Immer mehr Altstadt-Geschäfte verschwinden

Miet-Explosion! Antiquar muss Laden nach 32 Jahren schließen

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Herold Neupert muss raus aus seinem kleinen Antiquitätengeschäft.

München - Die Mieten in der Altstadt steigen und steigen. Das ist nun auch dem Antiquitätengeschäft von Herold Neupert zum Verhängnis geworden: Er muss schließen.

In der Westenriederstraße reihte sich früher Antiquitätenladen an Antiquitätenladen, bestimmt 20 Läden voller Bauernmöbel, Madonnenstatuen und Bierkrüge. Damals, vor 32 Jahren, als Herold Neupert in der Altstadt seinen kleinen Antiquitätenladen eröffnet hat. Heute sind die kleinen Läden Cafés, Friseur- und Modeläden. Fast alle Antiquitätengeschäfte haben aufgegeben oder sind umgezogen. Jetzt muss auch Herold Neupert seinen kleinen Laden schließen. Nach einer Mieterhöhung kann er sich die Altstadt nicht mehr leisten.

38 Quadratmeter ist der Laden groß. Bisher hat Neupert 1250 Euro gezahlt. Ein echtes Schnäppchen, aber Herold Neupert ist seit 32 Jahren ein zuverlässiger Mieter, nie hat er Ärger gemacht. Vor vier Jahren ist seine Vermieterin verstorben und hat das Haus an ihren Enkel vermacht. „Ich hatte mit einer Mieterhöhung gerechnet und wäre auch bereit gewesen, das Doppelte zu bezahlen“, sagt Neupert. Doch der neue Vermieter will 4000 Euro. So viel kann sich Neupert nicht leisten.

Umzug nach Schwabing

„Ich bin froh, hier über 30 Jahre gearbeitet zu haben. Aber jetzt wird es Zeit für mich, mir etwas Neues zu suchen“, sagt er. Sein Nachbar, das Juwelier- und Leihhaus Rekoda, ist bereits ausgezogen. Auch hier hat sich die Miete eklatant erhöht. Einen neuen Laden haben sie noch nicht, sie sind erst mal ins Haupthaus in der Schillerstraße 5 umgezogen.

Mit 60 fühlt sich Herold Neupert zu jung, um in den Ruhestand zu gehen. „Ich kann und will nicht aufhören. Zehn Jahre möchte ich mindestens noch weitermachen“, sagt Neupert. Ende September muss er raus. Doch Neupert kennt viele Menschen in München. Deshalb steht er kurz vor dem Vertragsabschluss für einen etwas kleineren Laden in der Schellingstraße 46. Weil er im Spätherbst mit so wenig Kisten wie möglich umziehen will, gibt’s in seiner Noch-Bleibe gerade satte Rabatte. Fast alles ist 30 Prozent heruntergesetzt.

Herold Neupert bedauert es, dass mit ihm ein weiterer Antiquitätenladen aus dem Viertel verschwindet. Und dass sich die Innenstadt weiter verändert, hin zu großen Modeketten und Läden, die alle dasselbe verkaufen.

Jasmin Menrad

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