Klein-Pompeji am Marienhof?

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Ein Teil der Ausgrabungen am Marienhof wurde bereits wieder zugeschüttet.

München - Am Marienhof graben sich Archäologen gerade durch 854 Jahre Münchner Stadtgeschichte, weil dort für die zweite Stammstrecke ein 40 Meter tiefer Schacht gebuddelt werden soll. Ein Stadtführer will die Mauerreste unbedingt erhalten.

Am Marienhof graben sich die Archäologen der Bahn gerade durch 854 Jahre Münchner Stadtgeschichte, weil dort für die zweite Stammstrecke ein 40 Meter tiefer Schacht gebuddelt werden soll. Während die Zukunft der zweiten Röhre ungewiss ist, will ein Stadtführer die ausgegrabenen Ruinen erhalten. „Als Bewohner der Stadt möchten meine vielen Besucher und auch ich in Zukunft sehen, was sich am Marienhof einst befand“, sagt Heinz Taubmann.

Gerade deshalb will er das Mauerwerk erhalten. Er ist Chef der Firma Weißer Stadtvogel, die Touristen und Einheimischen die Geheimnisse der Stadt auf Stadtführungen preisgibt. Bevor der Marienhof im Krieg zerbombt und danach planiert wurde, war er ein mittelalterliches Gassengewirr, dessen Fundamente jetzt erforscht werden. Taubmann: „Zu den erhaltenen Mauerresten aus dem Mittelalter zählen Fundamente der ersten Stadtmauer aus der Zeit vor 1180.“

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Der Marienhof vor 1945, hier ein Blick auf die Polizeidirektion in der Weinstraße

Die Archäologen hatten auch einen Keramiktopf aus der Gründungszeit Münchens entdeckt, ebenso Geschirr des 1945 untergegangenen Café Bentenrieder sowie das Kieselsteinpflaster des 1627 gegründeten Maria-Ward-Instituts, das später Polizeidirektion wurde und unter dessen Fundamenten wiederum noch Münchens älteste Synagoge aus dem 13. Jahrhundert gesucht wird. Die Archäologen wollen laut Bahn noch bis Juni graben. Taubmann warnt: „Wenn dann die S-Bahn-Baustelle kommt, werden die Ruinen weggebaggert und sind zerstört.“ Er fände das mehr als schade: „Das mittelalterliche Mauerwerk befindet sich teilweise in einem hervorragendem Zustand und kann mit entsprechender Fachkenntnis problemlos erhalten werden.“

Stadtführer Heinz Taubmann träumt „von Mauerresten, die sich gleich einem Schatz hinter Glas befinden und auch bei Dunkelheit neuzeitlich illuminiert von der Vergangenheit erzählen.“

Sein Vorschlag: „Man sollte wenigstens einen Teil der Fundamente erhalten und mit einem Glasdach vor der Witterung schützen und der Öffentlichkeit zur Besichtigung freizugeben.“ Damit entstünde am Marienhof so etwas wie ein Klein-Pompeji. Taubmann stellte bei der Bürgerversammlung des Stadtteils Altstadt/Lehel einen entsprechenden Antrag, dem zugestimmt wurde. Jetzt ist die Stadt am Zug: Dort hat man sich noch keine Meinung gebildet. Da ist man im Bezirksausschuss schon etwas weiter.

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Zwar erklärt BA-Chef Wolfgang Püschel (SPD): „Unser dringendstes Anliegen ist es, dass die Oberfläche des Marienhofes möglichst schnell wiederhergestellt wird.“ Er rechnet nämlich nicht damit, dass es bald eine Großbaustelle am Marienhof geben wird, die Ruinen würden dann vorerst nur zugeschüttet. Püschel meint deshalb: „Wenn es zu einer endgültigen Lösung am Marienhof kommt, sollte man Taubmanns Vorschlag ernsthaft in Erwägung ziehen.“

Johannes Welte

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