Wiedereröffnung am Marienplatz

Lebensberatung "Münchner Insel" ist zurück

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Praktizierte Ökumene: Tilmann Haberer (evangelisch) und Sybille Loew (katholisch) teilen sich die Leitung der Münchner Insel.

München - Die Krisen- und Lebensberatung "Münchner Insel" hat wieder im Zwischengeschoss am Marienplatz geöffnet.

Andere Schaufenster im neuen Marienplatz-Zwischengeschoss mögen heller leuchten oder spektakulärer blinken. Doch die schmale Fensterfront mit der Glastür zwischen dem Abgang Weinstraße und der Rischart-Filiale dürfte eine der wichtigsten sein: Hier hat die Krisen- und Lebensberatung „Münchner Insel“ ein neues Quartier gefunden. Seit 1972 macht die von katholischer und evangelischer Kirche getragene Einrichtung Menschen in Krisensituationen ein Angebot, von dem OB Dieter Reiter bei der Einweihung sagte: „Ich glaube, wir werden das in München brauchen“.

„Die Idee war damals, als das Gebäude entstand, die Kirche dort hinzubringen, wo das Leben pulsiert“, berichtete Kirchenrat Klaus Schmucker, der Leiter der Evangelischen Dienste München. „Wir wollten ein Zeichen setzen, dass hier nicht nur Konsum angesagt ist.“ In winzigen Räumen im Südosten des Zwischengeschosses empfing die „Insel“ seither Menschen, deren Leben aus den Fugen geraten ist: Lebens- und Ehekrisen, Krankheit und Existenznot plagen die Besucher, die hier ohne Anmeldung und auf Wunsch völlig anonym Zuwendung und Hilfe erfahren. Gut 8000 Besucher im Jahr, bis zu 35 am Tag, begrüßen der evangelische Leiter Tilmann Haberer, seine katholische Kollegin Sybille Loew und ihr bunt gemischtes Team. Theologen, Sozialpädagogen, Juristen und Pastoralreferenten arbeiten hier zusammen, um mit geballtem Know-how umfassend helfen zu können.

Drei Jahre Umbauzeit hatte die Insel in einem Behelfsbau an der Heilig-Geist-Kirche zu überstehen. Jetzt ist sie zurück im Untergrund, und zwar größer als zuvor. Das, so Schmucker, sei nur dank der großzügigen Unterstützung durch Stadt und Stadtwerke möglich und verbessere die Situation von Mitarbeitern und Besuchern gleichermaßen. Jetzt könne ein Besucher auch einmal ein Kind, den Ehepartner oder die Familie mitbringen, ohne dass es gleich unerträglich eng werde. Auf 83 Quadratmeter Fläche hat Architekt Jan Eickholt drei großzügig wirkende Beratungszimmer, einen Sozialraum, ein einladendes Foyer, eine Toilette und sogar ein kleines Büro untergebracht.

Dass die Insel im besten Sinne der Ökumene allen Menschen ohne Ansehen von Religion, Herkunft und sozialer Stellung offen stehe, betonten die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger und der katholische Bischofsvikar Graf zu Stolberg bei der gemeinsamen Weihe. Die Ratsuchenden, so versprach Kittelberger, „werden hier angehört und erleben die Einmaligkeit und Würde, die sie anderswo vermissen“.

Öffnungszeiten

Die Münchner Insel ist Montag bis Mittwoch sowie Freitag von 9 bis 18 Uhr, am Donnerstag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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