Auf 300 Quadratmetern

In Münchens erstem Kunst-Supermarkt gibt es Gemälde ab 59 Euro

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Der Supermarkt-Kunsthändler Mario Terés (60) hat vor 20 Jahren seinen ersten Markt eröffnet.

Am Viktualienmarkt gibt es Kulinarik, ein paar Schritte weiter ab sofort Seelenfutter. Willkommen in Münchens erstem Kunstsupermarkt! Ab sofort kann man bis 12. Januar 2019 Original-Gemälde ab 59 Euro kaufen. Wir sahen uns vorab im Laden um und sprachen den Gründer und Chef Mario Terés.

München - Brauchen Sie ein etwas anderes Weihnachtsgeschenk? Etwas Originelles oder sogar Originales? Dann dürften Sie im Rosental 6 richtig sein, denn hier hat Mario Terés seinen temporären Kunst-Supermarkt eröffnet. Auf 300 Quadratmetern präsentiert er rund 5000 Gemälde von teils etablierten, teils blutjungen Künstlern, die hier eine erste Chance bekommen.

In großen Holzkisten – gut zu sehen auf dem großen Foto rechts – findet man insgesamt Werke in vier Preis-Kategorien. Für 59, 110, 220 und 330 Euro. Vorgabe: Jeder Maler liefert zehn Werke für jedes dieser vier Preissegmente. Informationen zum Künstler, der je eine Box erhält, stehen auf Zetteln. Fast 90 Maler werden präsentiert. „Ich bekomme pro Jahr rund 300 Bewerbungen, und davon nehme ich fünf bis sechs Künstler“, erläutert Terés, der studierter Kunsthistoriker ist und früher auch Ausstellungen kuratiert hat.

Die Eingangstür im Rosental 6.

Doch die Hochpreisigkeit, die Flüchtigkeit des Kunstbetriebs schmeckte ihm nie. „Du bewegst Bilder im großen Wert, es kommen 1000 Besucher, und dann ist Feierabend.“ So entwickelte er vor genau 20 Jahren in seiner Heimatstadt Marburg die Idee von Kunst zum kleinen Preis – und ohne Berührungsängste. „Zu uns kommt jeder, vom Experten bis zum Paar, das ein Foto seiner Couch dabei hat und ein farblich passendes Bild sucht.“ Und wenn sich ein Künstler partout zum Ladenhüter entwickelt? „Dann bleibt er trotzdem im Angebot, wenn ich an ihn glaube. Manchmal brauchen Menschen Zeit, um einen Künstler zu verstehen.“

Mittlerweile eröffnet Terés seinen Supermarkt neben der Marburger Zentrale regelmäßig in Frankfurt und Berlin, dazu hat er Kooperationen in der Schweiz (Solothurn) und Wien. Auf Sylt hat er einen kleinen Laden, den er durchgehend betreibt („Da sitzt das Geld“). Rechnet er alle Bilder zusammen, kommt er auf über 20 000 Stück.

unst ab 59 Euro: Originales und Originelles zum Niedrigpreis gibt es ab sofort ganz nah am Viktualienmarkt - im Rosental 6.

Das rechnet sich, „auch wenn ich fast nur die niedrigen Preis-Segmente verkaufe“, weiß Terés. Rund ein Drittel aller Angebote verkauft er pro Galerie-Zeit. Die Räume mietet er zwischen. „Wenn ich 30 Prozent verkaufe, bin ich zufrieden.“

Dass er in München günstig anmieten konnte, ist ein Glücksfall. „Ich weiß noch: Vor 15 Jahren, als ich das erste Mal anfragte, sollte ich pro Monat bis zu 50 000 Euro zahlen, das war absurd.“ Man höre und staune: Heute zahlt er für beide Monate zusammen einen deutlich niedrigeren Betrag. „Mittlerweile stehen einige Läden leer, und man kann verhandeln“, grinst er.

Es geht auch teurer: Andre Manecke ist Spezialist für Natur-Ansichten. Sein Bild kostet 750 Euro.

Klar: Vielen Künstlern stößt es sauer auf, wenn ihre Kunst im „Supermarkt“ landet. „Aber wir können die Maler jährlich mehrmals zeigen – wenn ein Künstler Glück hat, kriegt er alle paar Jahre eine Ausstellung in einer Galerie.“ Wird ein Bild verkauft, machen Vermittler Terés und der Künstler halbe halbe.

Neben den preisgünstigeren Bildern sind noch rund 150 hochpreisige Werke im Angebot, auch wenn die sich so gut wie nie verkaufen. Die Schmerzgrenze liegt allerdings bei 3000 Euro. Sonst wäre es ja schließlich kaum noch ein Supermarkt. „Zu mir kommen fast nur Menschen, die Kunst nicht als Kapitalanlage sehen, sondern sie tatsächlich aufhängen und sich darüber freuen. Die Vielfalt ist ebenso groß wie die Geschmäcker“, weiß der Kunst-Experte.

Ein Original-Bild (Einzelstück) gibt es schon ab 59 Euro. Es geht aber auch bis zum Grenz-Preis 3000 Euro wie die drei Bilder von Sigrid Palmer.

Und wenn Terés einen kleinen Geheimtipp für unsere Leser geben würde – welcher Künstler hat das Potenzial auf eine enorme Wertsteigerung? Einige, klar, einen möchte er aber trotzdem hervorheben. „Aber ich würde auf Qitan Huang aus China setzen. Er ist 34 Jahre jung und ein Mann mit großer Zukunft.“

Der Kunstsupermarkt befindet sich bis 12. Januar 2019 im Rosental 6. Geöffnet ist montags bis freitags von 11 bis 20 Uhr, am Samstag von 10 bis 20 Uhr.

Lesen Sie auch: Im Video: So sieht der neue Hugendubel am Marienplatz aus

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Altstadt/Lehel – mein Viertel“

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