Stadt plant für 5,5 Mio. drei neue Häuser

Hilfe! Unser Bolzplatz soll weg

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Der einzige Bolzplatz weit und breit soll einem Wohnhausneubau weichen. Auch die seit Jahren leer stehenden Häuser kommen weg.

München - Es ist ein Bauprojekt, mit dem die Stadt ein Zeichen setzen will: Mitten in dem bei Investoren heiß begehrten Gärtnerplatzviertel sollen für 5,5 Millionen Euro 20 neue bezahlbare Wohnungen gebaut werden.

Dafür sollen drei Häuser mit 17 Wohnungen weichen, die die Stadt seit Jahrzehnten leer stehen und verfallen lässt - und auch der einzige Ballspielplatz des Viertels soll weg! Thomas Filser, Geschäftsführer des Jugendzentrums Glockenbachwerkstatt, ist verzweifelt: „Wo sollen sich die Kinder dann austoben?“ Neben den Gruppen der Glockenbachwerkstatt nutzen auch viele Krippen-, Kindergarten- und Hortgruppen den Ballspielplatz.

Das Kommunalreferat, das die städtischen Grundstücke verwaltet, will an der Ecke Müllerstraße/Corneliusstraße ein großes Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage errichten. Die drei Häuser mit den 17 Wohnungen, die die Stadt zum Großteil schon seit über zwei Jahrzehnten leer stehen lässt, sollen dafür weg - aber auch der Bolzplatz, der zwischen dem jetzigen Eckhaus und der Glockenbachwerkstatt liegt, soll bebaut werden.

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Schon seit Jahren kämpfen die Glockenbachwerkstatt und die Bezirksausschüsse Altstadt-Lehel und Isarvorstadt/Ludwigsvorstadt für den Erhalt des Bolzplatzes. „Der Bolzplatz ist für die Erfüllung der vielfältigen Aufgaben der Glockenbachwerkstatt unverzichtbar,“ so Bezirksausschussvorsitzender Wolfgang Püschel (SPD). Das Haus würde mit dem Verlust 40 Prozent seiner Spiel- und Bewegungsflächen verlieren. Zusätzlich zum Projekt an der Müllerstraße plant die Stadt ein Wohnhaus für kinderreiche Familien um die Ecke Am Einlaß. Glockenbachwerkstatt-Chef Filser gibt zu Bedenken: „Auch für diese Kinder gibt es dann den nächsten Bolzplatz erst am alten Südfriedhof.“

Der Bezirksausschuss schlug schon 2010 vor, den Neubau weiter in die Corneliusstraße vorzuziehen, um den Bolzplatz zu schonen. Die Straße sei ohnehin „überdimensioniert“, so das Argument. Das Kommunalreferat erteilte dem Ansinnen aber eine Absage. Der Erhalt des Ballspielplatzes sei „nicht sinnvoll. Dies würde erhebliche finanzielle Einbußen für die Stadt sowie insbesondere einen massiven Verlust von Wohn- und Nutzflächen nach sich ziehen.“ Man möchte das Baurecht ausschöpfen, um möglichst viel Wohnraum zu schaffen.

Am Montag startet um 15.30 Uhr vor der Glockenbachwerkstatt eine Demonstration für den Erhalt des Ballspielplatzes. Außerdem werden vor Ort sowie unter www.glockenbachwerkstatt.de dafür Unterschriften gesammelt. Mittwochmittag waren es schon 600 Unterzeichner.

Johannes Welte

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