Notstand wegen Umbau

Klo-Krieg am Marienplatz

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Das Treiben am Marienplatz: Wer hier mal muss, geht oft in die Lokale oder Geschäfte rund ums Rathaus.

München - Die dringende Suche nach Erleichterung mitten in München: Am Marienplatz ist es zu einem Klo-Notstand gekommen. Tausende stürmen die Wirtshaus-Toiletten.

Entschuldigen Sie die kleine private Frage: Wo gehen Sie hin, lieber Leser, wenn Sie am Marienplatz auf die Toilette müssen? Wissen Sie von dem kleinen Klo im Rathaus-Innenhof und stellen sich dort in die Schlange? Oder schleichen Sie sich in eins der Restaurants oder Cafés? Und tun so, als seien Sie ein Gast? Keine Angst – da sind sie nicht alleine: Bei so manchem Gastronomen rund um den Marienplatz spazieren pro Tag knapp 1000 Menschen in die Waschräume. Ja, 1000 – vom Touristen bis zum alteingesessenen Münchner! Daher gibt es jetzt einen Klo-Kampf zwischen den Wirten und der Stadt.

Die dringende Suche nach Erleichterung mitten in München. „Wir haben echt ein Problem“, erklärt ein Wirt, der lieber ungenannt bleiben will, gegenüber der tz. „Derzeit ist ja wegen der Bauarbeiten auch die Toilette im Untergeschoss des Marienplatzes geschlossen – so stürmen also noch mehr Leute unsere Waschräume.“ Zudem wüssten auch nur die wenigsten, dass es ein stilles Örtchen im Innenhof des Rathauses gebe (der Besuch dort kostet 60 Cent). „Da gibt es ja keine Beschilderung.“ Warum nicht? Weil der Sitz des Oberbürgermeisters unter Denkmalschutz steht und daher kein Wegweiser angebracht werden darf. Der Wirt sagt: „Das ist doch irre, oder? Jeder Tourist kommt also immer zu uns in die Lokale.“

Für viele Gastronomen wälzt die Stadt die Klo-Problematik seit Jahren einfach auf sie ab – obwohl sie die Situation kennt. Wie die tz erfuhr, befragte vor gut einer Woche nämlich eine Art Toiletten-Kommission die Betroffenen, wie viele Nicht-Gäste denn am Tag ihre Waschräume besuchen. Mit hochinteressanten Ergebnissen: „Wir zählen das ja schon länger“, verrät ein Restaurant-Besitzer der tz. „Am Weihnachtsmarkt sind 1400 Menschen in meine Toilette gelatscht. Kein Witz. Das war Rekord. Wir sind mit dem Putzen gar nicht mehr nachgekommen.“ Und ein Besitzer eines Cafés schimpft: „Wir haben ja sehr kleine Räumlichkeiten – dennoch sind es bei schönem Wetter um die 500 pro Tag.“ Die Lösung des Problems wäre laut den Gastronomen ganz einfach: „Warum kann man nicht hinten am Marienhof ein schönes Toilettenhaus bauen? So wie an jeder Autobahnraststätte – und dort ist weniger los.“

Ingeborg Staudenmeyer vom Seniorenbeirat.

Bei der Stadt sieht man die Sache derweil ganz anders. Hier wurde den Stadtwerken die Verantwortung für die Toi­letten übertragen. Und diese verweisen wiederum auf eine Rathausmeldung vom Februar. Dort steht: Mit Wiedereröffnung des modernisierten Zwischengeschosses durch die Stadtwerke München im Oktober 2015 soll auch die Toi­lettenanlage wieder in Betrieb gehen. „Uns ist es sehr wichtig, dass beide Sanierungen gleichzeitig zum Abschluss kommen“, fügt Kommunalreferent Axel Markwardt an. „Darum ist Herbst 2015 genau der richtige Zeitpunkt, zu dem die Toiletten im Zwischengeschoss wieder aufmachen müssen.“ Heißt: Dann wäre das Problem gelöst. Wirklich? Laut den Wirten wäre die eine Toilette (für die man dann übrigens auch Eintritt zahlen muss) im Untergeschoss nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Zur Erinnerung: Allein in der Kaufingerstraße bewegen sich an einem Samstag 13 000 Passanten pro Stunde. „Da sollen zwei Toiletten reichen? Wie das?“

Die Toiletten im Untergeschoss des Marienplatzes sind wegen der Renovierung dicht.

Der Klo-Kampf – auch beim Seniorenbeirat ist man verärgert: „Immer wieder melden sich ältere Münchner bei uns und schimpfen, dass es im Zentrum so gut wie keine öffentlichen Toiletten gibt“, erklärt die Vorsitzende Ingeborg Staudenmeyer. Und, so die Chefin weiter: „Seit Monaten beschweren wir uns – aber ohne Reaktion. Die Stadt muss hier endlich tätig werden. Es ist dringend!“

Armin Geier

Das Neu-Klo kommt im Oktober

Die Toiletten im Untergeschoss des Marienplatzes sind wegen der Renovierung dicht. Die neuen Räume sollen im Oktober fertig sein. Für den Bau hat der Stadtrat eine Kostenobergrenze von 775 000 Euro beschlossen. Laut Plan soll das stille Örtchen „transparente und einsehbare“ Vorräume haben. Mit einem Drehkreuz soll der Zugang geregelt werden – und der Besuch soll etwas kosten. Manche Kritiker sehen das als Problem: Somit werden viele Besucher weiter lieber Restaurants und Cafès aufsuchen. Das Klo im Innenhof des Rathauses (siehe rechts) kennen die wenigsten – und dennoch gibt es hier immer eine Schlange.

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