3,5 Millionen Euro

Sendlinger Straße: Genügen sechs Bäume gegen die Betonwüste?

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Mehr Grün: Die Sendlinger Straße in München wurde begrünt. 3,5 Millionen Euro hat der Umbau der Fußgängerzone gekostet.

In der Sendlinger Straße in München hat sich etwas getan. Die Stadt hat sechs Bäume gepflanzt und zehn Blumenkübel aufgestellt. Ist das genug gegen eine Betonwüste?

München - Welch einen Unterschied sechs Bäume, zehn Blumenkübel und ein paar kreisrund angeordnete Stühle machen können. Seit vergangener Woche hauchen diese der neuen Fußgängerzone in der Sendlinger Straße Leben ein: „Eine tolle Stimmung haben wir jetzt hier“, sagt Frank Friedl, 48, Inhaber des Casa43-Concept-Stores. Die Idee war, die Sendlinger Straße von sämtlichem Verkehr zu befreien, und so die gestresste Seele der Münchner zu beruhigen: weniger Abgase, mehr Platz zum Verweilen und obendrein größere Kauflaune.

Sendlinger Straße: Fußgängerzone Anfangs ein Fiasko 

Doch als aus der Idee langsam Wirklichkeit wurde, waren die Kritiker nicht weit: zu viel Beton, zu wenig Farbe – so werde das nichts mit der viel beschworenen Aufenthaltsqualität. Die Bauarbeiten sind allerdings noch immer in vollem Gange, die Begrünung war von Anfang an erst im aktuellen Bauabschnitt geplant. Das Baureferat erklärt dazu auf Anfrage: „Pflanzzeit für Bäume und Gehölze ist immer im Herbst, denn Bäume können nur im unbelaubten Zustand gut anwachsen.“ Auch Ladenbesitzer Friedl hatte zwischendurch Sorge, dass die Fußgängerzone eine graue Staubwüste bleiben würde. Und ein wenig zusätzliche Farbe könnte die Straße nach seinem Dafürhalten auch jetzt noch gebrauchen: „Zwei, drei Kübel mehr wären nett“, sagt er. Seit vier Jahren hat er seinen eigenen Laden an der Sendlinger Straße. „Das war immer mein Traum. Schon vor zig Jahren bin ich hier zum Einkaufen hergekommen.“ Seit nun eine reine Fußgängerzone vor seinem Laden liegt, träumt der Geschäftsmann noch weiter: „Hier kann in der Zukunft etwas richtig Tolles entstehen.“

Händler Frank Friedl (48) wünscht sich noch mehr Grün.

Damit die neue Sendlinger Straße aber zum Wahrzeichen werden kann, sollte man dranbleiben, meint Grünen-Fraktionschef Florian Roth: „Ich könnte mir vorstellen, dass es hier noch weitere Ideen gibt, um noch mehr Farbe in die Straße zu bekommen.“ Bisher waren Pläne, die mehr Grün beinhalteten, aber am Denkmalschutz gescheitert.

So viel hat der Umbau Sendlinger Straße in eine Fußgängerzone gekostet

Die Fußgängerzone kostet 3,5 Millionen Euro. Während der Bauzeit klagten viele Händler über Umsatzeinbußen. Friedl ist sich jedoch sicher, dass sich das Warten auszahlen wird. „Ich merke, dass viele neue Leute in den Laden kommen.“ Und das ist schließlich die Währung, auf die ein Einzelhändler baut.

Blumenkübel im Blick: Die Sendlinger Straße in München.   

Abgelehnt! Der spektakuläre Bach-Plan

Darüber, wie die Sendlinger Straße künftig aussehen soll, gab es in der Vergangenheit einige Kontroversen. Der spektakulärste Vorschlag: ein Bachlauf mitten in der Fußgängerzone. Die Idee kam vom Architekten Jürgen Piechotka. Weil er aber kaum barrierefrei umgesetzt hätte werden können und weil das Ganze etwa eine Million Euro im Jahr gekostet hätte, war der Plan bald nur noch (eine nette) Geschichte.

Spektakulärer Plan wurde abgelehnt: Ein Bach durch die Sendlinger Straße. 

Auch hier wird’s in München hübscher

Seien wir ehrlich: In München ist nicht jeder Platz ein Postkartenmotiv. Und genau daran will die Stadt jetzt etwas ändern – zum Beispiel am Areal rund um das Siegestor. Der Bau mit dem prächtigen Namen steht heute auf einer öden Beton-Insel – inmitten einer dauerüberfüllten Hauptstraße. Der Plan: ein 18 Meter breiter Fußweg, flankiert von 32 neuen Pappeln und Tausenden Rosen. 

Das Siegestor in München soll hübscher werden.

Auch den Vorplatz der Paulskirche will die Stadt aufhübschen – genauso wie den Laimer Willibaldplatz. Das Motto dort: weniger Autos, mehr Sitzmöbel. Erst kürzlich hat die SPD fünf weitere Plätze vorgeschlagen, die dringend einer Schönheitskur bedürfen. Darunter: die spitz zulaufende Kreuzung von Barer- und Nord­endstraße (Schwabing), der Europaplatz hinter dem Friedensengel und der Esperantoplatz am Bavariaring. Die konkreten Planungen sollen bald beginnen.

München ist ja so schön, heißt es immer. Doch die Stadt verliert immer mehr Grünflächen. Bäume fallen Bauprojekten zum Opfer. Gegen die Betonwüste in München hat sich nun ein Bündnis formiert. 

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Altstadt/Lehel – mein Viertel“.

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