Schätze der Erinnerung

200 Jahre jüdische Geschichte in München: Eine Spurensuche

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München - Alles Gute zum 200. Geburtstag: Die Israelitische Kultusgemeinde München (IKG) blickt zurück auf eine lange Geschichte. Die tz hat sich auf Spurensuche begeben.

Bei der Jubiläumsfeier am Mittwoch wird ab 18.30 Uhr am Sankt-Jakobs-Platz an das 200-jährige Bestehen und an die Wiedergründung nach dem Holocaust vor 70 Jahren erinnert.

Auch Ministerpräsident Horst Seehofer (66, CSU) wird anwesend sein und für seine Verdienste um die IKG mit der mit der Ohel-Jakob-Medaille in Gold ausgezeichnet.

Das Jüdische Museum von außen.

Anlässlich des Doppel-Jubiläums hat sich die tz zusammen mit Jutta Fleckenstein, der Kuratorin und stellvertretende Direktorin des Jüdischen Museums, auf Spurensuche begeben. Wir bekamen von der 43-Jährigen eine Führung durch die Dauerausstellung Stimmen_Orte_Zeiten. Umfangreiche Literatur, kostbare Gegenstände und technische Spielereien – Fleckenstein zeigt wahre Schätze der Erinnerung. Anhand dieser bekommen die Besucher einen guten Eindruck vom früheren Leben der Gemeinde Wie arbeiteten Juden ihre schrecklichen Erlebnis während der Nazi-Zeit auf? Welche Viertel der Stadt waren für die jüdische Gemeinde besonders bedeutungsvoll? Und welche Rolle spielte jüdische Musik in München?

Die passende Musik

Wenn die Israeltische ­Kultusgemeinde Geburtstag feiert, darf auch die passende Musik nicht fehlen. Eine große Auswahl jüdischer Musik bietet die Ausstellung „Jukebox.Jewkbox!“ im zweiten Obergeschoss des Museums. Bei der Schallplattensammlung unter anderem vertreten: Esther & Abi Ofarim aus München, die in den Sechziger-Jahren gleich ­mehrmals die Charts stürmten.

Das Leben in den Vierteln

Hauptbahnhof, Lehel, Haidhausen, Maxvorstadt: In Fleckensteins Augen sind Orte jüdischer Geschichte im Münchner Alltagsleben fast unsichtbar. Ein Stadtplan, der beim Verrücken der jeweiligen Schilder die passenden Bilder an eine Wand projiziert, erzählt die persönlichen Geschichten der jüdischen Bewohner des jeweiligen Viertels. „Jeder jüdische Besucher bringt seinen Erfahrungsschatz mit ins Museum. Hier haben wir Platz dafür.“

Bild mit Geschichte

Ghettomädchen heißt dieses Bild von Stanislaus Bender. Es entstand 1915. Zu dieser Zeit kamen viele Studenten aus Osteuropa nach München. „Das Gemälde symbolisiert diesen Zuzug, darum ist es so wertvoll“, erklärt Fleckenstein. 2005 wurde das Gemälde dem Museum von Benders Tochter Marylka gestiftet, die im Jahr 1909 in München geboren wurde und mit 104 Jahren starb.

Bücherregal aus Bogenhausen

Dieses Bücherregal stand in der Wohnung von Simon Snopkowski in Bogenhausen. Dort bewahrte er Erinnerungsstücke aus der Zeit der Judenverfolgung auf. Seiner verlorenen Familie und Freunden gedachte er mit Fotos. Fleckenstein: „Viele der Juden, die während der NS-Zeit entwurzelt wurden, bildeten die größte Gruppe der Nachkriegsgemeinde.“

Das wertvollste Stück

Der seidene Tora-Mantel ist laut Fleckenstein das wertvollste Objekt und wird zum Schutz der Tora-Rollen verwendet. Er wurde 1887 der Hauptsynagoge in der von Jerta Zollfrey gestiftet. Während des Holocaust ging er verloren. Erst 1998 entdeckte ihn Fleckenstein in einem Auktionskatalog. Daraufhin informierte sie das Stadtmuseum, das den Mantel ersteigerte. Konkreter aktueller Wert: nicht genannt.

Auszeichnung für Seehofer

Charlotte Knobloch und Ministerpräsident Horst Seehofer.

Große Ehre für Horst Seehofer! Der bayerische Ministerpräsident wird heute mit der Ohel-Jakob-Medaille in Gold ausgezeichnet. Edmund Stoiber, ebenfalls Träger der Ohel-Jakob-Medaille hält die Laudatio für Seehofer. IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch lobt das Engagement des Ministerpräsidenten: „Ihm liegt das vitale, selbstverständliche Judentum in Bayern am Herzen. Entschlossen stellt er sich gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Menschenverachtung, die unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft gefährden. Er weiß, dass eine lebens- und liebenswerte Heimat ein respektvolles und friedliches Miteinander braucht.“

bok

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