Gerichtsprozess nach Juwelier-Überfall

Jetzt flehen die Räuber vom Viktualienmarkt um Gnade

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Der Überfall auf die Goldstube am Viktualienmarkt.

München - Vor knapp einem Jahr stürmten drei maskierte Räuber in die Goldstube am Viktualienmarkt. Jetzt stehen sie nach dem Überfall vor Gericht - und drücken auf die Tränendrüse. 

Es sind Bilder wie aus einem Hollywood-Streifen: Vor knapp einem Jahr stürmten drei maskierte Räuber in die Goldstube am Viktualienmarkt. Der Überfall dauerte nur etwa 20 Sekunden – doch die hatten es in sich. Mit einer Pistole bedrohte Aleks C. (35) den Ladeninhaber und dessen Sohn, sein Komplize Milos M. (23) zertrümmerte mit einer Axt eine Schmuck­vitrine und wollte edle Uhren abgreifen. Die beiden Serben wurden noch am selben Tag geschnappt. Vor Gericht bettelten sie am Dienstag um milde Strafen. Der Dritte im Bunde ist noch auf der Flucht. Auf der Anklagebank drückte Milos M. auf die Tränendrüse. 

„Ich wurde erpresst, hatte keine Wahl.“ Der arbeitslose Elektriker hatte in seiner Heimat angeblich 3000 Euro Schulden bei einem Bekannten. „Ich brauchte das Geld zum Überleben. Meine Mutter bekommt nur 200 Euro im Monat. Ich habe nur das getan, was man mir befohlen hat. Ich schäme mich“, rechtfertigte der 23-Jährige seine Beteiligung an dem filmreifen Überfall. Seine Rolle: Mit einer Axt schlug er die gläserne Vitrine im Eingangsbereich der Goldstube ein und wollte Uhren einstecken. 

Einer der Räuber vom Viktualienmarkt.

Doch mit der Gegenwehr von Ladenbesitzer Marco H. (51) und dessen Sohn Moritz (23) hatten die drei Gangster nicht gerechnet. Als Marco H. mit einer Reizgaspistole auf die Täter schoss und Sohn Moritz ihnen entgegenrannte, suchten sie das Weite. Vor dem Ausgang kam es zum Gerangel zwischen Räuber und Opfer. Milos M. warf dabei die messerscharfe Axt nach Marco H., verfehlte ihn nur knapp. M. ist deshalb nicht nur wegen schwerem Raub, sondern auch wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angeklagt. 

Das Gericht hat ihm im Falle eines umfassenden Geständnisses eine maximale Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten in Aussicht gestellt. Für Milos M. kein akzeptabler Vorschlag: „Ich habe doch niemanden verletzt.“ Pistolenmann Aleks C. redet Klartext: Ja, ich gebe alles zu“, ließ er über seinen Anwalt ausrichten. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Der 35-Jährige hatte zwei Monate zuvor bereits einen Hamburger Juwelier überfallen und dabei Schmuck im Wert von fast 200.000 Euro gestohlen. Marco H. und Sohn Moritz sagen am Mittwoch als Zeugen bei dem Prozess aus. 

Johannes Heininger

Video: Spektakuläre Aufnahmen der Überwachungskamera am Viktualienmarkt

So geht es den Opfern heute

Nach dem Überfall auf die Goldstube Ende Januar 2016 haben die Besitzer einen bewaffneten Sicherheitsdienst eingestellt. „Wir haben die Sicherheitsvorkehrungen erhöht“, sagte Sohn Moritz H. (23) am Dienstag. Die Tür ist seitdem verschlossen und wird den Kunden von innen geöffnet. „So fühlen sich auch unsere Kunden sicherer“, sagt Moritz H. Sein Vater Marco erzählt, dass jetzt, wo der Prozess losgeht, „alles wieder hochkommt.“ Nach dem Überfall sperrten Vater und Sohn ihren Laden sofort wieder auf. Sie wollten zur Normalität zurückkehren. „Aber die Szenen hat man immer vor Augen“, sagt der Ladenbesitzer. An seinen Angst-Attacken wird wohl auch ein hartes Urteil gegen die brutalen Räuber nichts ändern. 

Stefanie Wegele

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