Sanierung schreitet voran

Bauboom mit Folgen: Deutsches Museum wird deutlich teurer als erwartet

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Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums, posiert vor dem Deutschen Museum in Muenchen, an der Stelle an der der neue Haupteingang entstehen soll.

Seit zweieinhalb Jahren ist eine Hälfte des Deutschen Museums dicht. Dort entstehen neue Ausstellungen, ein luftiges Restaurant und eine frische Infrastruktur. Das hat seinen Preis.

München - Die Münchner Museumsinsel ist dieser Tage zweigeteilt. Auf der einen Seite strömen Touristen und Schulgruppen durch den Haupteingang des Deutschen Museums an der Boschbrücke. An der Corneliusbrücke hingegen steht ein Containerdorf. Hier beginnen 35.000 Quadratmeter Baustelle, an der in Spitzenzeiten bis zu 400 Arbeiter von rund 100 Firmen gleichzeitig werkeln. „Das ganze Projekt ist eine Operation am offenen Herzen“, sagt Direktor Wolfgang Heckl. „Aber es war von Anfang an klar, dass wir das Museum nicht schließen.“ Sanieren wollte man das Gebäude trotzdem.

Bevor die großen Bauarbeiten am denkmalgeschützten Gebäude im Oktober 2015 beginnen konnten, mussten die Ufermauern an der Isar grunderneuert werden. So forderte es die Stadt. Denn die Laster, die das benötigte Material bringen und neben mittlerweile 6383 Tonnen Bauschutt auch rund 10.000 Exponate abtransportiert haben, brauchen einen stabilen Untergrund. Die alten Ufermauern konnten das nicht mehr gewährleisten. Dann hat man neue Fenster eingesetzt, Fassaden erneuert und eine spezielle Hochwasserdichtwand eingebaut. Das Museum und seine wertvollen Exponate bleiben von jetzt an trocken, versichert Bauleiter Dieter Lang.

Ein Foto des historischen Zustands der Abteilung lehnt in der Musik-Abteilung an einer Wand.

„Sind ein wenig in Rückstand geraten“

Die Ziele der Bauarbeiten sind eine Erneuerung der Infrastruktur, die Errichtung eines neuen Restaurants auf dem Dach des Museums und die Neugestaltung von 19 Ausstellungen. Heckl hat für das Deutsche Museum eine klare Vision, die sich stark an jener des Gründers Oskar von Miller orientiert: „Wir wollen hier weiterhin eine Volksbildungsstätte sein, die jedem Naturwissenschaften und Technik näherbringt. Doch wir sind ein wenig in Rückstand geraten, die Zukunft zu zeigen und mit den Besuchern darüber zu diskutieren.“ 

Künftig solle es deshalb nicht nur mehr Information, sondern mehr Erfahrbares und auch mehr Spaß geben. Mithilfe virtueller Realität werde es Besuchern dann möglich, einen Rover über den Mond zu steuern. Ein beweglicher Sitz vermittelt dann ein Gefühl für den holprigen Untergrund auf dem Erdtrabanten. Die Landwirtschaftsausstellung soll nicht mehr nur Traktoren zeigen, sondern sich mit der Frage beschäftigen, wo das Essen eigentlich herkommt.

Münchner Bauboom sorgt für Mehrkosten

Der finanzielle Rahmen der ausgedehnten Baumaßnahme umfasst derzeit rund 445 Millionen Euro. Ungefähr zehn Prozent steuert die Privatwirtschaft bei, den Rest zahlen Bund und Land. Doch auf der Baustelle ist man sich einig: Diese Summe wird nicht reichen, um die Arbeiten zu einem Ende zu führen. Denn einerseits gab es im Verlauf der Sanierung immer wieder ungeplante Ausgaben, weil beispielsweise Stützpfeiler erneuert werden mussten. „Das Deutsche Museum ist das zweite Gebäude in München, das mit Stahlbeton gebaut wurde“, sagt Lang. Mit dem Baustoff habe man damals noch kaum Erfahrung gehabt. „Da galt noch das Prinzip Versuch und Irrtum.“ Mit dem heutigen Stand der Technik sei das teilweise nicht mehr vereinbar.

Andererseits ist auch das Deutsche Museum vor den Folgen der boomenden Baubranche nicht gefeit. Die Auftragsbücher der Dienstleister sind prall gefüllt, sodass auch der günstigste Anbieter, der die Ausschreibungen gewinnt, nicht wirklich günstig ist. „Wir wissen noch nicht, wie viel mehr es am Ende kosten wird“, sagt Heckl. „Bund und Land sind aber großzügig zu uns. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Finanzierung steht.“

Der erste Bauabschnitt endet 2020. Dann ist der andere Teil dran. Komplett fertig will man 2025 sein, zum 100. Jubiläum der Eröffnung des Deutschen Museums. „Es liegt noch eine Menge Arbeit vor uns“, sagt Heckl. „Aber wir haben auch schon einiges geschafft.“

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