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Nach Mega-Diebstahl in der Commerzbank: Rätsel um die mysteriösen Millionen aus dem Bankschließfach

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Von: Andreas Thieme

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Zwei vermummte Männer betreten die Commerzbank - aufgenommen von der Überwachungskamera
Zwei vermummte Männer betreten die Commerzbank - aufgenommen von der Überwachungskamera © Archiv

Gleich dreimal sind Diebe bei der Commerzbank am Promenadeplatz eingestiegen. Von den erbeuteten Millionen fehlt jede Spur. Einer Bande wird jetzt zum zweiten Mal der Prozess gemacht.

München - Schwarzer Hut und dicke Winterjacke: So hat die Videokamera in der Commerzbank zwei Männer aufgezeichnet, die 4,6 Millionen Euro aus einem Schließfach gestohlen haben sollen. Der Fall machte erstmals vor zweieinhalb Jahren Schlagzeilen - doch geklärt ist er noch nicht. Seit Dienstag versucht das Landgericht im zweiten Anlauf, die Millionendiebe zu überführen. Das Urteil soll sogar erst im Juni 2022 fallen.

Bankmitarbeiterin Silvia F. ist die Hauptverdächtige in dem Fall
Bankmitarbeiterin Silvia F. ist die Hauptverdächtige in dem Fall © Archiv

München: Reiche Russin zahlte 4,6 Millionen Euro ein - doch das Geld verschwand aus ihrem Schließfach

Unklar ist auch noch immer, wer der eigentliche Kopf der Bande ist. Die Staatsanwaltschaft führt Silvia F. (58) als Hauptverdächtige. Sie arbeitet seit 1992 bei der Commerzbank und betreute zuletzt vermögende Kunden aus Russland. Ende November 2016 hatte die Bankangestellte den Auftrag einer Millionärin bearbeitet: Evgeniya B. hatte insgesamt 4,6 Millionen Euro eingezahlt - das Geld wurde auf vier Schließfächer verteilt. Doch anderthalb Jahre später war das Geld weg.

Laut Anklage hat Silvia F. geheime Informationen aus der Bank an eine Bande weitergegeben, zu der auch ihr Sohn Luca (31) gehört. Er soll den Diebstahl geplant und „im Hintergrund“ agiert haben. In der Bank selbst, als einer der vermummten Täter, soll Hüseyin B. (27, Name geändert)) gewesen sein. Laut Anklage betrat er die Filiale am Promenadeplatz 7 (Altstadt*) insgesamt drei Mal: am 8. Dezember 2017, am 2. Februar 2018 und zuletzt am 1. März 2018. Den Männern soll Silvia F. „ungehinderten Zutritt zu dem Tresorraum“ ermöglich haben. Mit Rollkoffern verließen sie jeweils die Bank.

Die Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz: Hier kam es zu dem Millionen-Diebstahl
Die Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz: Hier kam es zu dem Millionen-Diebstahl © Oliver Bodmer

Es ist ein Fall wie aus dem Krimi. Denn das Geld ist bis heute verschwunden. Ganz entscheidend wird deshalb der dritte Verhandlungstag am 16. November werden: Dann soll die reiche Russin aussagen, der die Millionen gehört haben. Auch im ersten Prozess um den Millionendiebstahl, der im Januar 2020 begonnen hatte, war sie geladen, erschien aber nicht zu ihrer Zeugenaussage. Daraufhin setzte Richter Gilbert Wolf das Verfahren aus. Seit gestern wird es neu gestartet. Aber Wolf teilte mit: „Bis jetzt haben wir von der Dame keine Rückmeldung.“ Erst am 16. November, sagt der Richter über das Verfahren, „sehen wir dann, wo wir stehen“.

Anwalt Adam Ahmed führt Hüseyin B. (27) in den Saal: Der Angeklagte soll den Millionen-Diebstahl geplant haben
Anwalt Adam Ahmed führt Hüseyin B. (27) in den Saal: Der Angeklagte soll den Millionen-Diebstahl geplant haben © SIGI JANTZ

Diebstahl in München: Angeklagte ist nach U-Haft wieder bei der Commerzbank angestellt

Silvia F. und ihr Sohn machten gestern keine Angaben. Für Hüseyin B. erklärte Anwalt Adam Ahmed: „Er hat mit den Tatvorwürfen nichts zu tun.“ Brisant: Alle drei Angeklagten sind nach kurzer U-Haft im Frühjahr 2019 seither auf freiem Fuß - Silvia F. sogar offiziell wieder bei der Bank angestellt. Aber: „Frau F. ist derzeit von der Arbeitsleistung freigestellt und hat nach Abschluss des Kündigungsschutzprozesses zu keiner Zeit ihre Arbeit wieder aufgenommen“, sagt Commerzbank-Sprecherin Renate Christ. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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