Die Messe ist gelesen

Heiliggeiststüberl am Viktualienmarkt schließt

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Bobby in ihrer (Noch-)Kneipe ...
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... und mit den Gästen Wofgang Prinz und Rainer Schießler.
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Wirtin Bobby mit Sohn Olly
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München - Seit 40 Jahren steht Bobby hinter dem Tresen im Heiliggeiststüberl am Viktualienmarkt. 365 Tage im Jahr. Am Donnerstag spielt Bobby ihr liebstes Rausschmeißerlied und sperrt für immer zu.

Seit 40 Jahren steht die Bobby hinter dem Tresen im Heiliggeiststüberl am Viktualienmarkt. Kein Weihnachten und keinen Geburtstag hat sie gefeiert, keinen Urlaub gemacht. Das Stüberl hatte 365 Tage im Jahr offen. „Das hier war mein Leben“, sagt Bobby. War. Am Donnerstag, den 29. April, ist letzter Tag – danach sperrt die Bobby zu, und im Heiliggeiststüberl ist die letzte Messe gelesen…

Einmal noch Rüscherl ausgeben, einmal noch Helles zapfen und Weißbier einschenken, aus den Lautsprechern wird Marianne Rosenbergs Er gehört zu mir erklingen. Pfarrer Rainer Maria Schießler (54) von der Heiliggeistkirche nebenan, Maler Wolfgang Prinz (66) und all die vielen Stammgäste werden da sein. Und wenn dann gegen 22 Uhr das Ende naht, wenn’s endgültig heißt, Abschied von ihrem 30 Quadratmeter großen Wohnzimmer zu nehmen, wird Bobby das Rausschmeißerlied, ihren Lieblingssong, Meine letzte Zigarette von Ruth Händel, auflegen.

Aus, vorbei, eine Ära zu Ende. Der Pachtvertrag wurde nicht verlängert. Der Vermieter hatte Bobby gesagt, das Stüberl sei überholt, nicht mehr „in“. Es sei zu laut, zu alt – und Bobby müsse jetzt eh mal in den Ruhestand gehen. „Dabei genieße ich mein Alter. Ich hätte sehr gern weiter gemacht, bis ich umfalle“, sagt Bobby. Und: „Die Lärmbelästigung ist ein Schmarrn. Wir haben immer pünktlich um 22 Uhr zugemacht.“

Was folgt nach? Wahrscheinlich ein ruhiges, bayerisches Wirtshaus. Klar, das passt besser ins gschleckte Stadtbild. Die Gentrifizierung schreitet voran. Aber was ist mit den Menschen? Dabei seien es Orte wie das Heiliggeiststüberl, die so wichtig für uns sind, sagt Pfarrer Schießler: „Wir brauchen alle einen Rückzugsraum. Das Stüberl war ein kleiner Beichtstuhl.“ Tatsächlich hat die Bobby Menschen aus allen Altersklassen und allen Schichten an einen Tresen gebracht. Dort teilten die die Gäste ihre Freuden und Sorgen: Der 21-jährige Jura-Student in Jeans tauschte sich mit dem 49-jährigen Anwalt im Anzug aus, genauso wie der Heizungsinstallateur mit der Verkäuferin vom Markt. Auch Queen-Sänger Freddie Mercury († 45) kam in den 80er-Jahren mit Barbara Valentin († 61) vorbei. „Bei mir ist jeder Mensch gleich, egal ob prominent oder nicht“, sagt Bobby. Der Grund, warum auch sie „einfach nur die Bobby“ ist. Kein Nachname, kein Alter.

Schießler, der oft nach der Messe noch ein Bierchen bei Bobby trank, schmerzt es sehr, dass es aus ist. Auch wenn er Verständnis dafür hat, dass Verträge eingehalten werden müssen. Ein Stammgast ergänzt: „Wieder stirbt ein Stück Originalität in München. Das Heiliggeiststüberl gehörte zur Stadt dazu. Wenn das so weitergeht, können sich die Münchner bald nur noch privat im Keller treffen.“

Bobbys Gäste: jetzt sagen sie „Servus“ – und vor allem auch „Danke“ für die Gastfreundschaft und das große Herz.

Tina Layes

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