Die tz auf Streife mit der Polizei

Jetzt werden die Bettler-Banden scharf kontrolliert

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München - Die Frau sitzt auf dem Boden im Durchgang unter dem Alten Rathaus. Sie kommt aus Rumänien, ist 40 Jahre alt. Die Passanten beachten sie gar nicht. Den beiden Polizisten fällt sie sofort auf. Die tz ist auf Bettler-Streife mit der Polizei.

Erst seit Dienstag gilt in München die Verordnung gegen die aggressive Bettelei. Also gegen organisierte Bettler, die Passanten den Weg verstellen, sie gar festhalten oder beschimpfen. Damit will die Stadt gegen die sogenannte Bettel-Mafia vorgehen (tz berichtete). „Wir wollen den Hintermännern, die das Geld kassieren, die Grundlage entziehen“, sagen Polizeihauptkommissar Robert Röske (51) und Polizeiobermeister Christian Fischer (25) von der Altstadt-Inspektion, die in diesen Tagen die in fünf Sprachen (Slowakisch, Rumänisch, Bulgarisch, und Englisch) verfasste Verordnung an die Bettler verteilen. Christian Fischer läuft seit eineinhalb Jahren Streife in München. „Es gibt Fälle, die sind so krass. Das können sich die Leute, die Geld geben, gar nicht vorstellen“, sagt er. Und sein Kollege sah eine angeblichen schwerstbehinderten Bettler, der plötzlich flink vor den Polizisten davonlaufen konnte.

„Bettler mit Gebrechen und Hunden bekommen mehr Geld als andere“, sagt Röske. Über 100 Euro kann ein Bettler am Tag verdienen. Besonders viele sind zur Wiesnzeit in München – und wenn die Touristen aus Arabien kommen: „Im Koran steht, dass es die Pflicht ist, Hilfsbedürftige zu unterstützen“, erklärt Röske. Da wandert schnell mal ein 50-Euro-Schein in den Becher...

Die kontrollierte Rumänin hat von den beiden Polizisten nichts zu befürchten, weil sie stumm bettelt. Trotzdem muss auch sie die Verordnung unterschreiben. Außerdem werden ihre Personalien überprüft. In ihrem Fall gehen die beiden Polizisten davon aus, dass sie nur bettelt, um etwas zu essen zu haben. Außerdem wird sie wohl Kinder haben: „Ganz oft von verschiedenen Männern.“

Wie das Bettler-Problem gelöst werden könnte, wissen Röske und Fischer auch nicht: „Wir können da leider nicht viel machen. Es muss das Sozial-Gefüge in den jeweiligen Ländern verbessert werden.“ Nur wenn es den Menschen in ihren Heimatländern besser gehen würde, wäre der Mafia die Grundlage entzogen. Und München wäre das Bettel-Problem los.

Florian Fussek

Wie finden Sie die Verordnung?

Brigitte Haeringer (63) u. Ingrid Bliefgert (64), Rentnerinnen aus München: „Wirfinden die neue Verordnung gut, weil zu viel Schindluder getrieben wurde. Die wollen alle mit Kindern oder Behinderungen Mitleid erregen. Nervig ist es auch, wenn die Bettler in der U-Bahn musizieren. Besonders traurig ist es, wenn alte Menschen noch betteln gehen müssen.“

Christa W. (56), Sachbearbeiterin aus Erding: „Es ist richtig, dass die Polizei gegen die Bettler vorgeht. Gerade dort, wo viele Touristen sind. Es ist aber schade, dass Menschen überhaupt betteln gehen müssen – viele von denen könnten einen Job finden. Das Problem sind wohl Sprachschwierigkeiten. Ich glaube aber nicht, dass die Situation in anderen Städten anders ist.“

Alina Ott (20) und Nick Müller, Studenten aus Lüneburg: „Bettler sind uns gar nicht aufgefallen. Daheim sieht man die wohl eher. Wenn sie nur da sitzen, stören sie nicht. Nervig ist es aber, wenn sie auf die Leute zugehen. Wer Musik macht, bekommt auch mal 20 Cent von mir. Um das Bettler-Problem zu bekämpfen, muss man am Kern arbeiten!“

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