Serie zum Plan der erweiterten Fußgängerzone

Vom Marktplatz zum Marienplatz

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Bis zum Jahr 1853 war am Marienplatz Getreidemarkt - das Korn wurde in großen Säcken verkauft.

München - Münchens gute Stube ist derzeit eher ein Mix aus Busbahnhof, Radl-Highway, Lieferzone und Taxistand. Jetzt wollen SPD und CSU den Marienplatz in eine komplette Fußgängerzone verwandeln. Die Geschichte des Platzes:

Mit der Stadtgründung 1158 beginnt die Karriere als schlichter „Marktplatz“. Da hier vor allem Getreide gestapelt wird, bürgert sich der Name „Schrannenplatz“ ein. Im Jahr 1853 zieht der Markt an die Blumenstraße weiter. Am 9. Oktober 1854 benennt der Magistrat die zur Flaniermeile gewordene Fläche zum „Marienplatz“ um – nach der 1638 errichteten Säule mit der Patrona Bavaria. Hektische Bauaktivität ist die Folge, Häuser aus Mittelalter und Barock werden abgerissen. Größtes Projekt ist das Neue Rathaus, das 1867 bis 1909 in drei Bauabschnitten entsteht. Das Alte Rathaus war für die stetig wachsende Verwaltung der boomenden Hauptstadt des Königreiches viel zu klein geworden.

Die Landschaftshäuser, in denen die bayerischen Stände getagt haben, sind sinnlos geworden: Der neue Landtag tagt in der Prannerstraße. Sie werden abgerissen, der Grazer Architekt Georg von Hauberrisser errichtet 1867 bis 1874 an ihrer Stelle das Neue Rathaus im neugotischen Stil.

Von 1889 bis 1892 entsteht der Bauabschnitt Dienerstraße/Ecke Marienhof. 1897 entscheiden sich Magistrat und Gemeindekollegium, das Rathaus durch Erweiterungsbauten am Marienplatz sowie in der Wein- und Landschaftsstraße zu einem vierseitigen Komplex zu ergänzen. Als Vorbilder dienen das 1420 errichtete Rathaus in Brüssel sowie das 1872 bis 1883 gebaute Rathaus in Wien.

Auch die Bürgerschaft baut fleißig – so wird das 1885 von Brauereibesitzer Georg Pschorr erworbene Traditionswirtshaus Zum Donisl kräftig aufgestockt. Den Namen hat Münchens zweitältestes Wirtshaus übrigens schon 1760 vom Pächter Dionysius Haertl geerbt.

Auch an der Südseite werden die alten Häuser durch prächtige Gründerzeitbauten ersetzt. Einer davon ist das Gasthaus Zum Ewigen Licht. Am 22. Februar 1857, einem Faschingssonntag, soll der Wirtsmetzger – genannt Moser Sepp – dort eher zufällig die Münchner Weißwurst erfunden haben – als „Fehlfabrikat“.

Der Marienplatz wird zur Hauptverkehrsachse der Stadt: Tram, Kutschen und die ersten Automobile quälen sich durch das Alte Rathaus-Tor.

Johannes Welte

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