München: Fassmacher wollten am 16. September zum Tanz – Vierte Welle stoppt das Vorhaben

Schäffler: Kurzeinsatz abgesagt

Tanz der Schäffler am Marienplatz: 2019 war die letzte offizielle Tanzsaison. Die Tanzabfolge wird am Anfang und am Ende mit dem bayerischen Defiliermarsch eingeläutet.
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Tanz der Schäffler am Marienplatz: 2019 war die letzte offizielle Tanzsaison. Die Tanzabfolge wird am Anfang und am Ende mit dem bayerischen Defiliermarsch eingeläutet.

Eigentlich wollten die Schäffler Mitte September ein Zeichen der Hoffnung setzen und mit ihrem traditionellen Tanz das Ende der Corona-Pandemie einläuten. Jetzt mussten die Fassmacher die Veranstaltung absagen - ausgerechnet wegen der vierten Corona-Welle.

Update vom 15. September, 13:38 Uhr: „Gerne hätten wir schon jetzt ein positives Zeichen gesetzt, dass das Leben weitergeht und man trotz noch andauernder Pandemie zuversichtlich in die Zukunft blicken kann“, heißt es in einer Mitteilung der Schäffler. Aber es hilft nichts die Auftritte, die eigentlich vom 16. bis zum 19 September hätten stattfinden sollen, sind bis auf Weiteres verschoben.

Zwar seien die Auftritte grundsätzlich genehmigt worden, die Auflagen waren für die Tänzer dann aber kaum einzuhalten. „Maskenpflicht im Tourbus, Hygienekonzept, Begrenzung der Zuschauer auf 1.000 Personen, Abstandsregeln und Kontaktdatenerfassung sind durch uns als Verein auf den Straßen und Plätzen in München nicht umsetzbar und die Einhaltung nicht zu kontrollieren.“ Die Entscheidung sei in enger Abstimmung zwischen den Vorsitzenden des Vereins, des Vorstands und der Tänzern gefallen - „schweren Herzens und zum Wohle und Schutz unserer Zuschauenden und der Mitwirkenden“, wie es in der Mitteilung heißt.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben: „Wir bleiben in dieser Situation auch weiterhin unserer geschichtlichen Verpflichtung bewusst und werden zum Ende der Einschränkungen außer der Reihe den Original Münchner Schäfflertanz aufführen.“ Dafür müsse aber zunächst „die Luft rein” sein - im wahrsten Sinne des Wortes.

Erste Meldung vom 21. Juli 2021, 11:41 Uhr:

Im Anschluss daran ist eine Kurztanzsaison bis zum darauffolgenden Sonntagabend angedacht – soll wollen die Schäffler das Ende der Corona-Pandemie ankündigen.

Womit wir auch schon beim großen Fragezeichen wären, das über dem Termin schwebt. Denn natürlich steht dieser noch unter Vorbehalt, sagt Schmid. Schließlich steigen die Zahlen aktuell wieder. Schmid blickt sorgenvoll auf Großbritannien, die Niederlande und Spanien. „Persönlich gebe ich dem ganzen ein 50:50-Chance“, sagt Schmid.

Aber die Schäffler sind optimistisch und wären quasi stante pede einsatzbereit. „Eine Probe, maximal vielleicht zwei würden uns zur Vorbereitung schon reichen“, sagt Schmid. Schließlich ist die letzte Saison der Schäffler erst zwei Jahre her – im Winter 2019 erfreuten sie ihr Münchner Publikum zuletzt. „Da können wir mit fast der gleichen Mannschaft tanzen, das sitzt schnell wieder“, ist sich Schmid sicher.

Alle sieben Jahre führen die Fassmacher ihren traditionellen Tanz normalerweise auf – jetzt wollen sie für das Ende der Corona-Pandemie eine Ausnahme machen. Die Tradition des Schäfflertanzes reicht über 500 Jahre zurück. Im Jahr 1517 wütete in München die Pest. Als die Krankheit wieder verschwunden war, wagten sich der Überlieferung zufolge die Fassmacher als Erste auf die Straßen. Sie tanzten, um den Menschen Mut zu machen.

Das wollen sie jetzt wieder tun. Allerdings unter erschwerten Bedingungen – denn beim avisierten Termin am 16. September könnte die Mini-Tanzsaison ganz schön schweißtreibend für die Fassmacher werden. „Wir tragen ein echtes Wintergewand, null Grad wäre für uns eine optimale Tanztemperatur“, sagt Schmid.

Die dürften Mitte September kaum zu erwarten sein. Weil die Schäffler auch beim Wiesn-Umzug dabei sind, kennen sie die meteorologischen Besonderheiten dieses Termins. „Bei 20 Grad fängt man schon im Stehen an zu schwitzen. Wenn man dann auch noch tanzen muss, pfeift man schnell aus dem letzten Loch“, weiß Schmid. Zum Wintergewand gibt es aber keine Alternative, weil die Schäffler üblicherweise ja nur im Winter tanzen. Und so hoffen die Fassmacher darauf, dass die Corona-Zahlen ihren Tanz zulassen – und dass Petrus ihnen kühlere Temperaturen schickt.

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