Mehr als drei Wochen Ausstand

Kita-Streik: Das sagen eine Erzieherin und eine Mutter

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Erzieherin Diana Miler und Corinna Wenz mit ihrem Sohn Paul.

München - Die vierte Woche streiken die Erzieher der kommunalen Kitas in München. Am Montag demonstrierten mehrere hundert von ihnen am Marienplatz.

Eine Lösung im Kita-Streit muss her! Erzieher und Sozialarbeiter haben am Montag erneut auf dem Marienplatz demonstriert – zusammen mit betroffenen Eltern. Nach drei Wochen Streik hatten sich die Gewerkschaften und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) Ende vergangener Woche auf neue Verhandlungen für den Montagabend verständigt.

Am Mittag machten die Demonstranten ausgerüstet mit Trillerpfeifen nochmal Druck. „Wir fordern die kommunalen Arbeitgeber auf, ein annehmbares Angebot auf den Tisch zu legen“, sagte Heinrich Birner, Verdi-Geschäftsführer für München und Region. Am Donnerstag hatte die VKA ein erstes Angebot vorgelegt. Verdi bezeichnete es als „Zumutung“.

Mehrere hundert Demonstranten waren laut Polizei auf den Marienplatz gekommen. Unter ihnen: die streikende Erzieherin Diana Miler (33) und Eventmanagerin Corinna Wenz (40) mit ihrem Sohn Paul (6).

Was bewegt die Protestlerin – und worüber beschwert sich die betroffene Mutter? Lesen Sie das große Streik-Gespräch:

Die Erzieherin: Mein Ziel? Endlich mehr Gehalt und Anerkennung! In München zu leben kostet viel – und die Bezahlung ist zu schlecht. Was wir auch dringend brauchen: Mehr Personal. Ich betreue eine vierte Klasse in einem Tagesheim in Giesing. Wir sind einfach zu wenige Leute.

Die Mutter: Da stehe ich voll hinter den Erzieherinnen. Sie müssen besser bezahlt werden. Es ist ein Knochenjob. Das merke ich erst jetzt, wenn ich auf Paul selbst aufpassen muss. Sonst geht er in den Kindergarten. Jetzt helfen Oma und Opa. Mehr als drei Wochen Streik – das ist lang!

Die Erzieherin: Es tut uns leid, dass die Eltern so gestraft werden. Aber: Es gibt keinen Streik ohne Betroffene. Mir ist wichtig, dass meine Arbeit angemessen bezahlt wird. Momentan verdiene ich mit Zuschlägen 2900 Euro brutto – arbeite aber schon seit zwölf Jahren im gleichen Betrieb.

Die Mutter: Ich verstehe, dass sie unzufrieden ist. Von dem Gehalt bleibt nicht so viel übrig. Eine Familie zu gründen, ist da nicht wirklich drin. Deswegen finde ich den Streik in Ordnung. Viele Eltern, die keine Hilfe von den Großeltern haben, sind aber mittlerweile genervt.

Die Erzieherin: Gerade deswegen ist es wichtig, eine Lösung in dem Streit zu finden. Der Streik muss schnell beendet werden. Denn natürlich verstehe ich auch den Kummer und die Sorgen vieler Mamas und Papas. Ich hoffe, dass die Arbeitgeber in den neuen Verhandlungen auf uns zugehen.

Die Mutter: Beide Seiten  müssen sich entgegenkommen. Die Erzieherinnen sollten auf jeden Fall mehr Geld bekommen. Da wäre ich auch bereit, ein bisserl mehr Kindergartengebühren zu zahlen. Andererseits: Die Stadt wirft so viel Geld zum Fenster raus. Da muss doch was drin sein.

Ramona Weise

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