Pachtvertrag läuft aus

Traditionslokal im Herzen Münchens: Der „Haxnbauer“ steht vor dem Aus

Stephan Kuffler vor dem „Haxnbauer“ in der Sparkassenstraße in München.
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Stephan Kuffler vor dem „Haxnbauer“ in der Sparkassenstraße in München.

Der Grill im Scholastikahaus wird womöglich bald ausgeschaltet. Wie unsere Zeitung erfuhr, wird der Vertrag der Gastro-Familie Kuffler für den „Haxnbauer“ an der Sparkassenstraße nicht verlängert.

München - Stephan Kuffler hat im „Haxnbauer“ schon als 16-Jähriger hinter dem Tresen ausgeholfen. „Die Sache trifft mich hart“, sagt der Unternehmens-Chef über die ungewisse Zukunft seines Herzenslokals. Seit 1980 dreht sich in der Wirtschaft alles um die knusprigen Schweins- und Kalbshaxn, die 24 Stunden in einer geheimen Salz-Kräuter-Mischung mariniert werden. Das historische Gebäude an der Sparkassenstraße 6 gehört dem Akademischen Gesangverein München (AGV) – neben dem Lokal befinden sich darin das Studentenwohnheim des Vereins und Übungsräume.

Im Oktober 2022 läuft der Pachtvertrag für das Restaurant aus. Der Eigentümer nahm das zum Anlass, die Fläche neu auszuschreiben. „Wir hätten gerne verlängert, auch wenn die Pacht massiv erhöht worden wäre“, sagt Kuffler. „Leider hat uns der Eigentümer lange im Unklaren gelassen, wie es weitergeht. Auf unsere Termingesuche wurden wir immer wieder vertröstet, wir haben schließlich über den Flurfunk erfahren, dass es eine Ausschreibung gibt.“

München: Augustiner-Brauerei erhält Zuschlag für Scholastikahaus

So blieb Kufflers nur die Möglichkeit, ebenfalls eine Bewerbung einzureichen. Allerdings steht in dem alten Gebäude eine umfangreiche Generalsanierung an. „Während der Arbeiten hätte der Restaurantbetrieb nicht laufen können, zudem wären dafür Kosten im siebenstelligen Bereich auf uns zugekommen“, sagt Kuffler. Daher zog die Familie die Bewerbung zurück. „So dicke haben wir es in Corona-Zeiten auch nicht.“

Den Zuschlag erhielt die Münchner* Augustiner-Brauerei. „Das Scholastikahaus ist ein wunderschönes altes Gebäude, das gut zu uns passt“, sagt Brauerei-Chef Martin Leibhard. Zwar soll von der Elektrik bis zur Wasserversorgung alles renoviert werden. „Aber wir wollen das Alte, Schöne natürlich erhalten.“ Der AGV selbst wollte sich dem Merkur gegenüber nicht äußern. „Aus Vertraulichkeitsgründen können wir hierzu im Moment keine Angaben machen“, hieß es in einem schriftlichen Statement.

München: Familie Kuffler will ihren „Haxnbauer“ auf jeden Fall erhalten

Die Familie Kuffler will ihren „Haxnbauer“ auf jeden Fall erhalten. „Die Frage ist nur, wo“, sagt Stephan Kuffler. Eine Hoffnung liegt auf Augustiner als neuem Pächter. „Vielleicht wollen sie uns als Unterpächter behalten.“ Laut Augustiner-Chef Leibhard ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch völlig offen, wer neuer Wirt wird: „Noch ist alles denkbar.“ Eine Entscheidung soll im Laufe des nächsten Jahres fallen.

Kufflers wollen ihr Lokal sonst an anderer Stelle weiterführen: „Wir sind bereits auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten innerhalb des Altstadtrings oder in Schwabing, am besten mit viel Platz für eine Außenbestuhlung.“ Wie es nach dem Lockdown im jetzigen Lokal weitergeht, ist noch unklar. „Ohne Touristen und Außenplätze im Sommer öffnen, macht wohl keinen Sinn“, sagt Kuffler. „Aber eins habe ich während Corona* gelernt: Man sollte nicht weiter im Voraus planen als die nächsten zehn Minuten.“ - Christina Meyer - *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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