"Audi schien abzuheben"

Horror-Unfall vor Oper: Er war zufällig da und half sofort

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Michael Große war zufällig vor der Oper und half sofort.

München - Michael Große wartete am Montag auf eine Lieferung, als ein Auto vor der Oper mitten in eine Menschenmenge raste und eine Frau in den Tod zog. Der 33-Jährige eilte sofort zum Unfallauto. Was er dort sah, schockierte ihn.

Die schwarzen Damenschuhe liegen noch unter dem linken Hinterrad, braune Männer-Mokassins unter dem Vorderrad. Ein Pfosten, eine Straßenlaterne, selbst ein Parkscheinautomat sind umgeknickt wie Zahnstocher. Lebensmittel liegen über mehrere Meter verstreut – ein Laib Brot, Getränkedosen, eine zerbrochene Flasche Ketchup. Vielleicht ein Einkauf, vielleicht des Opfers, das wohl auf die 19er-Tram wartete. Die Polizei kennt ihren Namen zunächst nicht, Beamte beschreiben sie als etwa 50-jährig.

Wenige Sekunden zuvor hatte Messebauer Michael Große (33) vor der Residenz auf eine Lieferung gewartet. Ein Arbeitsberater war an der Haltestelle vorbeispaziert. Ein Kuffler-Kellner hatte auf der herrlichen Terrasse zum Max-Joseph-Platz bedient. Wenige Sekunden später führt das Schicksal sie am Unfall-Audi zusammen.

Michael Große: "Der Audi schien abzuheben"

Motorheulen, ein Knall, Schreie: Der Arbeitsberater stoppt, der Kellner springt von der Terrasse, Messebauer Große spurtet los. „Der Audi schien am Bordstein abzuheben“, sagt Große der tz. „Er muss auf der Frau gelandet sein. Der war 40 bis 50 Stundenkilometer schnell.“ Die Zeugen haben nicht gehört, dass der Audi gebremst hätte.

Stille. Das Auto verliert Flüssigkeit. Den 23-jährigen Fahrer retten die Zeugen zuerst. Sie sagen, er habe Schaum vor dem Mund gehabt. Plötzlich schreit einer: „Da liegt eine Frau drunter!“ Die Retter rufen Passanten zusammen, zehn bis zwölf Männer schaffen es, das Heck anzuheben.

Nach dem Unfall: Kriseninterventionsteam kümmert sich um die Zeugen

Überall Blut. Messebauer Michael Große hebt das Auto genau über der Frau an: „Ich habe ihr in die Augen geschaut. Dann musste ich mich abwenden.“ Der Kellner und der Arbeitsberater ziehen die Frau he­raus. „Sie atmete und blutete stark am Kopf“, sagt der Arbeitsberater. „Sprechen konnte sie nicht.“ Als der Notarzt eintrifft, ist die Frau befreit. Kurz darauf muss er sie reanimieren, in der Klinik stirbt sie. Das Kriseninterventionsteam kümmert sich um Zeugen.

Das Kuffler Restaurant stellt zwei Getränkekisten raus. Gutachter machen mit einer Drohne Luftbilder. Ein Polizist holt unter dem Wagen eine Handtasche hervor – es sieht aus, als ziehe er den Personalausweis der Toten aus der Tasche.

David Costanzo, Tobias Scharnagl

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