormitglieder in einer etwa zehn Quadratmeter großen Sakristei hinter dem Kindergarten umziehen müssten, wo zusätzlich Instrumente liegen. Das solle sich ändern. Die Elterninitiative „LeHelden“ steht nun unter Druck. „Der Zeitraum, bis wir gehen müssen, klingt erst einmal komfortabel“, sagt Elternvorstand Tobias Beuchert, der grundsätzlich Verständnis hat für den Eigenbedarf der Kirche. „Aber die Realität sieht anders aus. Wir brauchen bis allerspätestens April 2019 eine Perspektive, weil sich sonst die Eltern für andere Kitas bewerben. Auch unsere drei Erzieherinnen und der Praktikant brauchen ja Planungssicherheit.“ Falls die fehle, werde die Initiative zerfallen, in einer Stadt, die eigentlich dringend mehr Kindergärten bräuchte.

In der Kirche St. Lukas ist „LeHelden“ bisher beheimatet. Damit ist zum 31. Dezember 2019 Schluss.

Aber nicht nur das erzeugt großen Druck auf die Elternschaft. Der gnadenlose Mietmarkt erschwert die Suche nach neuen Räumen zusätzlich. „Schon seit Oktober sehen wir uns alle um“, sagt Heidi Galli Zugaro, Sprecherin des Vereins, „aber einige Makler, die passende Räume hatten, blockten sofort ab, als ich sagte, dass wir ein Kindergarten sind.“

Neue Bleibe? Viele Eigentümer fürchten offenbar den Lärm

Die Preise wiederum sind ein ganz eigenes Münchner Thema. Bei manchen Objekten habe der Makler bis zu 33 Euro je Quadratmeter aufgerufen. „Das übersteigt definitiv unser Budget“, sagt Victoria Volkhardt vom Elternvorstand, „unser Limit liegt bei etwa 22 Euro je Quadratmeter.“ Zwischen 80 und 200 Quadratmeter benötigt die private Tagesstätte. Galli Zugaro und Beuchert betonen: „Wir sind eigentlich die sichersten Mieter, die man sich vorstellen kann. Einerseits teilen sich ja die Eltern die Mietkosten, andererseits übernimmt die Stadt einen Großteil des Betrages.“

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Trotzdem überwiege bei den vielen Absagen von Maklern offenbar die Sorge, dass mit einer Kita auch große Lautstärke einzieht. „Es heißt dann immer, der Eigentümer sei nicht daran interessiert, an eine Kita zu vermieten“, sagt Alexandra Schilling vom Elternvorstand. „Dabei hätten ja die Anwohner täglich ab 17 Uhr spätestens ihre Ruhe. Und am Wochenende sind wir eh nie da.“ Bei fast 50 Anfragen seit Oktober bekamen die „LeHelden“ lediglich vier Besichtigungstermine.

„Wir sind um jeden Tipp dankbar“, sagt Galli Zugaro, die schon die Stadt, die Sparkasse, mehrere Versicherungen und Kirchen angeschrieben hat. „Optimal wäre natürlich, wenn wir Räume in der Au, im Lehel, im Glockenbachviertel oder in Haidhausen finden könnten.“

Wer einen Tipp hat, wo die kleinen LeHelden künftig eine neue Heimat finden könnten, kann sich melden unter Telefon 0179/ 235 77 96 oder unter info@lehelden.de.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Altstadt/Lehel – mein Viertel“.

Hüseyin Ince

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