Nur noch Fußgänger rund ums Rathaus?

Zonen-Zoff am Marienplatz 

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München - Wieder Ärger um Verkehrspläne der Stadt! Nachdem die Anwohner der Sendlinger Straße gegen die Erweiterung der Fußgängerzone protestiert hatten, schießt jetzt der Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel quer.

Das Gremium ist sauer über die Stadt-Pläne, den Marienplatz komplett zur Fußgängerzone zu machen. BA-Chef Wolfgang Neumer: „Das geht überhaupt nicht!“ Besonders ärgert ihn: „Die Anwohner werden wieder vergessen – oder man übergeht sie!“

Wie berichtet, hat sich die Rathaus-Koalition darauf verständigt, Busse, Taxis, Radlfahrer und Rikschas zu verbannen. Der Bereich vom Rindermarkt bis zur Landschaftstraße hinterm Rathaus und vom Marienplatz bis zum Tal soll nur noch für Fußgänger zur Verfügung stehen. Radler dürfen vom Odeonsplatz über den Hofgarten, die Alfons-Goppel-Straße, die Falkenturm- und Sparkassenstraße bis zum Viktualienmarkt fahren.

Das Projekt soll am 11. November in der Sitzung des Planungsausschusses beschlossen werden. Das passt den Viertelpolitikern der Altstadt gar nicht. Bei der Sitzung werden sie angehört, die Leute aus dem Ausschuss können sich auf Kritik gefasst machen!

BA-Chef Wolfgang Neumer ist angefressen: „Anscheinend stören Anwohner nur“.

„Die Stadt tut so, als hätte sie den Protest wegen der Sendlinger Straße nicht mitbekommen“, sagt Neumer. Und obwohl es diesen Protest dort gibt, „macht die Stadt einfach so weiter. Anscheinend stören die Anwohner nur.“Es geht auch darum, dass 80 Parkplätze wegfallen. „Dann heißt es immer: Ihr müsst ja nicht vor der Haustüre parken. Das ist das Argument“, ärgert sich Neumer. 90 Stellplätze fallen bereits an der Sendlinger Straße weg. Macht 170 in dem Bereich!

Einzelhändler und die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) haben schon Alarm geschlagen. Der BA hat eine Stellungnahme mit vier Hauptkritikpunkten verfasst:

Kustermann-Fahrbahn: Diese werde jetzt schon intensiv von Fußgängern genutzt. Dazu kommen Taxis und Lieferverkehr sowie Sightseeing-Busse. Die vorgeschlagene Verlagerung der Linienbusse und der Hauptstrecke der Nord-Süd-Querung für den Radverkehr überlaste die Fahrbahn erheblich und trenne die Metzgerzeile vom Viktualienmarkt.

Maximilianstraße: Die Querung sei nicht gelöst. Der Vorschlag von Aufstellstreifen behindere den fließenden Verkehr. Die Maximilianstraße bleibe weiter vorfahrtberechtigt und störe damit den Radverkehr erheblich.

Sparkassenstraße: Weder sie noch die Falkenturmstraße eigneten sich, mehr Verkehr aufzunehmen. Beide Fahrbahnen seien sehr eng und würden durch Fahrzeuge aller Art bereits stark frequentiert. Der Wegfall von Stellplätzen erhöhe außerdem den Parkdruck in diesem Bereich.
Odeonsplatz: Für die Zufahrt zum Hofgarten gibt’s aus Sicht der Viertelpolitiker keine befriedigende Lösung. Der Eingang besteht aus zwei ­schmalen Zugängen für Fußgänger und einem Torbogen für Radler und Fußgänger. Zudem befänden sich dort zwei große Freischankflächen der Gaststätte Tambosi – und das Tor gilt auch als erweiterter Zugang zum Englischen Garten. Es komme bereits jetzt zu erheblichen Behinderungen.

Die Stadt kann demnächst übrigens schon mal testen, wie sich eine Sperrung auswirkt. Denn ab Februar wird das Hugendubel-Haus am Marienplatz saniert. Dann ist die Zufahrt zum Rindermarkt wohl dicht …

Sascha Karowski 

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Neue Flaniermeile - Das sagen die Münchner

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