Gartenhistorikerin warnt

Musik, Sport & Co. - Zu viel Gaudi im Englischen Garten?

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Grüne Oase im steinernen München: Der Freizeitdruck auf den Englischen Garten wird immer größer.

Die Münchner lieben ihren Englischen Garten – aber wissen sie ihn auch zu schätzen? Diese Frage wirft das Zentralinstitut für Kunstgeschichte mit einer neuen Vortragsreihe auf.

München - Sobald die ersten Sonnenstrahlen die Stadt treffen, zieht es die Massen in den Englischen Garten. Den Sonnenanbetern, den Trommlern und den Sportlern ist dabei meist nicht bewusst, dass sie sich mitten in einem Kunstwerk befinden. „Der Englische Garten ist mehr als nur ein Grünfläche“, sagt Iris Lauterbach. Sie ist Gartenhistorikerin am Zentralinstitut für Kunstgeschichte – und will mit einer Vortragsreihe ein neues Bewusstsein für den Englischen Garten schaffen.

Gartenhistorikerin fordert Rücksichtnahme

Der Volksgartencharakter des Parks, der vor 230 Jahren gegründet worden ist, steht für Lauterbach im Zentrum dieser Überlegungen: „In diesem Garten sollen sich die Stände im friedlichen Umgang begegnen – eine gesellschaftspolitische Utopie, die im Wesentlichen bis heute funktioniert“, sagt die Wissenschaftlerin. Dafür brauche es aber Rücksichtnahme – den anderen Parkbenutzern gegenüber genauso wie der empfindlichen Vegetation gegenüber.

Lauterbach warnt: „Der Park kann nur dann so erhalten bleiben, wenn sich alle an ein paar Spielregeln halten.“ Trommeln im Englischen Garten? „Das gehört da nicht hin“, sagt die Gartenhistorikerin. „Die einen wollen trommeln oder über Lautsprecher Musik hören, mir geht das komplett auf den Nerv. In einem Garten will ich die Vögel hören.“

Englischer Garten sei kein Ort für sportliche Aktivitäten

Außerdem sei der Englische Garten nicht der Ort für sportliche Aktivitäten aller Art. „Darunter leiden Natur und Vegetation“, sagt Lauterbach. „Das ist demjenigen, der dort sein Volleyballnetz aufspannt oder seine Slackline anbringt, meist nicht bewusst. Wenn der Englische Garten durch Extremnutzung kaputt gemacht wird, dann hat niemand was davon“, mahnt Lauterbach.

Mit der Vortragsreihe, die heute startet, will Lauterbach dieses Bewusstsein schaffen. „Wer den geschwungenen Wegen durch den Park folgt, der entdeckt die bewusste Inszenierung von Bildern der Natur – das entscheidende Kennzeichen eines Landschaftsgartens“, erklärt Lauterbach. Wie ein Besuch in einem Museum, nur an der frischen Luft. „Ein schärferer Kontrast zum steinernen München drumherum ist kaum vorstellbar“, schwärmt Lauterbach.

Der Englische Garten kann mit dem Wachstum der Stadt nicht mithalten

Mit dem Wachstum der ihn umgebenden Stadt kann der Englische Garten aber nicht Schritt halten. Lauterbach warnt: „Für die Massennutzung ist der Park nicht geeignet.“ Ebenso wenig wie für die Querung einer Tramtrasse. „Seit über 100 Jahren kommt diese Idee immer wieder auf den Tisch“, sagt Lauterbach und fügt hinzu: „Aus gestalterischen Gründen sind diese Vorschläge immer wieder abgelehnt worden.“ Bei den Tram-Plänen der MVG kann Iris Lauterbach nur den Kopf schütteln. „Wir bauen einen Tunnel für den Mittleren Ring, um den Englischen Garten wieder zu vereinigen, und planen dann eine neue Schneise.“ Die MVG beteuerte gestern, nach derzeitigem Stand seien „keine Ampeln, Umlaufsperren oder Sperrgeländer erforderlich“. Trotzdem hält Lauterbach die Tram für einen schweren Eingriff.

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