Trotz Kritik an Planungen

Radl raus! Mehr Fußgängerzone am Marienplatz

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Radfahren soll am Marienplatz künftig tabu sein. 

München - Der Marienplatz wird zur kompletten Fußgängerzone. Busse, Taxis, Radfahrer und Rikschas müssen weichen. Händler des Viktualienmarkts befürchten, dass sich das derzeitige Verkehrschaos am Marienplatz auf die Kustermann-Fahrbahn am Viktualienmarkt verlagert. Auch von der MVG kommt Kritik.

Es ist ein großer Schritt in Münchens guter Stube, für den am 11. November im Planungsausschuss die Weichen gestellt werden sollen: Die Koalition aus SPD und CSU möchte den Bereich vom Rindermarkt bis zur Landschaftstraße hinterm Rathaus und vom Marienplatz bis zum Tal in eine Fußgängerzone umwandeln. Lange Jahre war dies nur eine Vision. Nun soll es Realität werden.

Ab Februar beginnt die Sperrung ab Rindermarkt

Ehe der Umbau beginnt, können die Verkehrsplaner der Stadt von Februar 2016 an bereits Erfahrungen sammeln, welche Auswirkungen die Sperrung der Zufahrt vom Rindermarkt zum Marienplatz hat. Dann nämlich beginnt die Sanierung des Hugendubel-Hauses, die voraussichtlich bis Sommer 2017 andauern wird.
Die Abwicklung der Baustelle erfordert nach Auskunft des Kreisverwaltungsreferats (KVR) das Aufstellen eines großen Portalkrans im Bereich des Rindermarkts. Der Kran und der Bauzaun nehmen so viel Platz ein, dass laut Robert Neuner vom KVR die Durchfahrt für Busse, Taxis, Radfahrer und Rikschas während der Baumaßnahme gesperrt wird. Dies erklärte Neuner während einer Sondersitzung des Bezirksausschusses (BA) Altstadt-Lehel.

Dass die geplante Fußgängerzone eine Verbesserung für das alltägliche Verkehrschaos rund um die Schnittstelle zwischen Rindermarkt, Kaufhaus Beck und dem Alten Rathaus bedeuten könnte, darüber waren sich die BA-Mitglieder im Grunde einig. Aber die mutmaßlichen Begleiterscheinungen im Umfeld des Marienplatzes bereiten vielen Gremiumsmitgliedern Sorgen.

Grüne: Brauchen Radl-Route über den Marienplatz

Die Grünen fanden das Konzept zwar „wunderbar“, wie etwa Philippe Louis sagte. Allerdings konnten sich die Grünen nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass Radfahrer künftig nicht mehr über den Marienplatz fahren dürfen. Die Haupttrasse für Radler soll vom Odeonsplatz über den Hofgarten, Alfons-Goppel-Straße, Falkenturm- und Sparkassenstraße bis zum Viktualienmarkt führen. Nur noch vom Odeonsplatz bis zum Marienhof wäre das Radfahren erlaubt. Die Grünen forderten: „Wir brauchen weiterhin eine zweite Route über den Marienplatz.“ Immerhin würden im Schnitt 8000 Radler am Tag die sogenannte „Nord-Süd-Querung“ nutzen. Auch während der Sanierung des Hugendubel-Hauses plädierten die Grünen für eine Verkehrsregelung mit dem Schild „Radfahrer frei“.

BA-Chef Wolfgang Neumer (CSU) wollte wissen, ob für die 79 wegfallenden Parkplätze in der Diener-/Schrammer- und Sparkassenstraße sowie im Rosental ein Ersatz geschaffen werde. Neumer erinnerte daran, dass an der Sendlinger Straße nach der Einrichtung der dort geplanten Fußgängerzone bereits 90 Parkplätze entfielen. Petra Wurdack vom Planungsreferat erwiderte, in den neuen Parkhäusern am Thomas-Wimmer-Ring (Fertigstellung vsl. Mitte 2018) und in der Hildegardstraße (Fertigstellung Mitte 2021) seien 33 bzw. 67 Anwohner-Stellplätze vorgesehen.

Was passiert mit Bus und Taxi?

Außer der neuen Radroute ist auch die Verbannung der Busse, Taxis und Rikschas ein Streitpunkt. Händler des Viktualienmarktes befürchten ein Verkehrschaos auf der Kustermann-Fahrbahn, wenn dort die Busse gegenläufig verkehren und viele Radler dazukämen. Auch die MVG kann sich nicht mit den Plänen aus dem Rathaus anfreunden. „Wir werben bei der Politik weiter dafür, dass der Metro-Bus 52 und der Stadtbus 132 auch in Zukunft bis zum Marienplatz fahren“, sagte Sprecher Matthias Korte unserer Zeitung. Der Metro-Bus 52 werde täglich von rund 6500 Fahrgästen genutzt und ermögliche einen attraktiven Umstieg zur U- und S-Bahn am Marienplatz.

Korte warnte, eine beidseitige Linienführung über den Viktualienmarkt verursache einen höheren Fahrzeugbedarf und mehr Kosten für die MVG. Bei einem Scheitern der Finanzierung müssten die Busse bereits vorzeitig am Sendlinger Tor wenden und würden die Altstadt mit Marienplatz und Viktualienmarkt gar nicht mehr erreichen.

Befürworter der Fußgängerzonen-Lösung halten der MVG entgegen, dass die Haltestelle an der Heiliggeist-Kirche nur 100 Meter vom Marienplatz entfernt sei. Paul Pongratz (CSU) warb intensiv für die Sperrung am Marienplatz: „Abertausende Fußgänger werden dankbar sein, wenn das Chaos ein Ende hat.“ Wolfgang Fischer, Chef des Verbands der Innenstadt-Einzelhändler „City Partner“, bekräftigte: „Münchens gute Stube muss es uns wert sein, dieses Konzept umzusetzen.“

Klaus Vick

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