Sendlinger Straße staubtrocken

Diese Fußgängerzone in München ist ein Fiasko - Aufstand gegen Betonwüste 

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Staubtrocken: Das große Bild unten zeigt die Sendlinger Straße am Freitag.

Die neue Fußgängerzone in der Sendlinger Straße sollte zum Verweilen, Flanieren und Einkaufen einladen. Doch schon jetzt gibt es Kritik.  

München - München graut es! Die Sendlinger Straße wird zur Fußgängerzone umgestaltet. Die Bauarbeiten laufen bis Herbst, die grauen Betonplatten liegen bereits. Ein paar Bäume sollen noch aufgestellt werden. Aber schon jetzt ist klar: So richtig grün wird’s hier nicht mehr. Im Rathaus und bei den Anwohnern rumort es deshalb gewaltig.

Sendlinger Straße in München - Betonwüste kostet 3,5 Millionen Euro

Die Betonwüste: Die neue Fuzo von der Hackenstraße bis zum Sendlinger Tor kostet rund 3,5 Millionen Euro. Mit den grauen Betonplatten soll sie an die bestehende Fußgängerzone angepasst werden: Fünf Bäume sollen noch kommen, ein paar Rundbänke. Das war’s. Einen Brunnen, wie vom Bezirksausschuss gewünscht, hatte die Stadt abgelehnt, auch eine spektakuläre Idee des Münchner Architekten Jürgen Piechotka, die Straße mit einem Bachlauf zu versehen, wurde abgeschmettert.

Grünen-Chef Florian Roth: „Wir sind schon der Meinung, dass da mehr begrünt werden müsste.“ Die Stadt hatte allerdings Bedenken wegen des Denkmalschutzes. Die Sichtachsen, etwa zur Asamkirche, sollten frei bleiben. „Es geht aber nicht darum, Denkmäler kaputt zu machen“, sagt Roth. „Klimaschutz und der Schutz der Menschen sollten wichtiger sein als Sichtachsen.“ 

Auch bei der CSU ist man wenig erfreut. Stadtrat Johann Sauerer zur tz: „Viele fordern, dass möglichst viel Grün in der Stadt erhalten oder bei Bauprojekten eingeplant wird. Oft zeigt sich aber leider, dass Worten nicht immer Taten folgen.“ In der Sendlinger Straße brauche es mehr Bäume und Pflanzen. Man müsse nun nachbessern. SPD-Stadtrat Jens Röver sieht’s ähnlich: „Unser Ziel ist ganz klar, dort mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen.“ Und was sagen die Anwohner? Wir haben mit Betroffenen gesprochen. 

Sendlinger Straße in München: Das sagen Händler und Passanten

Alles ist nun zugepflastert: Momentan ist hier einfach viel zu viel Beton. Alles ist zugepflastert. Uns wurden Bilder gezeigt, wie schön es werden soll, wenn es fertig ist. Sollte es nicht so aussehen wie auf den Bildern, werde ich jeden Tag telefonieren und mich beschweren, das steht fest. Frank Friedl (47), Inhaber des Leonardo Conceptstores

Alles ist nun zugepflastert.

Es muss Farbe rein: Schlimm ist, dass die Umsätze bei allen Läden eingebrochen sind, seit die Baustelle da ist. Man muss hier viel mehr Farbe und Leben reinbringen: Zum Beispiel durch Blumentöpfe und Bäume. Ich habe aber immer noch die Hoffnung, dass alles besser wird, wenn die Baustelle weg ist. Jonas Gottlieb (27), Geschäftsführer Optiker

Es muss Farbe rein.

Viel zu wenig Pflanzen: Dass wir jetzt eine Fußgängerzone haben, finde ich sehr gut. Aber dass alles zugepflastert ist – schrecklich. Schön wäre es, wenn die Baustelle endlich mal fertig werden würde. Auch fehlt die Bepflanzung. Angst habe ich aber, dass durch die Fußgängerzone die Mieten für die Ladenbesitzer steigen. Frank Wiebach (40) Teeladenbesitzer

Viel zu wenig Pflanzen, meint der Teeladenbesitzer.

Straße heizt sich voll auf: Schön wäre, wenn man sich mal setzen könnte. Sitzgelegenheiten? Fehlanzeige. Ein weiteres Problem ist der fehlende Schatten. Die Sonne brennt erbarmungslos in die Straße und der Beton heizt sich auf. Wenn hier kein Schatten geschaffen wird, kann man das Flanieren vergessen. Petra Mayer (51), Angestellte.

Straße heizt sich voll auf.

In derSendlinger Straße laufen seit dem Frühjahr, schon damals waren nur ein paar Bäume geplant. In der Münchner Innenstadt soll die Fußgängerzone erweitert werden. Das erste Konzept liegt bereits vor.

Auch die

Gegend rund um das Sendlinger Tor

soll schon bald grüner und gemütlicher aussehen.

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S. Karowski, A. Haberstock

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Kommentare

Donner
(0)(0)

...aber, eine grandiose Piste und Abstellfläche mit viel Raum für die ERoller! Bäume und sonstige Grün-Deko wären doch nur im Weg! Ausserdem wenn alles frei ist, kann man auch schneller dieses herrliche Beispiel einer gelungenen Innenstadtgestaltung verlassen!

Benni Hund
(0)(0)

Umsätze eingebrochen...
Vielleicht liegt es auch daran, daß den Bürgern aus dem Umland kein zuverlässiges Transportmittel angeboten wird?
- andauernde Probleme auf der S- Bahn Stammstrecke
- Komplettsperrung an verkaufsstarken Wochenenden
Ich war schon lange nicht mehr in der Stadt, da immer das Risiko besteht, Abends nicht mehr Heim zu kommen.
OK, es gäbe da noch das Auto... aber das lehne ich eigentlich ab.

USB RUNNER
(1)(0)

Bitte dranbleiben, liebe tz! Ihr bringt es auf den Punkt: Glutheiße Pflasterwüste, Wahnsinnsmieten, Geldverschwendung—und das ist erst der Anfang. Als Nächstes soll das Tal verödet werden, und der OB macht sich und uns vor, er täte damit was Gutes. Beim Tag der Offenen Tür im Rathaus schwärmte er mir vor, dass man nach der Absperrung des Tals den Stadtbach freilegen könnte. Könnte, denn die „Kür“ entfällt ja am Ende wieder.
Außerdem: Was ist mit Radlern, Taxen, Elektromobilität? Die ganze Innenstadt zur Trippelzone zu machen, ist wirklich ein Rückfall ins Mittelalter. Einen „Vorteil“ hat’s natürlich: Die Leute ziehen weg, ich auf alle Fälle.
Also liebe tz, wie wär’s denn mal mit einer großen Kampagne „Mobilität für alle“? Denn die Beschränkung des Verkehrs auf Shoppende und Pantomimen ist alles andere als ökologisch oder friedfertig.