MVG-Lotse am Sendlinger Tor

Er regelt das Chaos am Bahnsteig: "Grantig bin ich nie"

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Lotse Gregor Schaller hat das Sagen am Sendlinger Tor – und jede Menge Spaß.

München - Sein Job kann Leben retten. Gregor Schaller (48) ist Abfertiger an der U-Bahn-Station am Sendlinger Tor. Die tz hat ihn dort besucht und festgestellt: Es ist die Haltestelle der Superlative.

Die Pose erinnert an einen Rockstar: Linke Hand wie zum Gruß erhoben, linker Fuß forsch nach vorn. Die Knie leicht gebeugt, in der rechten Hand baumelt lässig das Mikro. Dann legt er los. „Vorsicht, bitte zurückbleiben!“ Gregor Schaller (48) ist Abfertiger an der U-Bahn-Station am Sendlinger Tor. Sein Publikum sind die 150.000 Menschen, die hier täglich durchrauschen – seine Bühne ist der Bahnsteig. Allen lockeren Sprüchen zum Trotz, Schaller weiß: Sein Job als Lotse kann hier Leben retten.

Die Haltestelle der Superlative

  • Die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Kolumbusplatz ist die meistfrequentierte Münchens.
  • U1, U2, und U7 verkehren hier im Zweieinhalb-Minutentakt, zu den Stoßzeiten kommen sogar noch mehr Züge.
  • Die Zahl der Fahrgäste steigt und steigt. Wenn die neuen Züge da sind, soll der Takt sogar auf zwei Minuten verdichtet werden.

„Seit dem Fahrplanwechsel letztes Jahr sind Abfertiger am Sendlinger Tor und am Hauptbahnhof im Einsatz“, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. „Ohne die könnten wir mit dem Andrang nicht mehr fertig werden.“

150.000 Menschen rauschen täglich an der U-Bahn-Station am Sendlinger Tor durch.

Das Wort „Abfertiger“ hört Korte eigentlich nicht gern: „Züge werden abgefertigt, keine Menschen.“ Gregor Schaller ist es wurscht, wie man ihn nennt – gegen den alltäglichen Wahnsinn am Gleis ließ er sich ein dickes Fell wachsen: „Was wir hier schon alles gesehen haben. Mit den Anekdoten könnte man ganze Bücher füllen.“ Oft stehen Hunde im Mittelpunkt. Mal entwischt einer seinem Besitzer, verschwindet im U-Bahn-Tunnel und legt damit stundenlang den kompletten Verkehr lahm. Mal steigt der Hund in die U-Bahn – und vergisst sein Herrchen am Bahnsteig.
„Grantig bin ich nie, geschimpft wird auch nicht“, sagt Schaller. „Wir nehmen hier alles mit Humor. Wenn überhaupt, schlagen wir mit Ironie zurück.“ Dann wird der „U-Bahn-Anfänger“ in launigem Ton darauf hingewiesen, „dass der Sicherheitsstreifen nicht zum Herumlümmeln gemacht wurde – sonst hieße er nämlich Lümmelstreifen“. Die meisten U-Bahn-Fahrer kennt Schaller mit Namen, Zeit für ein „Griaß Eich“ hat er immer.

Zur Arbeit fährt Schaller übrigens, na klar, mit der U-Bahn. Außer er hat die 4-Uhr-Frühschicht – dann gönnt er sich ausnahmsweise ein Taxi. Denn da schlafen sogar die U-Bahnen noch …

TOS

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