Das sagen Wirt, Politiker, Gäste und der Verband 

Einkaufstempel statt Wirtshaus? Der Kampf um den Franziskaner

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Jetzt beginnt der Kampf um die Münchner Traditionsgaststätte "Franziskaner".

München - Einkaufstempel statt Wirtshaus: Das geht allen zu weit! Jetzt beginnt der Kampf um die Münchner Traditionsgaststätte "Franziskaner".

Jetzt wird das drohende Aus der Traditionsgaststätte „Zum Franziskaner“ an der Oper zum Politikum. Die Stadtratsfraktionen von CSU, SPD und Freie Wähler kritisieren die Pläne des Gebäudeeigentümers, das Haus abzureißen und an selber Stelle ein neues Einkaufszentrum zu errichten. Der Hotel- und Gaststättenverband befürchtet den Verlust eines Stücks Wirtshauskultur. Pächter Edi Reinbold betont weiterhin, nichts davon zu wissen. Auch, wenn er mittlerweile den Löwenbräukeller gekauft hat, der derzeit noch vom Wirtekollegen Christian Schottenhamel gepachtet ist. Der tz-Report:

Die Wirte: Gäste stornieren bereits Feiern

Dreigespann: Edi Reinbold mit seinen Söhnen Ludwig (l.) und Mathias.

Auch vier Tage nachdem durchgesickert war, dass die Milliardärsfamilie August von Finck das Gebäude in der Residenzstraße, in dem die Gaststätte Franziskaner beheimatet ist, abreißen will, geht Wirt Edi Reinbold weiterhin auf Distanz zu den Spekulationen. „Es hat sich nichts verändert. Mit mir hat man noch nicht gesprochen. Es gibt weder einen Bauantrag, noch irgendeine andere Anfrage“, sagt der 73-Jährige zur tz. Der Wirbel um seine Gaststätte, die er mit den beiden Söhnen Ludwig (28) und Mathias (29) betreibt, lässt aber auch den erfahrenen Gastronom nicht unberührt. „Seitdem bekomme ich ständig Anrufe von besorgten Stammgästen. Ich habe gerade ein großes Problem. Mir wurden schon einige Weihnachtsfeiern storniert.“ Reinbold glaubt nicht an das Aus des Franziskaners. Erst kürzlich hat er nochmal ordentlich in sein Restaurant investiert. Neue Toiletten wurden installiert, und viel Geld in bessere Gastro-Logistik gesteckt, insgesamt eine Million Euro. „Sieht das so aus, als ob ich hier bald draußen bin?“, fragt das Münchner Urgestein. „Wir sind noch da, und das für sehr lange Zeit.“

Der Verband: Wir müssen ein Zeichen setzen

Conrad Mayer

Wirtshaus raus, Kaufhaus rein? Diese Vorstellung ist ein Schock für Conrad Mayer (56), den Münchner Kreisvorsitzenden des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. Er sagt: „Ich habe es von einem Lieferanten erfahren. Und ich hab mir gleich gedacht: ,Wenn ich jetzt nichts tu, brennt was an!‘„ Also tut er was, nämlich öffentlich über die Sache reden. Mayer, Chef des Conrad-Hotels an der Schillerstraße, sagt: „Wir müssen ein Zeichen setzen! Es geht darum, dass der Franziskaner erhalten bleibt. Der Ruf des Restaurants geht weit über München hinaus.“ So ein Stück Tradition dürfe nicht verlorengehen. Mayer: „Das Schlimme ist, dass so etwas oft heimlich und leise passiert. Dass die Öffentlichkeit es gar nicht mitbekommt – und auf einmal ist das Wirtshaus weg. Diesen Trend gibt es vor allem auf dem Land, aber auch in der Stadt kann es passieren.“ Man mag zum Beispiel an den Mathäser denken. In der Hoffnung, dass es beim Franziskaner anders kommt, sagt Mayer: „Das Schönste wäre, wenn die Verantwortlichen in ein paar Tagen sagen würden: ,War nicht so gemeint. Das Wirtshaus bleibt natürlich erhalten.‘“

Die Politik: Vorgehen gegen inakzeptablen Plan

Verärgerte Stadträte: Hans Podiuk (l.) und Alexander Reissl.

Der Wirtshaus-Wirbel hat nun auch die Stadtpolitik auf den Plan gerufen. Der allgemeine Tenor: Ein Aus für den Franziskaner wäre undenkbar. Die Innenstadtwirte müssen gestärkt werden. Einkaufszentren gibt es zur Genüge.

„Es kann nicht sein, dass solch bedeutende Entscheidungen ohne Rücksprache mit der Politik getroffen werden“, schimpft CSU-Fraktionschef Hans Podiuk. Die Innenstadt brauche Traditionsgaststätten wie den Franziskaner. Gebäude an solch prominenter Stelle dürften nicht zum Spielball von Immobiliengesellschaften werden. Podiuk fordert: „Es muss geprüft werden, wie man dagegen vorgehen kann.“

Als „völlig inakzegptabel“ bezeichnet SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Reissl die Pläne. „Uns ist bewusst, dass Immobilieneigentümer mit Ladengeschäften deutlich mehr Mieteinnahmen erzielen können als mit einem Lokal. Zugunsten unseres Stadtbildes appellieren wir an die Familie von Finck, ihre Pläne noch einmal zu überdenken.“

Und was sagt der Rathauschef? OB Dieter Reiter (SPD) wollte sich dazu gegenüber der tz nicht äußern.

Die Gäste

Genug Modegeschäfte: „Wir haben schon genug Modegeschäfte – gerade für Russen und Araber. Das Franziskaner ist ein Traditionslokal an guter Stelle. Das Essen ist zwar ein bissal teuer, aber auch sehr gut! Ich fände es schade, wenn es raus müsste, Auch wenn es noch andere Lokale gibt!“ Hans himerer (76), Rentner aus München mit Hund Rasso (2)

Bester Leberkäse: „Ich fände es wirklich schade, wenn der Franziskaner hier raus müsste – schließlich gibt es hier den besten Leberkäse der Stadt! Ich glaube aber nicht, dass es ein Sterben der Münchner Kultur gibt. Schließlich gibt es noch genug andere Lokale! Außerdem machen auch immer wieder gute, neue Lokale auf, wie das Giesinger Bräu.“ Klaus Weigenthaler (47), Softwareentwickler aus München

Gehört zur Stadt:  „Seid ich klein bin, geh ich hier rein. Das Aus wäre furchtbar – das Lokal gehört zu München! Damit würde auch Atmosphäre verschwinden.“ Bigi (59), Restauratorin aus München mit Sohn Lukas Koch (27)

Angst vor anderem München: „Ich bin entsetzt! Jetzt auch noch das Franziskaner! Wir verlieren wieder ein Stück bayerische Kultur,und Gemütlichkeit! Ich habe Angst, dass meine Kinder und Enkel nicht mehr das München erleben, das ich noch kenne.“ Maria Weber (80), Rentnerin aus München mit Freundin Pina (65) aus Italien

hei,joh,ff

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