Josef Schmid

CSU-Bürgermeister will Adoptionsrecht für Schwule

+
OB Reiter und Bürgermeister Schmid beim CSD in München.

München - Bürgermeister Josef Schmid hat beim Christoper Street Day dafür geworben, schwulen und lesbischen Paaren die gleichen Möglichkeiten zur Adoption zu geben wie Heterosexuellen. Schmid warb aber auch für Verständnis für Christen, die ganz anderer Meinung sind.

Da wird mancher Parteifreund kurz zusammenzucken: Münchens Zweiter Bürgermeister Josef Schmid, CSU, hat beim CSD in der Landeshauptstadt am Samstag ein volles Adoptionsrecht für homosexuelle Paare gefordert.

Schon seit Jahren kommt Schmid zur großen Parade in die Münchner Innenstadt. Anfangs noch kritisch beäugt und ausgepfiffen, hat er sich mittlerweile Respekt in der Münchner Community verschafft. In diesem Jahr überraschte er die Teilnehmer mit - für einen prominenten CSU-Politiker - besonders weitgehenden Forderungen.

Schmid versicherte den CSD-Besuchern, er sei für die absolute Gleichstellung bei der Adoption. "Für mich ist das Wohl der Kinder entscheidend", sagte Schmid. Kinder bräuchten Schutz und "einen Rahmen".

"Der entscheidende Punkt für mich ist aber: Die Frage, ob man für eine Elternrolle geeignet ist, ist keine Frage der sexuellen Orientierung." Es gehe vielmehr um "Verantwortungsbewusstsein, Sensibilität, Fürsorge und Zusammenhalt." Schmid sagte: "Ich bin fest überzeugt, dass es für Kinder prinzipiell keinen Unterschied macht, ob sie in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften oder in gemischt-geschlechtlichen Ehen aufwachsen."

100.000 Teilnehmer beim Christopher Street Day in München

Schmid warb aber auch für Verständnis für Menschen, die einer voll gleichgestellten "Homo-Ehe" kritisch gegenüberstehen. "Für viele gerade christlich orientierte Menschen ist es nicht leicht, sich von der traditionellen Definition der Ehe zu lösen", sagte er. "Das hat in den seltensten Fällen etwas mit Ressentiments oder Vorurteilen zu tun."

SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter zeigte sich am Rande der CSD-Parade erfreut über die Äußerungen Schmids - klang aber recht pessimistisch, was die Möglichkeiten betrifft, sie in der CSU durchzusetzen. Er selbst stimme mit Schmids Forderungen vollkommen überein, sagte Reiter dem Münchner Merkur. "Aber ob das wirklich auch die CSU so sieht?" Stadtrat Thomas Niederbühl von der Rosa Liste auf jeden Fall bezeichnete die CSU am Nachmittag "auch jetzt wieder als den größten Bremser", was die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare betrifft. Mehrere Grüne forderten, Schmid müsse jetzt Taten folgen lassen und auf Parteitagen für seine Forderung werben. Der Münchner Christopher Street Day wird auch noch bis zum Sonntagabend in der Innenstadt gefeiert.

Felix Müller

Auch interessant

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare