Der Maibockanstich im Hofbräuhaus

Doppelbock! Söder und Asül glänzen beim Anstich

Django Asül (l.) und Markus Söder: Die beiden Hauptdarsteller – beide mit Humor und Hintersinn

München - Mild, aber würzig. Gefällig, aber kraftvoll: So ist er, der Hofbräu-Maibock. Am Mittwochabend war Anstich im Hofbräuhaus. Hochoffiziell, mit rund 650 geladenen Gästen – und mit zwei höchst unterhaltsamen Reden.

Markus Söder (48, CSU), Finanzminister und damit auch Hofbräu-Oberboss, war in seiner Begrüßung eher fürs Milde und Gefällige zuständig, danach sorgte kabarettist Django Asül (43) dann in einer scharfen Ansprache für Würze und Kraft. Wir würden sagen: Doppelbock!

Django Asül

Wo der Franke Milde walten ließ, langte der Niederbayer ordentlich hin: Egal ob die Modellauto-Affäre um Christine Haderthauer (52, CSU), Söders TV-Auftritt bei Dahoam is Dahoam, der Umgang mit Flüchtlingen, die Ausländer-Maut oder die Konzertsaaldebatte: Django Asül hielt den Politikern bei allen heiklen Themen erbarmungslos den Spiegel vor.

Stichwort Frauenquote: „Als Frau wird man immer gefragt werden: Warst du schon vor der Quote da oder erst danach? Wenn sie sagt ,Schon vor der Quote‘, heißt es: ,Gott sei Dank! Ich hätte da mal eine Fachfrage …‘ Wenn sie sagt ,Dank der Quote‘, heißt es: ,Ich hätte gern einen Cappuccino!‘“ Buhrufe von den Frauen im Publikum, breites Grinsen bei einigen Herren in der Krachledernen.

Auch an der EU ließ Asül kein gutes Haar: Gegen Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker seien selbst Mafiosi nur „albanische Hütchenspieler“. Weil in der EU ja alles mit rechten Dingen zugehe, dürfe jetzt der EU-Kommissionspräsident Juncker gegen den Luxemburger Staatschef Juncker ermitteln. „Da hat selbst der Sepp Blatter gesagt: Passt’s auf, der bescheißt doch!“

Quasi im Vorbeigehen bekamen auch die bayerischen Politiker ihre Nasenstüber mit: Immer wenn Asül im Internet nach dem Markus Rinderspacher (SPD-Fraktionschef im Landtag) suche, „da fragt mich Google: Meinten sie Rinderbraten?“

Und dann nahm sich Asül Horst Seehofers oft kritisierte Wankelmütigkeit vor: „Seehofers Motto: Man darf jederzeit gegen den Verstand regieren, aber niemals gegen den Bürger.“ Und auch Söder kam an die Reihe: Der „sentimentale Brackl“ habe auf einer China-Reise ein Geschenk überreicht: ein Foto von Franz Josef Strauß und Mao Zedong. „Eine Weltsensation! Auf einem Bild nebeneinander: der gütige Alleinherrscher – und der Grattler-Chinese.“

Markus Söder

Manchmal ist der Franke ja zurückhaltend – aber der Schein kann auch trügen. So wie bei Markus Söder, der zu Beginn seiner Begrüßung sagt: „Ich bin ja nur das Vorprogramm.“ Ach, Herr Söder … Maibock-Freunde wissen längst: Der Finanz- und Heimatminister könnte selber Karriere als Kabarettist machen. Hat er auch am Mittwoch bewiesen. Mit einer Rede, die aufs erste Hinhören freundlich-zurückhaltend wirkte – die aber beim Nochmal-Nachdenken oft den doppelten Boden offenbarte. Vor allem, als Söder sich den jetzigen Münchner OB Dieter Reiter (56, SPD) als Vorbild ausguckte – „der hat ja bis zuletzt nicht gewusst, ob sein Vorgänger Christian Ude wirklich aufhört …“ Ja, das sagt Söder, der als Kronprinz von Horst Seehofer (65, CSU) offen mit seinen Ambitionen als künftiger Landesvater kokettiert. Selbstironisch, aber ohne jeden Selbstzweifel.

Dazu Gaudi, wie sich das für eine solche Veranstaltung gehört: „Hofbräu ist immer toll, also ganz anders als die BayernLB. Beim Hofbräu gibt’s immer Gewinn, nie Ärger. Und es gibt keine Österreicher.“ Außerdem gibt’s – anders als beim Nockherberg im Februar – keine weit angereisten Gäste. Söder erinnert sich: „Gregor Gysi hat den Bock gekippt wie Kölsch. In der Fernsehsendung danach war er erschreckend sympathisch. Da hat er erst gelacht und dann gelallt. Ich habe jetzt ein Bockbierverbot für Oppositionelle verhängt. Nicht, dass die zu sympathisch werden …“

Und dann wird er eh schon wieder ganz lieb, der Söder. Auch, weil er zufällig grad einen Anruf des (imitierten) Horst Seehofer kriegt, er solle jetzt endlich die von der Staatskanzlei verfasste Rede halten. Die lautet: „Bayern ist super-super, die CSU ist super-super. Und der Maibock ist super-super.“ Einen eigenen Satz hätten sie ihm leider rausgestrichen: „Söder ist super-super.“

Maibock-Anstich im Hofbräuhaus: Die Bilder

Maibock-Anstich im Hofbräuhaus: Die Bilder

„Die Pfeile haben getroffen“

Django scharf wie eh und je, Söder doch ein bisserl altersmilde: So fiel das Fazit vieler Zuhörer aus. Der ehemalige Staatskanzleichef Erwin Huber (68, CSU) sagte: „Die Spitzen von Söder sind harmloser ausgefallen als befürchtet.“ Und auch Markus Rinderspacher (45), SPD-Fraktionschef im Landtag, meinte: „Launig und deutlich, aber mit einer Portion Altersmilde.“ Trotzdem war Söders Kernbotschaft deutlich wie selten zuvor. Rinderspacher: „Söder will Ministerpräsident werden.“

Fußball-Weltmeister Paul Breitner (63) war nach dem Debakel seiner Bayern (das an diesem Abend mehrfach angesprochen wurde) sichtbar angetan von der Leistung sowohl Söders als auch Django Asüls: „Die beiden waren heute besser als jemals zuvor. Markus Söder hat heute dem Django den Vortritt gelassen – und der hat dann sensationell gut ausgeteilt.“

Auch Moderatorin Carolin Reiber (74) sah in Asül und Söder ein unschlagbares Team: „Markus Söders Pfeile haben getroffen. Trotzdem hat er sich merklich zurückgehalten. Derblecken ohne beleidigend zu werden – das haben die beiden drauf!“

Der Maibockanstich kam aber trotzdem nicht ganz ohne Schärfeaus – das wäre ja auch nicht standesgemäß gewesen. „Natürlich gab es Spitzen – alles andere würden den Menschen hier aber auch sehr abgehen“, sagte Staatskanzlei-Chef Marcel Huber (57, CSU). Und auch Söder selbst, der ja im Vorfeld hatte anklingen lassen, diesmal mehr den Staats- als den Watschnmann geben zu wollen, stieß ins selbe Horn: „Mir lag schon noch einiges auf der Zunge! Ich habe mir aber dann doch Mühe gegeben, mehr Freunde zu behalten als zu verlieren.“ Wer weiß, wofür er die noch alles gebrauchen kann …

Tobias Scharnagl, Klaus Rimpel, Uli Heichele

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