Organisierte Kriminalität!

Sperrbezirk für Bettler-Banden in München

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Bettler in der Innenstadt wie auf diesem Bild: Die Stadt will einen Riegel vorschieben.

München - Das KVR will den Bettel-Banden in der Innenstadt das Handwerk legen und gegen die organisierte Kriminalität vorgehen! Geplant ist eine Verfügung, die die Altstadt zur Sperrzone erklärt - und das ist noch nicht alles.

Es geht ihm nicht um die Frauen, die betteln, damit das Kind etwas zu essen bekommt, während sich der Mann als Tagelöhner durchschlägt. Es geht dem obersten Ordnungshüter der Stadt, Wilfried Blume-Beyerle, um die Profi-Sammler, die ihr Geld bei einem Boss abliefern müssen: „Das ist kein Betteln, sondern organisierte Kriminalität bis hin zum Menschenhandel.“ Diesen Bettel-Banden will der KVR-Chef das Handwerk legen – und den Altstadtring und andere Brennpunkte wie etwa den Hauptbahnhof zum Sperrbezirk erklären!

Gestern sagte Blume-Beyerle im Stadtrat, dass sein KVR prüfe, eine Allgemeinverfügung gegen „gewerbs­mäßiges Betteln“ zu erlassen. „Es hat in den letzen Wochen und Monaten einen Grad erreicht, der uns zwingt, intensiver über Maßnahmen nachzudenken“, sagte er, als es um die Erweiterung der Fußgängerzone in die Sendlinger Straße ging. Mittlerweile seien der Polizei rund 30 organisierte Bettler im Zentrum und rund 40 am Hauptbahnhof bekannt – meist aus Südosteuropa. „Ich sehe die Menschen jeden Tag. Sie tun mir richtig leid“, sagt Blume-Beyerle. Das Betteln werde aber oft als Deckmäntelchen benutzt. „Unsere Instrumente sind nicht scharf genug.“

Auch am Viktualienmarkt immer mehr Profi-Bettler

In der Innenstadt soll es künftig keinen Platz mehr für Bettler-Banden und Spielcasinos geben - zumindest wenn es nach dem KVR geht (zum Vergrößern bitte hier klicken).

Zwar ist Betteln in der Fußgängerzone verboten, außerdem geht das KVR wegen der Sondernutzung der Gehwege vor – doch Platzverweise und Gebührenbescheide entfalteten oft keine Wirkung. Vor allem am Alten Rathaus und an der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt gäbe es immer mehr Profi-Bettler. Jetzt müssten die Ordnungshüter für eine Allgemeinverfügung genau definieren, was „gewerbsmäßiges Betteln“ ist.

Obwohl viele Münchner das „System“ durchschaut hätten, öffneten viele noch die Geldbeutel. „Es wäre schon viel erreicht, wenn die Leute nichts mehr geben würden.“

David Costanzo

Das Geld der Bettler geht an die Hintermänner

Ein Zeltverschlag wie etwa hier am S-Bahnhof Perlach.

Die meisten Bettler sind selbst Opfer. Eine Masche laut Polizei: Die Menschen werden von Hintermännern mit falschen Versprechen von Arbeit und Wohlstand aus ihren Heimatländern wie Rumänien und Bulgarien nach München gelockt. Dann löse sich der Job in Luft auf, und die Armen müssten die Fahrtkosten durch Betteln abbezahlen. In jedem Fall müssten sie das Geld größtenteils an die Hintermänner wieder abgeben – anders als so genannte „stille Bettler“, die nur für sich selbst sammelten. In der Stadt müssen die Opfer unter unwürdigen Bedingungen hausen – in Kleinbussen, in heruntergekommenen Gebäuden oder in Zeltverschlägen etwa am S-Bahnhof Perlach (Foto). Mit 38 solcher wilder Camps hat sich ein Sonderstab der Stadt befasst, zuletzt gab es noch sieben Orte.

KVR will Sperrzeiten für Spielhallen

Zocker, Spieler, Daddler: Lange hatten die Münchner Ruhe vor Wettbüros und Spielhallen – doch seit einigen Monaten entstehen sie schon wieder an vielen Straßenecken. Die Stadt geht dagegen vor – doch ihre Mittel sind (noch) begrenzt.

In der Gegend um den Hauptbahnhof entstehen immer mehr Spielhallen – insgesamt gibt es in München derzeit 245.

Das Problem wächst: In den vergangenen fünf Jahren stieg zum Beispiel die Zahl der Zocker-Buden in München von 144 auf 245 und die der einarmigen Banditen von 1072 auf 2614. Im Jahr 1990 gab es nur 31 Spielhallen in der Stadt. Weil Spieler für die blinkenden Glücksautomaten besonders empfänglich sind, klettert damit auch die Zahl der Süchtigen. Geschätzt rund 62 000 kranke Spieler gibt es in Bayern – meist junge Männer, die durchschnittlich mit rund 24 000 Euro in der Kreide sind.

Jetzt hat sich der Stadtrat auf Antrag der SPD und mit großer Mehrheit diese Spielhallen vorgenommen. Ab 1. Mai müssen sie nachts länger schließen, die Sperrzeit wird von bislang 3 bis 6 Uhr auf 3 bis 9 Uhr ausgeweitet. Das soll die Zocker von ihrer Sucht fernhalten. Nach Aussage von SPD-Stadträtin Barbara Scheuble-Schaefer hat die Glücksspielindustrie den Politikern vor der Entscheidung noch freundliche Briefe geschrieben. Nach einer Gesetzesänderung kann das KVR künftig auch Spielhallen verbieten, die näher als 250 Meter an einer anderen Zocker-Bude sind.

Noch schwieriger ist die Lage bei den Wettbüros: Die hat das KVR bis 2008 praktisch komplett untersagt – 150 an der Zahl. Doch seit einer Gesetzesänderung 2012 gibt es sie wieder! Die Anbieter berufen sich auf eine Gesetzeslücke: Das Bundesland Hessen darf bundesweite Konzessionen ausgeben, hat aber noch kein Verfahren für eine Erlaubnis vorgestellt. KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle sagt: „Sobald es das gibt, kann und wird das KVR Sportwettbüros ohne Erlaubnis untersagen.“

DAC

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