Medizin-Tourismus

Münchens dreistester Vermieter: Sogar hinter Gittern kassiert er noch ab

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Schlüpft durch die Maschen des Gesetzes: Mohammed R..

Der Medizin-Tourismus in München boomt. Aus der ganzen Welt kommen Patienten, um sich hier behandeln zu lassen. Darauf basiert das Geschäftsmodell von Mohammed R. Die Stadt München ist machtlos.

München - Mohammed R. ist ein findiger Mann. Und seine Masche eigentlich ein schlaues Geschäftsmodell. In München trifft er damit jedoch einen Nerv. Denn der Wohnraum, das ist bekannt, ist in der Stadt mehr als knapp. Umso problematischer, dass R. insgesamt neun Wohnungen an zumeist arabischstämmige Familien vermietet – und dafür bis zu 300 Euro am Tag verlangt.

Medizin-Touristen zahlen 300 Euro pro Tag und Wohnung

Das erfüllt per Definition nicht nur alle Kriterien für Wucher, sondern gilt rechtlich auch als Zweckentfremdung des Wohnraums – und die ist in München verboten. Mehrfach hat die Stadt Mohammed R. deshalb bereits abgemahnt und zuletzt sogar ein Zwangsgeld vollstreckt. Weil R. nicht zahlen wollte, musste er ersatzweise sogar eine kurze Haftstrafe antreten. All das nahm er in Kauf, damit sein als Untermiete getarntes Geschäftsmodell weiterläuft.

Mehrere Tausend Euro verdient Mohammed R. damit pro Monat, wie Mittwoch am Verwaltungsgericht bekannt wurde. Dort klagt R. gegen die Stadt, weil er sich nicht verbieten lassen will, die von ihm selbst angemieteten Wohnungen auch künftig an Medizintouristen weiterzuvermieten.

Mit dieser Masche kassiert R. ab

Seine Masche ist offensichtlich: Über das Internet nimmt R. Kontakt zu Arabern auf, die sich in München in ärztliche Behandlung begeben wollen. Sie wissen, dass die Münchner Mediziner international renommiert sind, und reisen dafür tausende Kilometer weit. Oft bleiben sie wochenlang in der Stadt, um sich an den Augen oder am Herzen operieren zu lassen – teilweise für mehrere Eingriffe, auch an den Zähnen.

Neun Wohnungen im Angebot

In der Elektrastraße (Bogenhausen), der Effnerstraße (Oberföhring) und Herzog-Wilhelm-Straße (Altstadt) bietet Mohammed R. neun Wohnungen zur Miete an, sie liegen jeweils in der Nähe von Kliniken. Für die Patienten sehr bequem: Sie ziehen teils mit ihrer ganzen Familie ein. Mitunter zahlen die Staaten im arabischen Raum für den Aufenthalt. Und Mohamed R., der Vermittler, verdient daran.

„Wir gehen davon aus, das ist ein Geschäftsbetrieb“, sagten die Richter. Doch dagegen kann die Stadt nicht viel tun, wie der Prozess nun zeigt. Denn obwohl das Gericht alle Klagen von Mohammed R. abgewiesen hat, können die Wohnungen nicht einfach geräumt werden, zumal ja gültige Mietverhältnisse bestehen. Formal müsste die Stadt zunächst eine Nutzungsuntersagung aussprechen. Ignoriert R. diese, wie im Fall einer Wohnung in der Elektrastraße, kann eine Zwangsgeldanordnung angedroht und später vollstreckt werden. Das Problem: Mohammed R.s Firma ist insolvent und er selbst „zahlungsunfähig und mittellos“, wie sich vor Gericht herausgestellt hat. Dass er eine Strafe zahlt, ist somit unwahrscheinlich. Eher wird er, wie bereits geschehen, die Zwangshaft in Kauf nehmen. Brisant ist allerdings, dass er währenddessen weiterhin die Mieteinnahmen kassiert – selbst hinter Gittern.

Medizin-Touristen sorgen immer wieder für Ärger. Urin-Beutel und Schläuche im Hausmüll, Party bis 4 Uhr am Morgen: In einer Wohnanlage nahe der Theresienwiese leiden Anwohner unter Medizin-Touristen.

Bewohner einer Bogenhausener Wohnanlage zogen sogar schon 2015 vor Gericht

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Andreas Thieme

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