Ein neuer Name für alte Kulturen

Völkerkundemuseum heißt jetzt "Fünf Kontinente"

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Das Völkerkundemuseum heißt jetzt „Fünf Kontinente“ - siehe rotes Plakat.

München - In diesem prächtigen Gebäude in der Maximilianstraße ist die Welt zu Hause. Blöd bloß, dass das nicht jeder so recht weiß. Und deshalb geht das Völkerkundemuseum in die Offensive und benennt sich ab sofort um.

Das Staatliche Museum für Völkerkunde heißt jetzt "Museum Fünf Kontinente". Nur eine Lappalie? Das sehen die Museumsleute rund um die Direktorin Christine Kron nicht so, denn: Der neue Name soll auch gleichzeitig frischen Wind in Sachen Öffentlichkeitsarbeit bringen – und steht für eine Neuausrichtung des altehrwürdigen Hauses. Was sich ab Spätherbst auch auf Werbeplakaten der Münchner Trambahnen äußern soll.

Zwei Jahre lang, so Kron gestern auf der Pressekonferenz, habe man „intensiv“ um einen neuen Namen gerungen: „Wer sind wir? Wo wollen wir stehen?“ Antwort: „Wir wollen uns noch stärker öffnen und einen kulturellen Dialog mit der Welt auf Augenhöhe.“ Man wolle sich stärker in Richtung Verstehen und Kennenlernen bewegen, vor allem Familien und Kinder ansprechen. Und, falls es passt, zu Ausstellungen auch zeitgenössische Kunst des jeweiligen Kulturraums einbinden.

Der Begriff Völkerkunde habe sich überholt, sagt Kron: „Er stammt zwar aus der Aufklärung des 18. Jahrhunderts, aber ist heute negativ besetzt durch die Kolonial- und NS-Zeit.“ Übrigens sei der „Chef“ des Hauses, Franz Herzog von Bayern, vom neuen Namen „begeistert“.

Den ersten frischen Wind soll die große Schau Myanmar. Von Pagoden, Longyis und Nat-Geistern bringen (ab 19. September). Dafür hat man die Münchner Innenarchitekten und Ausstellungsgestalter von Die Werft engagiert (tz-Rosenstrauß 2013 fürs Ägyptische Museum), die derzeit fleißig werkeln. Rund 1000 Quadratmeter werden bespielt, 1500 Quadratmeter Wandbespannung aufgehängt. Vier Leute waren fast ein Jahr beschäftigt – für Geschäftsführer Christian Raißle ist die Arbeit noch stressiger als die für die alten Ägypter – weil das Gebäude alt ist.

Übrigens will man die Leute nicht zu sehr überrollen mit dem neuen Namen – bis er über dem Portal hängt, dauert es noch ein Weilchen. Sieht so aus, als ob es mit dem kleinen Dämmerschlaf vorbei ist, den der Buddha rechts so schön vormacht … M. Bieber

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