Jemand hat ihn angebohrt

Gift-Angriff auf den Rindermarkt-Riesen? Tiefe Löcher in der Platane in der Innenstadt

Unter dem Rindermarkt könnte ein Parkhaus entstehen.
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Unter dem Rindermarkt könnte ein Parkhaus entstehen.

Jemand hat den dicken Stamm des grünen Riesen am Rindermarkt angebohrt. Es ist nicht der erste Vorfall in letzter Zeit. Das Baureferat ist in Sorge.

München - Weit reckt sich die große Platane in den Himmel, die Blätter wiegen sich im Wind – ein seltener Anblick mitten in der Stadt. Der grüne Riese am Rindermarkt (Altstadt*) ist wohl jedem bekannt, ein schönes Schattenplätzchen für eine kurze Pause an heißen Tagen in der Stadt München*. Und: Die Platane ist ein Zuhause für unzählige Tauben, was den Aufenthalt unter ihr nicht immer ganz ungefährlich macht.

Sorge um den Baum am Rindermarkt (München): Zwei fast 30 Zentimeter tiefe Löcher

Doch zuletzt wandten sich Beobachter mit Sorge an unsere Zeitung. Denn der Baumstamm weist zwei fast 30 Zentimeter tiefe Löcher auf, aus denen eine bisher unbekannte Flüssigkeit läuft. Die Rinde unterhalb der Löcher ist bereits rot-braun verfärbt. Offensichtlich hat jemand den dicken Stamm des alten Baumes angebohrt.

Der berühmte Rindermarkt-Riese ist Opfer eines Giftanschlags geworden.

Nicht nur der Baum auf dem Rindermarkt ist betroffen: Ein paar Meter weiter an der Sendlinger Straße ist eine Platane auf dieselbe Art und Weise beschädigt: Zwei tiefe Löcher sind im Stamm zu erkennen.

Auffallend ist: Die Löcher in den Bäumen erinnern an einen ganz ähnlichen Vorfall vergangene Woche in Haar. Dort waren sechs Buchen auf dem Waldfriedhof von bisher Unbekannten angebohrt und mit Gift befüllt worden. Die Blätter verwelkten, die Äste wurden kahl – am Ende mussten die Bäume gefällt werden. Der Vorfall entsetzte die Anwohner, die Polizei ermittelt. Nach aktuellen Angaben gibt es allerdings noch keine neuen Erkenntnisse in jenem Fall.

Wurden Bäume am Rindermarkt und an der Sendlinger Straße auch Opfer eines gezielten Angriffs?

Ob die Bäume am Rindermarkt und an der Sendlinger Straße ebenfalls Opfer eines gezielten Angriffs wurden, muss noch untersucht werden. Ein Sprecher des Baureferats teilte auf Anfrage mit, dass der Fall in der Behörde bekannt sei. Derzeit würden die beschädigten Bäume durch einen externen Gutachter untersucht.

Jakob Klemm, ein Forstingenieur und Baum-Experte, erklärt auf Anfrage, dass in der Tat genauere Nachforschungen nötig seien, um herauszufinden, um welche Art der Beschädigung es sich konkret handelt. Insektenbefall könnte ebenso wie mutwillige Zerstörung möglich sein.

Sehr wahrscheinlich ist allerdings, dass es um die markanten Riesen nicht zum Besten steht. Denn Platanen produzieren Klemm zufolge kein Harz. Die austretende Flüssigkeit könne also nicht vom Baum selbst kommen. LEONI BILLINA, KLAUS VICK *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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