„Die Stadt verändert ihr Gesicht“

Aus nach 50 Jahren! Ära in bester Lage am Stachus geht zu Ende

Johanna Hager
+
Edle Uhren, wertvolle Ringe, elegante Ketten: Kunsthistorikerin Dr. Johanna Hager arbeitete in dritter Generation in ihrem Juweliergeschäft - Ende des Jahres wird sie schließen

Viele Läden schließen, machen Platz für Neues – und auch am Stachus steht demnächst ein wehmütiger Abschied an.

München - Juwelier Hager, bisher am Karlsplatz 8 zu finden, muss sich bald von seinen Kunden verabschieden. Nach einem halben Jahrhundert wird das Geschäft Ende des Jahres schließen.

Johanna Hager ist die Mieterin des Juweliergeschäftes mit Blick auf den Stachus-Brunnen. Seit 27 Jahren arbeitete sie hier – schon in der dritten Generation. Nun steht „Total-Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ auf dem Schild an ihrem Schaufenster unter den Arkaden. Johanna Hager hat das Pensionsalter erreicht. „Nun will ich langsam die Rente genießen“, erzählt sie.

München: Juwelier am Stachus macht dicht

Die Corona*-Pandemie hat sie letztlich in ihrem Entschluss bestätigt. „Zu Beginn der Pandemie dachten wir zuerst: Wir schaffen das alles! Schauen wir mal.“ Durch den ersten Lockdown sei sie auch noch halbwegs gut gekommen. Die Überbrückungshilfe vom Staat sei sofort ausgezahlt worden. „Bei der ersten Welle haben sie gar nicht nach unseren Kosten gefragt, sondern einfach eine pauschale Summe zur Verfügung gestellt.“

Beim zweiten Lockdown sei es viel schwieriger geworden, die Hilfen zu bekommen. Es habe viel Bürokratie gegeben. „Bei den sogenannten Überbruckungshilfen hieß es, dass diese alle Kosten decken“, sagt Johanna Hager. „Stimmt aber nicht. Das war nur ein kleiner Teil davon. Man musste alles privat draufzahlen.“ Gehälter mussten weiterlaufen, die Miete, Strom, Wasser bezahlt werden. Sie habe nur einen Teil der Summe bekommen, sagt die Kunsthistorikerin. Und: „Es war am Ende zu mühsam, weil man für jeden Euro mit dem Staat kämpfen muss.“

München: Juwelier Hager am Stachus schließt zum Jahresende.

„Die Stadt München kriegt ein neues Gesicht.“

Nun geht mit dem Schmuckladen wieder eine kleine Geschäfts-Ära in Münchner Bestlage zu Ende. In Johanna Hagers Augen ist das nur ein Beispiel von vielen: In der ganzen Stadt sei derzeit ein großer Wandel zu beobachten. So wie bei Karstadt Sports: Der Laden, der viele Jahre lang Hagers direkter Nachbar war, ist verschwunden – so wie viele andere Läden und Restaurants auch, die in der Zwischenzeit schließen mussten. Hager: „Man kann sagen: Die Stadt München kriegt ein neues Gesicht.“ Fest steht aber jetzt schon: Der Nachfolger von Juwelier Hager wird auch aus der Branche sein. (GAN) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Corona, Miet-Irrsinn und Online-Konkurrenz - in München gehen in immer mehr Geschäften die Lichter aus. In der Altstadt ist die Liste lang. Die lokale Wirtschaft leidet unter den Folgen der Corona-Pandemie. Aktuell wird das Hotel Königshof am Stachus neu gebaut. Wenn es wieder eröffnet, soll ein neuer Betreiber die Geschicke leiten. So will es die Familie Geisel, in deren Besitz das Haus seit 1938 ist.

Auch interessant

Kommentare