Heiliggeiststüberl

Kult-Kneipe: Promis kämpfen gegen das Aus

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Wirtin Bobby führt seit fast 40 Jahren das Stüberl. Jetzt soll sie raus.

München - Das Heiliggeiststüberl am Viktualienmarkt muss schließen. Oder ist das letzte Wort noch nicht geschlossen? Prominente Gäste wehren sich!

Nein, das Heiliggeiststüberl ist keine jener Boazn, aus der um drei Uhr nachts die Leut auf die Straße gehen, singen und Gläser schmeißen. Bobbys Laden macht um 22 Uhr zu. Und dennoch soll die Wirtin im kommenden Jahr ihre Kult-Kneipe hinter der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt schließen. Aus, vorbei!

Oder doch nicht? Lässt die Eigentümerin des Hauses noch mit sich reden? Sie will eine „typische Münchnerische Gastronomie“ hier reinsetzen. So was gibt’s wie Sand am Meer. Dieses Stüberl hingegen ist einmalig. Gegenüber der tz setzen sich prominente Gäste für den Erhalt des Stüberls ein:

Gebt’s Bobby eine Chance!

Wenn es kein Zurück von dem Aus der Kneipe gäbe, dann würde mich das sehr traurig stimmen. Seit vielen Jahren bin ich hier zu Gast, wir drehen ja immer wieder für München 7 auf dem Viktualienmarkt. Ein kleiner Ratsch war schon am frühen Morgen mit der Bobby drin, so um sieben, halb acht. Wenn wir den ganzen Einladungen gefolgt wären, die Bobby uns mit ihrem herzlichen „Kommt’s halt schnell rüber auf a Schaumige!“ zugerufen hat, dann hätten die Drehs viel länger gedauert.

Die Art der Einrichtung, die Atmosphäre des Stüberls gehört zu München wie der Senf zur Weißwurst. Wo soll das hinführen, wenn solche Kneipen dem Zeitgeist weichen müssen? Bitte, liebe Hausbesitzer: Gebt’s der Bobby, ihrem Stüberl und ihren Gästen eine Chance!

Andreas Giebel, Schauspieler

Ein Stück München

Das Heiliggeiststüberl gehört zu München! Hier sind und waren alle Schichten versammelt, vom einfachen Arbeiter bis zu hohen Richtern und Prominenten. Der Vater von Philipp Lahm ist gern hier, der Schauspieler Peter Bongartz, der Entertainer Wolfgang Fierek, die Jodel-Königin Franzi Kinateder, der Weißwurst-Wallner, die Malerin Petra Moll …

Die Kneipe hat unglaublich viele liebevolle Details und Krusch, etliche Fotos, eine wunderbaren Theke, dazu Stimmungsmusik – und Bobby ist ganz einfach eine Wucht. Eine bezaubernde Wirtin, die schon immer toll ausgeschaut hat und auch im größten Trubel nie bösartig wurde. Ich habe hier nur Gutes erlebt. Das Stüberl gehört ganz einfach da hin. Der neue Hausherr soll hier drüber ja eingezogen sein – dem ist es wohl zu laut. Allerdings macht die Bobby immer um zehn Uhr abends zu.

Wolfgang Prinz, Maler

Ein Schnapserl für die Hirten

Meine Vorgänger von Heilig Geist sind da nie rein und sprachen von „Sündenpfuhl“. Ich bin gleich Anfang August 2011 das erste Mal in das Stüberl – und werde ein leidenschaftlicher Gast bleiben, so lange es diese Kneipe gibt. Zu der Tatsache, dass das Stüberl geschlossen werden soll, möchte ich keine Meinung abgeben. Aber ich kann mich an viele schöne Begebenheiten erinnern. Zum Beispiel, dass ich alle Bischöfe, die hier die Messe gefeiert haben, danach auf ein Schnapserl zu Bobby in ihre Kneipe eingeladen habe. Oder dass ich nach dem Requiem für den Generalmusikdirektor Wolfgang Sawallisch im vergangenen Jahr mit der hohen Geistlichkeit da rüber bin. Mit dabei: Bischof Clemens aus Rom, der – wie alle Geistlichen, die ich ins Stüberl geführt habe – in voller Montur ins Lokal trat und restlos begeistert war.

Die Wirtin Bobby ist ein Unikat – 40 Jahre lang da drinnenzustehen und sich etliche Geschichten anzuhören, teils von nicht mehr ganz Nüchernen – da gehört schon was dazu. Ich dachte mir oft: Ich sitze im Beichtstuhl und nehme die Beichte ab, und gegenüber bei Bobby passiert gerade genau dasselbe …

Rainer Maria Schießler (54), Pfarrer der Heiliggeist-Kirche

Balsam für die Seele

Das Heiliggeiststüberl  ist wie einePforte in eine mystische Welt – die übrigens schon um 9 Uhr in der Früh rappelvoll ist. Man hat ja erst mal einen Heidenrespekt, wenn man das von außen sieht. Aber wer sich ein Herz gefasst hat, der lernt wahnsinnig warmherzige Menschen kennen. Man gehört sofort dazu. Neben dieser Zusammenstellung Münchner Unikate – die ja leider schon fast einmalig ist – fasziniert mich die grandiose Fröhlichkeit. Wenn man da reingeht, geht es einem gleich besser. Das Stüberl ist eine Seelenkur. Bei all der um sich greifenden Tralala-Style-Gastronomie ist das hier Balsam für die Seele. Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.

Thomas Darchinger (51), Schauspieler

Die Stadt macht sich kaputt

Wenn die Bobby zumachen müsste, wäre das wirklich, wirklich schade. Für sie – das Heiliggeiststüberl war ihre Welt, ihr Leben –, für die Gäste und für München. In Bobbys Kneipe war eine ganz eigene Klientel, aber auch die gehört auf den Viktualienmarkt und nicht nur die Schickimickis. Wo sollen die Stüberl-Gäste denn alle hin? In die Heilig-Geist-Kirche? Wieder stirbt ein Stück Tradition. So wird München kaputtgemacht, die Stadt ist auf dem besten Weg. Die Macht des Geldes ist leider größer.

Franzi Kinateder, Jodel-Königin

Matthias Bieber

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